Damit nicht noch mehr Menschen nach Europa fliehen müssen, soll der Schweizer Steuerzahler ran Sawiris will Flüchtlings-Stadt bauen

Andermatt-Investor Samih Sawiris hat eine Lösung für die vom Bürgerkrieg vertriebenen Syrer. Weil sich die EU nicht dafür interessiert, will er sie jetzt mit Schweizer Hilfe verwirklichen.

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Mehr als 6000 Flüchtlinge rettete die italienische Küstenwache vergangene Woche aus dem Mittelmeer – an einem einzigen Tag! Bisher sind seit Beginn des Jahres 138'000 Menschen auf lebensgefährlich überfüllten Booten nach Europa gelangt.

Doch das ist nur ein kleiner Teil des Problems: Millionen sind vor dem Bürgerkrieg aus Syrien geflohen, leben unter oft menschenunwürdigen Umständen in den umliegenden Ländern. Die internatio­nale Staatengemeinschaft und die Europäische Union sind mit der Situation überfordert.

Nun mischt sich Samih Sawiris (59) in die Debatte ein. Der ägyptische Milliardär und Andermatt-Investor will Städte für Flücht­linge im Nahen Osten bauen – und zählt dabei auf die Unterstützung der Schweiz.

Mit Städtebau hat Sawiris Erfahrung. Aus dem verschlafenen Bergort Andermatt UR will er eine Top-Feriendestination machen, eine halbe Milliarde Franken hat er bereits investiert. Schon 1989 verwandelte der damals 32-jährige Ägypter ein paar Strand­villen am Strand des Roten Meeres in die Ferienstadt

El Gouna – mit Flugplatz, Krankenhaus und Universitäten. Seither realisiert er Projekte auf der ganzen Welt, so etwa in Oman oder Montenegro.

Doch Sawiris baut nicht nur für reiche Touristen. Mit seiner Firma Orascom Development Holding, die ihren Sitz in Altdorf hat, baute er Haram City, einen neuen Vorort 20 Kilometer ausserhalb der ägyptischen Hauptstadt Kairo.

Die Sozialsiedlung soll armen Ägyptern ermöglichen, ein Leben in Würde zu führen. Gegen 70'000 Menschen leben dort in bislang 30'000 Wohnungen, 20'000 weitere sollen noch entstehen. Ein Bewohner darf nicht mehr als 1700 Ägyptische Pfund (188 Franken) pro Monat verdienen, Paare 2500 Pfund (276 Franken).

Nach diesem Vorbild will der koptische Christ jetzt eine neue Stadt für Flüchtlinge errichten. Bisher sorgte vor allem Sawiris’ älterer Bruder Naguib (62) mit humanitären Grossprojekten für Aufsehen. Vor einem Jahr machte der Telekomunternehmer Pläne publik, eine Mittelmeerinsel zu kaufen, wo Flüchtlinge eine neue Existenz aufbauen könnten. Nun legt sein jüngerer Bruder Samih nach.

SonntagsBLICK: Herr Sawiris, jede Woche kommen Tausende Flüchtlinge nach Europa. Dafür riskieren sie ihr Leben. Können Sie diese Menschen verstehen?
Samih Sawiris:
Ja, das kann ich. Die Europäer allerdings kann ich nicht verstehen. Sie gehen das Problem leider nicht an der Wurzel an. Sie streichen nur Salbe auf die Haut, damit der Ausschlag nicht so schlimm wird. Aber niemand ist offenbar daran interessiert, das Problem nachhaltig zu lösen.

Was meinen Sie mit «Wurzel des Problems»?
In Syrien gibt es keine sicheren Orte mehr für die Bevölkerung. Die internationalen Mächte hätten schon früher dafür sorgen müssen, dass eine Safe Zone entsteht.

Glauben Sie, dass das machbar ist?
Heute leider kaum mehr. Ich hatte vor längerer Zeit angeboten, in Syrien an der Grenze zur Türkei eine Stadt wie Haram City bei Kairo zu bauen – für wenig Geld. Eine Siedlung für Zehntausende Flüchtlinge, in der sie sicher leben könnten. Die Türken waren sogar einverstanden, sie zu beschützen. Aber Europa hatte kein Interesse.

Warum wollten die Europäer von Ihrer Idee nichts wissen?
Ich lancierte sie, bevor die ersten Flüchtlingsströme nach Europa kamen. Damals interessierte das Thema hier noch nicht ernsthaft. Die Türken waren dafür, weil sie schon Millionen Flüchtlinge im Land hatten.

Heute ist es ein europä­isches Problem: Deutschland hat im letzten Jahr 890'000 Flüchtlinge aufgenommen.
Leider ist es so gekommen. Machen wir uns doch nichts vor: Die meisten Flüchtlinge wären trotz Krieg lieber in Syrien oder in einem Nachbarland geblieben, damit sie eines Tages wieder in ihre Heimat zurückgehen können. Ermöglichen wir es diesen Leuten, in der Region zu leben! Eine Wohnung wie in Haram City kostet 20'000 Euro. Eine syrische Familie wäre damit sehr zufrieden. Aber die Europäer geben eher viel mehr Geld aus, schaffen sich grosse politische Probleme. Dabei sind die meisten Flüchtlinge nicht glücklich in Europa.

