Couchepin: Mit Pflästerli gegen Prämien-Schock

  • Aktualisiert am 14.01.2012

BERN – Die Krankenkassen-Prämien sollen steigen wie das Quecksilber im Fiebermesser. Der Gesundheitsminister hat Rezepte dagegen. Doch die grossen Ideen fehlen.

Der Bundesrat hat heute die von Gesundheitsminister Couchepin vorgeschlagenen dringlichen Massnahmen bei den Krankenkassen (im BLICK) diskutiert. Am Montag kommen sie im Eilverfahren in eine konferenzielle Vernehmlassung.

Pascal Couchepin will wegen der Kostensteigerung im Gesundheitswesen und der für 2010 angekündigten Prämienexplosion um 10 Prozent durchgreifen. Der Kostenanstieg sei unterschätzt worden, sagte er vor den Bundeshausmedien.

Rote Zahlen bei den Krankenkassen

Laut Couchepin schreiben die Krankenversicherer rote Zahlen. Starke Kostenzunahmen bei der ambulanten Behandlung im Spital, den Laboranalysen und bei der Behandlungen in den Arztpraxen seien zu verzeichnen.

Das kassierte Prämienvolumen sei trotz gestiegener Prämien geschrumpft. Die Versicherten hätten – durchaus ökonomisch denkend – die Kasse oder die Franchise gewechselt. Die Reserven der Kassen seien unterdessen aufs gesetzliche Minimum gesunken.

Telefonberatung und Praxisgebühr

Um diese Entwicklung zu dämpfen, schlägt der Bundesrat eine 30-fränkige Praxisgebühr für die ersten sechs Arzt- oder Ambulatoriumsbesuche vor. Das entspreche einem Bruchteil der tatsächlichen Kosten der Besuche und sei sozial tragbar, sagte Couchepin. Nicht zuletzt müssten alle Krankenversicherer innert eines Jahres eine effiziente, kostenlose Telefonberatung anbieten.

Der Bundesrat unterstützt zudem eine Erhöhnung der Bundesgelder von derzeit 200 Millionen Franken für die Prämienverbilligung. Er plant, den Beitrag um weitere 200 Millionen zu erhöhen. Darüber will die Regierung aber erst im Juni entscheiden, wenn sie sich mit einem dritten Konjunktur-Paket befasst.

Im weiteren will der Bundesrat die Kompetenz zur Senkung von Tarifen bei einer überdurchschnittlichen Kostensteigerung und Leistungsaufträge für Spitalambulatorien. Ein dringliches Gesetzespaket zuhanden des Parlaments soll noch vor den Sommerferien ausgearbeitet werden. (SDA)

Erhöhte Franchise zwei Jahre gültig

BERN – Die Versicherten sollen nicht mehr jedes Jahr eine neue Franchise in der Krankenversicherung wählen dürfen. Der Bundesrat will, dass eine Wahlfranchise künftig für mindestens zwei Jahre gilt. Heute können Versicherte eine hohe Franchise für ein Jahr kündigen, wenn ihnen eine teure Operation oder andere Behandlung bevorsteht. Sind sie wieder gesund, bezahlen sie im folgenden Jahr statt der Grundfranchise wieder den höheren Betrag, um von einer Prämienreduktion zu profitieren. «Das führt zu einer Erosion der Prämien wegen mangelnder Solidarität», sagte Gesundheitsminister Couchepin heute. Wahlfranchisen müssten deshalb während zweier Jahre stehen bleiben.

Mehr zahlen um zu sparen?

Kommentar von Marcel Zulauf stv. Chefredaktor Blick.ch

Bundesrat Pascal Couchepin hat kein Rezept gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen. Wenn er mit einer Praxisgebühr von 30 Franken und einer Telefon-Konsultation vor dem Arztbesuch gegen die drohende Prämienerhöhung von bis zu 10 Prozent vorgehen will, ist das arme Pflästerlipolitik.

Was an Couchepins Pressekonferenz fehlte, waren die grossen Ideen. Es kann nicht sein, dass man mittels kleiner Massnahmen und einer breiten Subventionierung die Prämien für den Einzelnen zwar im Rahmen hält, die Kosten fürs Gesundheitswesen aber weiterhin explodieren.

Zu schlechter Letzt gehen diese Massnahmen zulasten der Bürger: Wer den Doktor aufsucht, muss 30 Franken zahlen. Und die Prämienverbilligung reisst ein Loch in die Staatskasse.

Um die Kosten zu senken, müsste Couchepin endlich gegen die Pharma- und Ärztelobby durchgreifen und die Kosten dort senken, wo sie verursacht werden.

Tamiflu für jeden 5. Schweizer

Couchepin hat sich auch zur Schweinegrippe geäussert. Für den Notfall hortet der Bund für 20 Prozent der Bevölkerung Tamiflu – 23 Millionen Kapseln und 1300 Kilo Pulver. Die Landesregierung sei bei der Schweinegrippe den Maximen «Vorsicht, Wachsamkeit und regelmässige Information» gefolgt, sagte Couchepin. Er zeigte sich erleichtert, dass angesichts der aktuellen Entwicklung nicht das alle Punkte des Pandemie-Dispositivs zum Einsatz kommen mussten.

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