Ospel, Marchionne, Spuhler – alle schätzen ihn Das ist der Blocher-Plan der UBS

  • Publiziert: 29.03.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • von Christof Moser und Marcel Odermatt
play Freundschaft: Marcel Ospel und seinen Frau Ariane besuchen gemeinsam mit dem Ehepaar Blocher im Februar 2007 die UBS-Charivari-Party. (Foto: RDB)

SonntagsBlick-Recherchen zeigen: Der Freundeskreis von Christoph Blocher im UBS-Verwaltungsrat handelt den alt Bundesrat als Präsident der Grossbank.

Die UBS steckt tief im US-Hypothekensumpf. Satte 21 Milliarden Franken musste die Bank bereits abschreiben, über zehn Milliarden werden wohl noch folgen. Eine Hypothek wird die grösste Schweizer Bank aber vorerst noch nicht los: UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel (58). Am 23. April will sich Ospel, der die Milliardenabschreiber verantworten muss, von der ordentlichen Generalversammlung für ein weiteres Jahr bestätigen lassen. Hinter den Kulissen hat die so delikate wie wichtige Suche nach seinem Nachfolger jedoch schon längst begonnen. «Der Findungsprozess ist auf informeller Ebene angelaufen», sagt ein hochrangiger UBS-Manager zu SonntagsBlick. Der künftige starke Mann auf dem mächtigsten Chefposten der Schweizer Wirtschaft, so der Manager, müsse nicht unbedingt Banker sein, aber zwingend einen roten Pass haben.

Und dann fällt sein Name: Christoph Blocher (67). Es wäre unglaublich: Ausgerechnet Blocher, der 1993 mit Schimpf und Schande aus dem damaligen Verwaltungrat der Schweizer Bankgesellschaft (SBG) gejagt wurde, als Retter der UBS? Anfang März sagte Blocher in einem «Sonntag»-Interview: «Dazu wäre ich nicht fähig.» Letzte Woche, am Rande der SonntagsBlick Arena, wollte Blocher zu seiner möglichen Berufung als UBS-Verwaltungsratspräsident nichts mehr sagen: «Kein Kommentar!»

In den vier Wochen, die zwischen diesen beiden Aussagen liegen, ist einiges passiert: Christoph Blocher wird im innersten Machtzirkel der UBS ernsthaft als Kandidat gehandelt. UBS-Verwaltungsrat und Fiat-Chef Sergio Marchionne (55) soll bei Blocher sogar persönlich vorsondiert haben, ob der sich diesen Spitzenjob vorstellen könne. Das haben Recherchen von SonntagsBlick ergeben.

Marchionne, der als Schlüsselfigur bei der Suche nach der Ospel-Nachfolge gilt und selber für den Posten in Frage käme, kennt und schätzt Blocher seit vielen Jahren. 1994 stiess Marchionne zur damaligen Alusuisse Lonza, wurde später Konzernchef der Algroup und leitete 1999 die abgespaltene Lonza – zusammen mit Financier Martin Ebner (62) und Christoph Blocher als Verwaltungsräte. Obwohl Differenzen die Beziehung zwischen den beiden zeitweilig trübten, sagt Blocher über Marchionne, er sei einer der fähigsten Sanierer. Und Sergio Marchionne sagt über Blocher, er sei einer der fähigsten Unternehmer im Land.

Marchionne ist jedoch nicht der einzige Fürsprecher von alt Bundesrat Blocher in der UBS-Spitze. Ospel, zwar angeschlagen, aber dennoch mit gewichtigem Einfluss auf die Regelung seiner Nachfolge, ist ein enger Freund von Blocher. Ospel schätzt ihn nicht nur als Unternehmer, sondern hat auch politisch das Heu auf der gleichen Bühne. Im Sommer 2006 war der damalige SVP-Bundesrat als Ehrengast zu Ospels Hochzeit geladen. Sie reden regelmässig zusammen, auch über die UBS-Krise. Blocher verteidigt seinen Freund Ospel bis heute: «Er hat dazu beigetragen, dass die UBS in zehn Jahren 66 Milliarden Franken Gewinn machte.»

