Rücktritt Couchepin: «Basta, bonne journée»

  • Publiziert: 12.06.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Lilian Spörri

BERN – Pascal Couchepin hat vor den Medien seinen Rücktritt begründet. Und mit seiner typischen Art erklärt: «Ich gehe jetzt Kirschen pflücken.»

«Es hat mich sehr berührt, welcher Empfang mir im Nationalrat heute bereitet wurde», sagte Couchepin zum Anfang einer in Bern einberufenen Medienkonferenz. Dies nachdem Nationalratspräsidentin Chiara Simoneschi-Cortesi heute Morgen sein Rücktrittsschreiben verlesen musste.

Auf den 31. Oktober tritt Pascal Couchepin zurück. 41 Jahre war er in der Politik.

«Der Entscheid ist ein bisschen jünger», sagt Couchepin zum Rücktritt. Er sei mit einem Bundesratskollegen zuvor zusammengesessen, um es zu besprechen. Wer dies war, wollte Couchepin nicht nennen.

Er dankt seinem Pressesprecher für seine Arbeit. Für die Bilanz seiner Arbeit habe es im Demissionsschreiben nicht mehr gereicht. Dies wolle er jedoch jetzt tun.

Besonders am Herzen lägen ihm die aktuellen Vorlagen. Wenn er diese alle noch durchbringen wollte, müsste er noch sehr lange bleiben. «Auch alte Journalisten gehen, wenn sie alles geschrieben haben. Aber diese alten Journalisten sollen ruhig über die Sozialversicherung weiterschreiben – aber ohne mich.»

«Hör auf, du bist nicht populär»

Couchepin lobt sich selbst: Er habe nur eine Niederlage einstecken müssen. 27 Abstimmungen habe er gewinnen können. Und zwar er, jemand von dem man sage, er sei nicht populär.

Ein Kollege habe ihm mal geraten: «Hör auf, Politik zu machen, du bist nicht populär.» Doch er habe weitergemacht und siehe da: Er habe nicht verloren. Das zeige ihm, dass man sich nicht an den Meinungsumfragen orientieren dürfe. Man dürfe sich nicht an der Oberfläche orientieren. Und das könne die Schweizer Bevölkerung.


Warum jetzt? «Warum nicht?»

«Ich hoffe, dass ich nach meinem politischen Dasein noch lange leben darf», sagt Couchepin. Und dann kommt noch ein Kompliment an die Medien: «Ich respektiere euch.»

Warum er genau jetzt zurückgetreten sei? «Warum nicht», antwortet der Bundesrat, «heute ist das Ende der Session.»

Er bleibe bis zum Schluss der ganzen Affäre um die Krankenkassenprämien – deshalb sein Rücktritt am 31. Oktober.

Couchepin lobt noch einmal seine Erfolge. Erfolge in einer schwierigen Etappe. Die Diskussion um die Krankenkassen wolle er zu Ende führen. Und deshalb wolle er, dass sein Nachfolger nach der ganzen Krankenkassen-Debatte mit Frische in sein Departement könne.

Er lasse der FDP genug Zeit, seine Nachfolge vorzubereiten. Couchepin wollte nicht darauf eingehen, ob es dabei um ein Tauziehen zwischen Romandie und dem Tessin komme.

Langweilig wird es dem Politiker nicht. «Eine Taufe ist angesagt, ich werde Kirschen pflücken.»

Und dann hat Pascal Couchepin genug geredet. Es reicht ihm: «Basta, bonne journée!», verabschiedet er sich von den Journalisten.

play Nach elf Jahren hat er genug: Pascal Couchepin (67). (Reuters)

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz