Über diesen Drogenspitzel stolperte Ex-Bundesanwalt Roschacher Das fidele Leben des Señor Ramos

  • Publiziert: 10.08.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • von henry habegger

BERN – Das fidele Leben des José Manuel Ramos in der Schweiz. BLICK zeigt exklusiv Bilder aus dem Familienalbum des Drogenbarons und Spitzels, über den Ex-Bundesanwalt Valentin Roschacher stolperte.

Viel wurde geschrieben über den Drogenbaron José Manuel Ramos (54), der von Dezember 2002 bis August 2004 unter falschem Namen in der Schweiz lebte. Auf Staatskosten, versteht sich, denn der Kolumbianer sollte den Bundesbehörden Informationen übers organisierte Verbrechen, über Drogenbosse und Geldwäscherei in der Schweiz liefern.

Doch richtige Fotos von Ramos sah man bisher nicht. Selbst die «Weltwoche», die im Kampf gegen den damaligen Bundesanwalt Valentin Roschacher (47) tief in Geheimakten aus dem Departement von Bundesrat Christoph Blocher (66, SVP) wühlte, hatte nur ein druckerschwarzes Bildli aus einem alten gefälschten Pass anzubieten. Darin nannte sich Ramos noch David Rodriguez und gab sich als Mexikaner aus.

Jetzt diese bunten Freizeit- und Familienfotos aus den heiteren Schweizer Zeiten des Drogenbarons. Ramos rundlich posierend mit Stockalperpalast in der Swissminiatur in Melide TI. Ramos windig mit Schweizerkreuzen und junger kolumbianischer Freundin auf dem Luganersee. Ramos als stolzer Laptop-Besitzer in seiner abgedunkelten Drei-Zimmer-Wohnung in Regensdorf ZH, wo ihn die Bundeskriminalpolizei für einige Monate einquartiert hatte.

Ramos, der Drogenbaron. Freundliches Lächeln für die Kamera des Kumpels hin oder her: Ramos war ein verurteilter Schwerkrimineller. Er galt einst als rechte Hand von Pablo Escobar, dem berüchtigten Boss des Drogenkartells von Medellín. Ende der 80er-Jahre schmuggelte Ramos tonnenweise Kokain aus Kolumbien via Mexiko in die USA. Bis ihm die Amerikaner das Handwerk legten und ihn 1990 zu zweimal lebenslänglich verknurrten. Dann wechselte Ramos die Seite und arbeitete als V-Mann für die US-Behörden.

Auch die damalige Schweizer Bundesanwältin Carla Del Ponte befragte ihn als Zeugen im Geldwäschereiverfahren gegen den Mexikaner Raul Salinas. 2002 holte ihn Del Pontes Nachfolger Roschacher als Spitzel in die Schweiz.

Sehr viel lieferte der fidele Ramos nicht, was Roschacher später zum Vorwurf gemacht wurde, bis er den Bettel hinwarf. Erzfeind Blocher konnte sich freuen. Immerhin resultierte ein Verfahren gegen den Zürcher Bankier und Blocher-Bekannten Oskar Holenweger unter anderem wegen Waschens von Drogengeldern. Dieses Verfahren läuft noch, es wurde mittlerweile vom Eidgenössischen Untersuchungsrichter unter anderem auf gewerbsmässige Geldwäscherei und Bestechung fremder Amtsträger ausgeweitet.

2004 wars aus mit den Schweizer Fidelitäten des Drogenbarons. Ramos wurde von der Schweiz wieder abgeschoben. Mit unbekanntem Ziel. Ex-Freunde vermuten ihn in Venezuela. Ramos’ schwangere Freundin wurde in ihre Heimat Kolumbien verfrachtet.

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