
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Es hätte Routine sein sollen. «Das war unsere erste Fahrerübung im neuen Jahr», sagt Fritz Ganath (49), Kommandant der Regionalen Feuerwehr Oberes Seetal. Doch einer ihrer Einsatzwagen ist jetzt nur noch Schrott.
Am Montag um 19.30 Uhr treffen sich beim Magazin in Fahrwangen AG 50 Feuerwehrleute und teilen sich auf mehrere Fahrzeuge auf. «Die Gruppen mussten diverse Posten anfahren», so Ganath. In einem roten Mazda-Bus mit Leiter auf dem Dach sitzen Yves C.* (28), Bojan P.* (26) und Christian S.* (28). Feuerwehrmänner mit mehr als fünf Jahren Erfahrung.
Die Übung ist fast vorbei, als das Trio um 20.40 Uhr nach Bettwil fährt. Bojan: «Noch vier Minuten bis zum letzten Posten.»
Da kommt ihnen ein schwarzer Audi entgegen. Der 19-Jährige am Steuer lässt sich von seiner Beifahrerin (19) ablenken: «Der Deutsche schaute kurz zu ihr», sagt Kapo-Sprecher Rudolf Woodtli. «Da überrascht ihn eine starke Rechtskurve.»
Der Audi rast mit kreischenden Reifen auf den Feuerwehr-Bus zu. Bojan: «Wir sahen noch Lichter auf uns zukommen» – da kracht es. Yves am Steuer und Bojan daneben sind eingeklemmt. Christian kann sich nach draussen zwängen: «Ich konnte nicht glauben, was passiert war.»
Bojan funkt aus dem Innern dem Kommandanten: «Unfall, wir brauchen Hilfe!» Fritz Ganath wählt den Notruf. Doch als er vor Ort ist, hilft bereits eine zweite Feuerwehrmannschaft. «Unsere Leute leisteten ihren Kumpels erste Hilfe.»
Der Audi-Fahrer kümmert sich erst um seine schwer am Rücken verletzte Beifahrerin. «Doch dann kam er auch zu mir und sagte, wie leid es ihm tue», sagt Christian.
Die Wohlener Kameraden schneiden Yves, Bojan und die Audi-Beifahrerin aus den Wracks. Bojan: «Es war komisch, selbst gerettet zu werden.»
Yves kommt ins Spital Aarau. Als BLICK ihn am Abend besucht, ist er tapfer: «Mein linker Fuss ist kaputt und mein rechter Arm gebrochen. Aber ich lebe!»
Bojan geht wegen Fussverletzungen an Krücken, Christian kommt mit einer Schwarte an Kopf und Kinn davon. Doch für den roten Bus, Jahrgang 1989, ist die Dienstzeit wohl vorbei: «Er hatte ja nicht mal Airbags», sagt Kommandant Ganath. «Zum Glück waren nicht alle Männer angegurtet, sonst hätten sie womöglich noch schwere Beckenverletzungen gehabt.»
Yves, Bojan und Christian schauen vorwärts: «Wir bleiben in der Feuerwehr. Und hoffen, bald in einem neuen, sicheren Büssli zu fahren.»
*Namen bekannt