Personenfreizügigkeit – SVPler scheren aus Dafür und deshalb gegen die Partei

  • Aktualisiert am 03.01.2012

BERN – Die SVP-Schengen-Schlappe ist vergessen. Der nächste Abstimmungskampf steht an. Aber jetzt scheren 25 SVPler aus und machen sich für die Personenfreizügigkeit stark.

Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf die neuen EU-Länder? – Nein, danke, sagte die SVP und wird wie bei Schengen/Dublin lautstark gegen den bilateralen Vertrag kämpfen, der am 25. September vors Volk kommt.

Aber diesmal weibelt die 64-köpfige SVP-Bundeshaus-Fraktion nicht geschlossen gegen die Vorlage. Obwohl man gestern in der Parteileitung noch entschieden hat, keine reinen SVP-Komitees zu gründen, ging heute die erste Gruppierung mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit.

Unter dem Vorsitz des Thurgauer Unternehmers und Nationalrats Peter Spuhler machen sich 25 Fraktionsmitglieder für die Personenfreizügigkeit stark. Bei Bedarf werde man ein SVP-Komitee für die Ja-Kampagne ins Leben rufen. Die Bilateralen Verträge seien für die Schweizer Wirtschaft von grösster Wichtigkeit und der eingeschlagene Weg die ideale Lösung, heisst es aus der abtrünnigen Ecke.

Sogar Bundesrat Christoph Blocher hat sich für die Personenfreizügigkeit ausgesprochen – und bis jetzt noch nicht widerrufen.

Für die SVP-Spitze sind die Abweichler kein Problem. Man akzeptiere die Haltung der Minderheit. Im Gegensatz zu FDP und CVP gelte bei der Volkspartei die freie Meinungsäusserung. Man ist so tolerant, dass gar der eigene Bundesrat vom Parteistrategen Mörgeli als charakterlos bezeichnet werden darf (Blick Online berichtete).

Nicht nur im rechten Politlager gibts Abtrünnige. Auch die SP – klar für die Erweiterung der Personenfreizügigkeit – muss mit einem gegnerischen Komitee rechnen. Vor allem Gewerkschaftskreise befürchten Lohn- und Sozialdumping durch billige Arbeitskräfte aus den Ostländern.

Noch keine klaren Mehrheiten

Eine Umfrage von «Facts» zeigt30 Prozent der Schweizer würden heute Ja sagen zur Personenfreizügigkeit. 26 Prozent würden die Erweiterung ablehnen und 31 Prozent sind noch unentschlossen.Mit 62 Prozent glaubt eine Mehrheit der befragten 1010 Stimmberechtigten, dass die Öffnung des Arbeitsmarkts gegenüber den neuen osteuropäischen EU-Ländern mehr ausländische Arbeitskräfte in der Schweiz bringen würde. 24 Prozent gehen davon aus, dass sich nichts ändern werde. 34 Prozent glauben auch, dass die Erweiterung mehr Kriminelle in der Schweiz schwemmt. 53 Prozent sagen dagegen, dass die Vorlage keinen Einfluss auf die Kriminalität hat. Ein Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union (EU) würde heute abgelehnt: 51 Prozent würden Nein sagen, wenn am nächsten Sonntag über den Beitritt zur EU abgestimmt würde, und 30 Prozent würden zustimmen.
Peter Spuhler, Besitzer der Stadler Rail, macht sich für die Personenfreizügigkeit stark – und stellt sich gegen die Partei.- Keystone

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Wird die Erweiterung der Personenfreizügigkeit am 25. September angenommen?»