Das Private ist öffentlich

  • Publiziert: 00.08 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012

Kommentar von SonntagsBlick-Chefredaktor Hannes Britschgi.

Vor einer Woche machte SonntagsBlick öffentlich, dass der populäre Volksschauspieler Walter Roderer vor sechs Jahren heimlich seine Grossnichte Anina geheiratet hatte. Seither reden alle über diese Liebesgeschichte. «Rodi» und seine Anina trennen 60 Jahre. Tut nichts zur Sache, wenn das Verbindende grösser ist als das gesellschaftliche Tabu. Heute erklärt Walter Roderer selbst und ausführlich im SonntagsBlick, was sein Herz bewegt und warum er nie ein Bünzli war, auch wenn er im Film und auf der Bühne so genial den Nötzli geben konnte. Roderer wusste immer, dass seine heimliche Ehe irgendwann mal bekannt werden würde. Jetzt ist er erleichtert und befreit.

Gestern machte der «Tages-Anzeiger» öffentlich, dass sich die «mächtigste Frau im Bundesparlament», Nationalrätin Jacqueline Fehr, von ihrem Ehemann getrennt hatte. Das Private ist in diesem Fall pikant, weil die SP-Politikerin als eine Favoritin für die Nachfolge von Bundesrat Moritz Leuenberger gilt. Sie habe privates und öffentliches Leben stets getrennt gehalten, erklärt Frau Fehr heute im SonntagsBlick. Es gebe daher eigentlich keinen Grund, ihr Liebesaus zum Thema zu machen, aber verstecken wolle sie sich dennoch nicht.

Seit Monaten sitzt Jörg Kachelmann in Untersuchungshaft. Seine frühere Freundin Petra hat ihn wegen Vergewaltigung angezeigt, im September wird ihm der Prozess gemacht. Aus den Polizeiakten, aus denen SonntagsBlick heute zitiert, geht die Geschichte dieser unglücklichen Liebe hervor, die einiges erklärt und noch mehr Fragen aufwirft. Bis zum rechtsgültigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Drei Private Geschichten stehen heute im SonntagsBlick, die unterschiedlicher nicht sein können – aber auch Gemeinsamkeiten aufweisen: Prominente stehen mit ihrem Privatleben im Rampenlicht, das sie so nicht gesucht haben. Ihre öffentliche Rolle aber macht ihr Privatleben zur öffentlichen Angelegenheit. Je extremer die Umstände, umso grösser das Interesse, desto voyeuristischer die Neugier. Mit gutem Recht betont Nationalrätin Jacqueline Fehr, dass ihre Trennung so alltäglich ist, dass sie auch privat bleiben – oder zumindest schnell wieder werden – könnte. Dem ist sogar dann zuzustimmen, wenn sie Bundesratskandidatin wird. Was aber nicht heisst, dass wir Sarkozy oder Berlusconi für Vorbilder halten.

play Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)

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