Da lupfts sogar dem Parteichef den Hut SVP-Jungspunde halten Sexismus für «Komplimente»

Seit Tagen schreiben Frauen unter dem Hashtag #SchweizerAufschrei, wie sie Sexismus im Alltag erleben. Komplimente seien dies, schreibt nun die Junge SVP. Und wird dafür umgehend scharf kritisiert - auch vom eigenen Chef.

#SchweizerAufschrei: SVP-Jungspunde halten Sexismus für «Komplimente» play
Seit Tagen grollen Schweizer Twitter-User gegen Sexismus. KEYSTONE

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Die Schweiz hat nun auch einen Aufschrei: In den letzten Tagen erzählten hunderte Frauen unter dem Hashtag #SchweizerAufschrei, wie sie im Alltag Sexismus erleben. Sprüche wie: «Dir sollte man mal einen Dildo reinschieben». Oder: Naive Frauen würden eine Mitschuld an ihrer Vergewaltigung tragen, wenn sie fremde Männer mit nach Hause nehmen.

Der Aufschrei hatte seine Wirkung erzielt. Land auf, Land ab zeigten Frauen Mut und sprachen darüber, wie sie im Vergleich zu Männern anders und respektlos behandelt werden. 

Für die Jungspunde der Zürcher SVP aber offenbar kein Zeichen genug, dass Sexismus heutzutage keinen Platz mehr haben sollte: «Linke Politikerinnen stören sich über Komplimente. Schweizer Bürgerinnen über körperliche Übergriffe durch Migranten», heisst es in einem Tweet am Montag.

Tweet wird mit Trump verglichen

Mit dem Vergleich, sexistische Respektlosigkeit sei nur ein Kompliment, traf der Tweet in die Kerbe. «Dieser Tweet ist so sexistisch und rassistisch, er könnte von Donald Trump sein», schrieb ein User und ergänzt: «JSVP, mit Verlaub, ihr seid Idioten.» 

Für die Twitter-Userin Fabienne Romanens ist der Post der Jungen SVP ein Beweis mehr, dass es den Aufschrei braucht. Sie stellt zudem die Frage: «Ich bin CH-Bürgerin. Was fällt euch ein, in meinem Namen zu sprechen?»

Fischer hätte es nicht getweetet

Benjamin Fischer, Präsident der Jungen SVP Schweiz, sagt auf Anfrage, er wolle der Zürcher Kantonalsektion nicht vorschreiben, was sie kommunizieren sollten oder nicht. «Ich hätte den Tweet aber so nicht gebracht.»

Er sei der erste in der Partei, der Sexismus anprangern würde. «Was aber unter dem Aufschrei derzeit alles kritisiert wird, ist eine skandalöse Vermischung. Da stellen einige Leute eine Vergewaltigung und und einen dummen Spruch von Idioten auf dieselbe Stufe», sagt Fischer empört.

Eine humorvolle Reaktion gab es von der Männer- und Väterorganisation «männer.ch»: «Wir zeigen euch gerne, wie man Frauen Komplimente macht, die gut ankommen. Und wie man Frauen allgemein respektvoll behandelt.» (lha/mje)

Publiziert am 18.10.2016 | Aktualisiert am 27.10.2016
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11 Kommentare
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    19.10.2016
    Wie primitiv sind denn diese Jung-SVPler, geht es um eine mediale Ausschlachtung? Da gibt es aktuell in den USA einen Trump, der Frauen primitiv behandelt. Den Zürcher Jung-SVPlern fällt nichts anderes ein, als eine primitive Frauenbehandlung als Kompliment hinzustellen. Und eine SVP-Nationalrätin und erst noch ehemalige Polizistin äussert sich so, dass Frauen mitschuldig an eigenen Vergewaltigungen seien und will dies sogar noch gesetzlich einführen. Respekt vor Frauen bleibt auf der Strecke.
  • Paul  Egli 19.10.2016
    Fähige Frauen, die der Gesellschaft nützlich sind, haben es nicht nötig, "aufzuschreien". Diese sind Gott sei Dank in der Mehrzahl. Aufschreien und auf sich aufmerksam müssen solche "Gspürschmi" Genossinnen, die zu nichts anderem fähig sind. Zum Beispiel solidarisch Besen zum Fenster raus hängen und mitttels Rotverfärben von Brunnenwasser auf ihre Mens hinweisen. Lachhaft. Tragisch. Überflüssig.
  • Ernst  Dittmar aus Adliswil
    19.10.2016
    Warum sind es meistens Leute von der SVP, die sich so richtig deftig daneben benehmen?
    • Köbi  Karrer 19.10.2016
      Der Berner Stapi Tschäpät und Geri Müller sind aber nicht von der SVP.
  • Matthias  Neuenschwander 18.10.2016
    Dieser ganze Hype zeigt, dass bei vielen Leuten das elementarste Wissen um die menschliche Natur fehlt. Auf einer biologischen Ebene sind sich beide Geschlechter gegenseitig sexuelle "Objekte". Was wir brauchen, ist (wieder) eine Kultur des gegenseitigen Realismus und Respekts von reifen Menschen, aber nicht diese aggressiv-moralistische Verleugnung der Triebnatur wie vor über 100 Jahren. Dieser überzogen emotionalisierende "Aufschrei" bewirkt nur wieder aggressive Gegenreaktionen statt Anstand.
  • Roland  Benz , via Facebook 18.10.2016
    Die schlechte Angewohnheit sich mit den Themen Sexismus und Rassismus auch überall dort einen Vorteil verschaffen zu wollen, wo es weder um Sex noch um Rassen geht, ist inzwischen ein echter Dauerbrenner. Die in den Artikeln verwendeten Zitate sind ausserdem einseitig und beleidigend. Wenn die Frauen lieber Beleidigungen wollen, heisst es eben in Zukunft: "Du hübscher Mann mit Farbe im Gesicht würdest dich besser über deine Leistung definieren."