Sie gehen davon aus, dass viele Flüchtlinge gar nicht auf Dauer hier leben wollen?
Die meisten wären am liebsten zu Hause – aber natürlich unter der Voraussetzung, dass sie dort sicher sind. Der Westen jedoch reagiert nur unter Druck.

Sie meinen den Deal zwischen Deutschland und der Türkei?
Die Türken wollen bekanntlich von der EU schon lange Visafreiheit und Geld. Um richtig Druck zu machen, liessen sie eine Million Menschen nach Europa. Mit den bekannten Folgen.

Was ist Ihr Vorschlag? Wie soll die Flüchtlingskrise gelöst werden?
Ich bin immer noch überzeugt, dass es für alle das Beste ist, den Menschen in ihrer Region eine Zukunft zu bieten. Vielleicht kann die Schweiz etwas tun.

Sie wollen, dass die Schweiz eine Safe Zone in Syrien finanziert?
Nein. Das ginge heute kaum mehr. Aber man könnte in Ägypten eine Stadt wie Haram City aufbauen. Die Hälfte der Wohnungen wäre für Ägypter, die andere Hälfte für Flüchtlinge aus Syrien. Es soll ja kein Flüchtlingslager werden, es muss eine durchmischte Stadt sein. In Ägypten haben wir fünf Millionen Flüchtlinge. Davon könnte ein Teil in diese Stadt ziehen. Aber warum nicht auch Flüchtlinge, die jetzt zum Beispiel in der Schweiz sind? Das kostete die Schweiz einen Bruchteil von dem, was ein Flüchtling in der Schweiz kostet. Ich persönlich würde auf meinen Gewinn verzichten.

Derzeit kommen vor allem Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern wie Äthiopien und Eritrea in die Schweiz. Sprechen Sie auch diese Flüchtlinge an? Oder nur solche aus Syrien?
Grundsätzlich kann eine neue Stadt wie Haram City Menschen verschiedener Nationalitäten aufnehmen, solange die Mehrheit Ägypter sind. Sonst entsteht ein Ghetto, was nicht gut wäre. Seit Jahrhunderten leben Ausländer in Ägypten als Teil der Gesellschaft.

Stehen Sie in dieser Frage mit dem Bundesrat in Kontakt?
Nein.

Mit Schweizer Politikern?
Ja.

Mit welchen?
Ich bitte Sie um Verständnis, dass die Gespräche im Moment noch vertraulich sind.

Persönlich

Der Ägypter Samih Sawiris (59) entstammt einer schwerreichen Unternehmerfamilie. Er studierte in Berlin und gründete gleich nach dem Studium seine erste Firma. Der Mil­liardär, Vater von fünf Kindern, ist in zweiter Ehe verheiratet.

Publiziert am 09.10.2016 | Aktualisiert am 16.12.2016
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133 Kommentare
  • Werner  Klee aus Kindhausen
    10.10.2016
    1. Statt Ressourcen (in Form von Milliarden für Flüchtlingshilfe sowie von Lebensraum in unserem Land) einen Teil dieser Milliarden für das Projekt Sawiris verwenden.
    2. UNO mit Schutz Mandat beauftragen, zB. durch international gültiges Waffen-Lieferungs-Verbot für jene Länder, welche das Projekt militärisch gefährden.
    3. Mitbestimmungsrecht für die Schweiz sowie für alle mitfinanzierenden Länder/Organisationen.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    10.10.2016
    Und warum will die EU nicht ? Weil in den EU-Chefetagen die Unternehmer weiterhin auf billige Arbeitskräfte warten - die Erben der früheren Kolonialherren haben die Arbeitstaktik ihrer Vorfahren noch nicht vergessen !
  • Peter  Weber aus Zürich
    10.10.2016
    Auch Ägypter sind Migranten weil sie lieber 2000Franken beziehen als für 200 Monatslohn zu arbeiten. Niemand will im Nirgendwo leben. Die Leute müssen einfach ihre Probleme selber lösen.
  • Reinhold  Hueber - Mayer aus Phi Phi,
    09.10.2016
    Werter Herr Sawiris, das finde ich eine super Idee! Nur ein kleiner witzig kleiner Wunsch sei gestattet. Es muss rund 41/2 Flugstunden von der Schweiz entfernt in ihrer Heimat sein. Dann habe ich gar keinen Grund dagegen zu sein. Es reicht ja mit der Verschandelung von Andermatt das in absehbarer Zeit vor Häusern steht die leer sind und nicht von der Gemeinde unterhalten werden können aus den zu hohen Kosten für die Berggemeinde
  • Urs  Hagen 09.10.2016
    Bei den Schweizern ist er leider bei den falschen Leuten. Bei denen ist Missgunst, Neid, sparen koste es was es wolle, Bünzlitum, Misstrauen, Kantönligeist und was der Bauer nicht kennt an der Tagesordnung. Die Politik braucht das Asylthema, die Wirtschaft auch der Schweizerbürger auch, er braucht ein Feindbild, etwas worüber er sich aufregen kann, sei es ÖV, BILLAG, Autobahnvignette, Bundesräte, Flüchtlinge, Polizei. Da hat kein Sawiri Platz der etwas bewegen will.