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Wann haben Sie zum letzten Mal eine Frau in der Burka gesehen? Bei mir ist es schon eine Weile her. Ich weiss nicht mehr genau: War das jetzt eine Burka oder ein Niqab, den die Frau da trug? Ich empfand ihren Aufzug – vermutlich war es eine Touristin – jedenfalls als unverschämte Provokation.
Dass Burkaträgerinnen nicht mit der Welt kommunizieren, ist ein grosser Irrtum. Sie schreien den Mitmenschen aus ihrem Kleider-Gefängnis förmlich ins Gesicht: «Mit euch will ich nichts zu tun haben!»
Die Burka ist das Symbol eines isolationistischen Islam. Sie ist ein Symbol religiös fundierter Unterdrückung, von Rückständigkeit, Intoleranz und Totalitarismus. Es ist kein Zufall, dass gerade ehemalige Muslime am lautesten das Verbot der Burka fordern. Ein deutliches Zeichen wäre das, sagen sie, gegen alle radikal-islamistischen Betonköpfe. Die gehörten gestoppt.
Stimmt. Nur wäre ein Burkaverbot dafür genau der falsche Weg.
Denn dass jeder seine Meinung kundtun und seinen Glauben ausüben darf: Das sind die zentralen Stützpfeiler unserer demokratischen Ordnung. Die gilt es zu schützen. Unbedingt und jederzeit. Die Burka mag eine schreiende Provokation sein – aber die müssen wir aushalten.
Die Burka darf nicht zum Problem unseres Rechtsstaats werden. Sie soll das Problem derjenigen bleiben, die es an uns herantragen: der Muslime selbst. Sie sind es, die ihr Verhältnis zu den Grundlagen der westlichen Welt klären müssen, wenn sie zu uns kommen – nicht wir.
Der Historiker Hamed Abdel-Samad hat in einem Interview mit SonntagsBlick einen bemerkenswerten Satz gesagt. Eine Reform des Islam, glaubt er, könne nur über «die Entmachtung des Korans» gelingen.
Genau so ist es: Muslime müssen selber darüber nachdenken, welche Rolle ihre Religion in unserer Gesellschaft spielen soll. Dass wir zuhören und mitdiskutieren, wenn sie ihre Positionen klären wollen, versteht sich von selbst. Dass wir leichtfertig unsere Positionen aufgeben, weil uns jemand mit einem Stück Stoff provoziert – das darf nicht geschehen.
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Phillipe Pfister, stv. Chefredaktor SonntagsBlick.