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«Gemässigte Imame brauchen eine Anlaufstelle beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement», fordert Yahya Hassan Bajwa. Der schweizerisch-pakistanische Doppelbürger und Experte für inter-religiösen Dialog sagt gegegnüber Blick.ch: «Sobald sie bei Kollegen extremistische Tendenzen feststellen, müssen sie einen Kontakt haben, dem sie das melden können. Und zwar, ohne gleich zur Polizei rennen zu müssen.»
Unterstützung erhält Bajwa von Saïda Keller-Messahli, der Präsidentin des Forums für fortschrittlichen Islam. Auch sie ist «nicht wirklich überrascht» vom Geheimbericht des Bundesrats. «Extremistisches hören wir leider immer wieder von gewissen Imamen.» Das sei aber eine Minderheit. Überhaupt gingen nur 15 Prozent der Muslime in die Moschee. «Aber die Mehrheit braucht aber ein Mittel, um sich gegen die Militanten wehren zu können.» Auch sie plädiere deswegen dafür, «dass die Gemässigten die Behörden alarmieren können, wenn sie von extremistischen Aktivitäten erfahren».
«Ja, das ist ganz schlimm», kommentiert auch Sadaqat Ahmed gegenüber Blick.ch die Hass-Tiraden gewisser Kollegen. Der Imam der Mahmud-Moschee in Zürich betont: «Ich kenne tolerante und weniger tolerante Schweizer. Aber kein Mensch darf als Tier bezeichnet werden.» Auch Gewalt lehnt Ahmed ohne Wenn und Aber ab: «Krieg im Namen des Islam geht absolut nicht. Ich möchte mit Argumenten überzeugen.»
Blanker Hass
Einer der Imame, den der jetzt in der «Weltwoche» bekannt gemachte Bericht nennt, predigt «die ewige Unversöhnlichkeit zwischen christlichen ‹Kreuzfahrern› (seine Bezeichnung für alle Christen, Red.) und Muslimen». Er ruft auf «zur Gewalt gegen Christen und Juden bis zu deren Unterwerfung unter die islamische Vorherrschaft». Auf die Spitze trieb es der ehemalige Imam im luzernischen Kriens, ein Libyer mit Niederlassung C. Der nannte, so der Bericht, «die Schweizer Affen oder ungläubige Schweine und befürwortet ihre Ausrottung».
«Imame müssen unsere Gesetze akzeptieren»
Yahya Hassan Bajwa, Sohn des ersten Imam in der Schweiz, kann über so etwas nur den Kopf schütteln. Aber er findet es unglücklich, dass der geheime Bericht ausgerechnet an die «Weltwoche» weitergegeben wurde, die sich auf den Islam eingeschossen habe. «Viel wichtiger wäre es, gewaltbereite Imame herauszuzupfen und ins Gebet zu nehmen. Sie müssen wissen: Solche Äusserungen sind unakzeptabel.»
Für solche Extremisten müsse auch die Ausbildung verbessert werden. Er fordert die Imam-Ausbildung in der Schweiz. «Man muss den Imamen aber nicht den Koran beibringen», gibt Bajwa zu bedenken. «Sie müssen vielmehr begreifen, was für Gesetze und Sitten in der Schweiz gelten. Und diese ohne Wenn und Aber akzeptieren.»