ZÜRICH – Burka- und Kopftuch-Verbot waren nur der Anfang. Jetzt will CVP-Chef Darbellay sogar jüdische Friedhöfe verbieten. Nicht nur Juden sind entsetzt darüber.
«Was Darbellay herausposaunt, ist ein Rückschritt hinter die Aufklärung und völlig unchristlich», sagt Yves Kugelmann, Chefredaktor des jüdischen Wochenmagazins «tachles», gegenüber Blick.chAusgelöst hat diese Empörung Darbellays Forderung, keine speziellen Friedhöfe mehr für Muslime und Juden zu erlauben (BLICK berichtete). Zuvor verlangte der CVP-Chef schon das Burka-Verbot (Ganzkörper-Verhüllung der Frau, dann das Kopftuch-Verbot in öffentlichen Funktionen (Politikerinnen, Lehrerinnen, Sekretärinnen).Grosszügig zeigt sich Katholik Darbellay nur gegenüber den Kopftüchern für Nonnen: «Die gehören zu unserer Kultur.»Tacheles-Chef Kugelmann versteht Darbellays Rundumschlag nicht: «Ich bin erstaunt, dass ein CVP-Politiker solche Mühe mit der bestehenden
Verfassung hat.» Und wundert sich: «Ein Politiker einer
Partei mit dem ‹C› im Namen sollte eigentlich besonders kompetent im Umgang mit Religionen und deren Anliegen im weltlichen
Staat sein.»Leser nehmen kein Blatt vors MaulAuch bei der Mehrheit der Leserbriefschreiber kommt Darbellays neueste Forderung schlecht an. Zum Beispiel bei Heinz Lehmann aus Habkern BE: «Irgendwie kommt mir das Ganze bekannt vor. Vor Jahrzehnten tönte es doch: Juden raus! Sind diese Leute endgültig bescheuert? Fängt das wieder an? Besinnt Euch!»«Ich finde die Aussage von Herr Darbellay komisch», sagt Peter Schmid aus Obernau. «Im Vorfeld zur Minarett-Initative war er klar dagegen!!! Nein, Juden haben nichts mit dem Islam zu tun. Ich hab auch noch nie gehört dass es hier eine schleichende Judisierung gäbe. Sie leben friedlich mit uns zusammen.»Entsetzt ist Yvonne Evans aus Zürich: «Es war ja nur eine Frage der Zeit, dass so antisemitische Äusserungen ausgesprochen werden. Wenn dem nicht sofort entgegengetreten wird, heisst es bald wieder «kauft nicht bei Juden»... da kann nur mit einem kräftigen «schämt Euch und PfuiPfui» geantwortet werden.»Martin Schwizer, St. Gallen, fordert Konsequenzen: «Herr Darbellay, treten Sie ab vom Präsidium. Diese billige Trittbrettfahrerei ist unglaublich dumm und beschämend.»
CVP ist «völlig unchristlich»Will Darbellay nach der Niederlage am Abstimmungssonntag auf den SVP-Zug aufspringen und so Stimmen holen?Der Lausanner Politologe Georg Lutz hält nichts davon und kritisiert scharf: «Ich frage mich, warum die CVP eine einseitig-intolerante
Abstimmung gegenüber einer Religion jetzt noch ergänzen will mit Intoleranz gegenüber einer weiteren.» Die Schweiz sei einmal ein Musterfall der Integration zwischen Reformierten und Katholiken gewesen.Jetzt sei sie in Problemfall in Sachen Integration. Er könne schlicht nicht nachvollziehen, «wie ein Verbot jüdischer Friedhöfe der Integration von Minderheiten dienen solle».