Im Verwaltungsrat der Grossbank sitzt auch Bahnunternehmer und SVP-Nationalrat Peter Spuhler (49). Er ist mit Christoph Blocher ebenfalls befreundet und er wäre als Befürworter der Personenfreizügigkeit nicht unglücklich, würde sich Blocher, der die Freizügigkeit mit der EU torpediert, wieder verstärkt auf eine neue Aufgabe in der Wirtschaft konzentrieren. Und das hat Blocher sowieso vor. Zwar tingelt er derzeit als SVP-Vizepräsident durchs Land und ist für die Strategie der Partei zuständig, aber so richtig füllt ihn dieser Job nicht aus. Zur «WochenZeitung» (WoZ) sagte Blocher letzte Woche: «Ich will in einem halben Jahr, wenn sich die Leitung der SVP eingespielt hat, neben der Politik noch etwas anderes tun.» Und weiter: «Ich habe keine konkreten Pläne. Aber ich kann mir ein grösseres Engagement in der Wirtschaft vorstellen.» Bei der UBS, Herr Blocher?

Gegenüber SonntagsBlick will er dazu partout nichts sagen. Klar ist: Für Blocher wäre es eine Genugtuung, nach der Schmach von 1993 – als er wegen seinem Engagement gegen den EWR-Beitritt den SBG-Verwaltungsrat verlassen musste – wieder im Führungsgremium der grössten Schweizer Bank Einsitz zu nehmen. Damals sagte SBG-Konzernchef Robert Studer (69): «Die Hälfte von dem, was Christoph Blocher sagt, ist falsch.» Heute sagt Ospel, der oberste Banker im Land: «Dieser Mann hat den Willen und die Fähigkeit, Wohlstand zu schaffen.»

Die Frage ist, was stärker ist bei Blocher: der Ehrgeiz, die wichtigste Bank der Schweiz zu führen, oder seine Furcht vor dem Bankgeschäft, von dem er nach eigenem Bekunden «nichts versteht». Sicher ist: Seine mehrfach angedrohte Rückkehr in den Bundesrat könnte Blocher als oberster Banker des Landes getrost vergessen. Der UBS-Verwaltungsratspräsident ist mächtiger als ein Bundesrat. Und was sagen die Verwaltungsräte Marchionne und Spuhler zur heissesten Personalie der Schweizer Wirtschaft? Keine Antwort.   

Weitere Kapitalerhöhung fällig

Anfang Woche publiziert die UBS die Traktandenliste für ihre Generalversammlung vom 23. April. Darauf steht auch der Antrag der Vorsorgestiftung Profond auf
eine Kapitalerhöhung von zehn Milliarden Franken. Das wird wohl auch der Verwaltungsrat fordern, damit das Unternehmen weiterhin zu den bestkapitalisierten Geldhäusern der Welt zählt. Denn die UBS dürfte erneut bis zu 15 Milliarden auf US-Ramschhypotheken abschreiben müssen.  

Schmählicher Rausschmiss

Die UBS entstand durch die 1998 vollzogene Fusion des Bankvereins mit der Bankgesellschaft (SBG). In deren Verwaltungsrat sass auch der damalige SVP-Nationalrat und Chef der Ems-Chemie, Christoph Blocher (67). An der Generalversammlung im April 1993 wurde er nicht wieder gewählt. Zum einen hatte Blocher wenige Monate zuvor während einer Veranstaltung gegen den Beitritt der Schweiz zum EWR den damaligen SBG-Chef Robert Studer (69) vor laufenden TV-Kameras abgekanzelt. Studer hatte es gewagt, für den EWR Stellung zu beziehen. Zum anderen wurde Blocher vorgeworfen, er sei zu stark mit dem umstrittenen Bankier Martin Ebner verbandelt.  

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Soll Blocher UBS-Präsident werden?»

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