Krankenkassen Das miese Versteckspiel mit den Prämien

  • Publiziert: 20.08.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roman Seiler

Das Bundesamt für Gesundheit verbietet den Krankenkassen, die neuen Prämien zu veröffentlichen. Die Helsana tuts trotzdem.

Wie viel teurer wird meine Krankenkasse nächstes Jahr? Das möchten die Versicherten wissen – je früher, desto besser. Doch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verpasst den Kassen einen Maulkorb.

Warten auf die Bewilligung

Sie dürfen ihre Grundversicherungsprämien für 2011 erst publizieren, wenn diese von der Aufsichtsbehörde bewilligt sind. Das dauert möglicherweise bis im Oktober. Zudem hat das BAG den Anbietern per Kreisschreiben ausdrücklich verboten, nicht genehmigte Prämien via Internet-Vergleichsdienste zu verbreiten.

Dennoch veröffentlichte comparis.ch gestern die Grundversicherungsprämien aller fünf Kassen der Helsana für 2011.

Das BAG mauert weiter und setzt Druck auf. «Wir forderten gestern die Helsana auf, die Veröffentlichung der Prämien bei den Online-Vergleichsdiensten umgehend zurückzuziehen», so Helga Portmann, Chefin der Kassenaufsicht beim BAG.

Helsana stellt auf stur

Die Helsana weigert sich. Das BAG sei im Voraus über die Herausgabe der Prämien an Versicherungsmakler und Internet-Dienste orientiert worden, sagt Sprecher Rob Hartmans. «Wir haben die Prämien herausgegeben, weil wir in gutem Glauben davon ausgegangen sind, dies sei kein Problem. Daher ziehen wir sie jetzt nicht mehr zurück.»

Das Verbot sei ohnehin ein Papiertiger, höhnen Branchenkenner. Ein Verstoss kann höchstens mit einer Busse in der lächerlichen Höhe von 5000 Franken geahndet werden.

Die Konkurrenz schäumt. Ein Visana-Sprecher: «Wir verlangen vom BAG gleich lange Spiesse für alle.» Sowohl Visana wie auch CSS teilten dem BAG mit, sie behielten sich vor, die Prämien auch zu publizieren. Dagegen wollen sich Groupe Mutuel und Assura an das Publikationsverbot halten, sollte es vom BAG nicht aufgehoben werden.

Das Prämien-Versteckspiel geht vorerst weiter. BLICK schätzt: Insgesamt steigen die Prämien um gegen acht Prozent. Am stärksten aufschlagen müssen jene 30 Kassen, welche die gesetzlich vorgeschriebene Reservequote unterschreiten.
Dazu zählen auch Billigkassen der Helsana.

Erstaunlicherweise deuten die ersten Zahlen auf comparis.ch darauf hin, dass Helsana-Billigkassen wie Progrès zum Teil weiterhin mit kaum kostendeckenden Angeboten auf Kundenfang gehen.

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