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Gut, dass Sie mich bei diesen Sprechübungen nicht sehen können. Sie könnten mich für einen Breitmaulfrosch halten. Denn ich habe ein Problem: Es gibt Laute im Schwiizertüütschen, die meine Kehle nicht formen kann.
«Danke» zum Beispiel kann ich nicht anständig sagen. Es hört sich entweder steif und hochdeutsch an. Oder schrecklich ungelenk: «Dangge», versuche ich. «Dangcke.» «Dancke.» Aber das ist es nicht.
Die gleichen Probleme habe ich mit Worten, die ein «ä» enthalten. «Adrässe» zum Beispiel. Oder «Wääg». Das «ä» in diesen Worten ist tückisch. Es ist kein «ä» im hochdeutschen Sinne – sondern ein spezifisch züritüütsches «ä».
«Das ist ein überoffener Speziallaut», erklärt Lehrerin Ann Beilstein. Und gibt uns Übungstipps. Eben jene, die Sie besser nicht sehen sollten.
Im Kurs probiere ich die Übungen nur kurz. Unterstützt von Sophie (25), meiner polnischen Tischnachbarin. Zusammen formen wir mit den Lippen ein lautes, offenes «Aaaa». Ein bisschen wie beim Arzt. Harmlos.
Dann aber müssen wir die Ecken unserer Münder mit den Fingern auseinanderziehen. Der Breitmaulfrosch. Hinaus kommt ein seltsam klingender Laut. War es ein züritüütsches «ä»? Lehrerin Beilstein lächelt nur milde und unsere Mitschüler amüsieren sich köstlich.
Mein Entschluss steht fest: Ich übe zu Hause. Ganz alleine.
Morgen für Morgen stehe ich nun vor meinem Badezimmerspiegel, ziehe die Mundwinkel auseinander und sage «Aaaa – ääää».
Ein Problem aber bleibt, auch wenn mein «ä» irgendwann richtig schwiizertüütsch tönen sollte. Ich bekomme es nur mit der Breitmaulfrosch-Methode hin. Und das kann ja wohl keine Lösung sein.
Stellen Sie sich vor, ich rede mit Ihnen und frage Sie nach Ihrer «Adrässe». Kurz nach dem «r» müsste ich dann meinen Mund mit den Fingern auseinanderziehen. Nein, so geht es nicht. Ich muss nach Alternativen suchen.
Katia (l.) und Sophie (r.) mit Lehrerin Ann Beilstein.- Dominik Baumann