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Blick: Roland Nef soll im Namen seiner Ex-Freundin Sex-Inserate beantwortet haben. Wie deuten Sie dies?
Volkmar von Pechstaedt: Ein typischer Fall. Das klingt nach ganz klassischem Stalker-Verhalten. Ich hatte schon Fälle, bei denen der Täter solche Inserate im Namen seiner Ex aufgab. Oder eine verschmähte Studentin, die eine Todesanzeige für ihren Ex-Professor in die «Frankfurter Allgemeine» setzen liess – als er noch lebte. So was kommt häufig vor.
Die Sex-Mail-Vorwürfe klingen nach einer sehr aufwändigen Racheaktion.
Ihm dürfte sehr bewusst gewesen sein, dass das, was er tut, nicht richtig ist. Da steckt viel Planung darin: der Versuch, dieses Verhalten vom Rest seines Lebens zu trennen.
Nef beruft sich in Erklärungen auch immer wieder darauf, das sei seine Privatsache.
Genau: Für ihn sind die Bereiche komplett getrennt. Und er versucht, mit aller Macht darauf zu beharren. Dabei ist für alle klar, dass das öffentliche Interesse überwiegt. Gerade bei jemandem, der wie Nef Vorbildfunktion hat. Alles andere ist schlicht absurd.
Auch für seine Ex setzt sich Nef immer wieder ein: Warum betont er immer wieder, wie sehr sie sich belästigt fühlt?
Falls stimmt, was ich gelesen habe, zeigte dies, dass er sich nicht verändert hätte: Er glaubt, immer noch Macht über sie zu haben. Und sich in so einer Situation vor sie hinstellen zu müssen. Ist überzeugt, immer noch zuständig zu sein für sie, über sie zu verfügen. Wenn ihr das so wichtig wäre, könnte sie ja ihre eigenen Anwälte sprechen lassen.
Nef sagt, er und seine Ex hätten sich «die Hände zur Versöhnung gereicht».
Wenn das stimmt, ist es zumindest sehr seltsam. Kein Anwalt, den ich kenne, rät dazu: Die Opfer sind froh, wenn alles vorbei ist. Sie wünschen sich einen klaren Schnitt, eine eindeutige Trennung vom Stalker, wollen ihn nie mehr wiedersehen. Es geht überhaupt nicht um Versöhnung: Er müsste um Vergebung bitten. Das hat er wohl immer noch nicht verstanden.
Nef soll seine Ex belästigt haben, als er bereits mit einer neuen Frau zusammen war.
Das ist der einzige Punkt, der atypisch scheint. Normalerweise endet die Qual für die Opfer, wenn der Täter jemanden Neues gefunden hat. Stalker, die trotzdem weitermachen, tun dies im Verborgenen. Schicken Mails aus dem Büro statt von zu Hause aus.
Volkmar von Pechstaedt, Experte für Rechtsschutz gegen Stalking.- Toini Lindroos