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«Sie gehören zu unserem Leben», sagt Erich Brandenberger vom Freizeitpark «Connyland» im thurgauischen Lipperswil. «Bei uns wird es immer Delfine geben.» Doch es stehen schwere Vorwürfe im Raum. Deutsche Delfinschützer forden die Schliessung des Delfinariums.
Jürgen Ortmüller vom Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) sagte gegenüber Blick.ch: «Am 3. Juli waren wir im Connyland und haben festgestellt, dass es etliche Mängel gibt.»
Ein wesentlicher Punkt: Als das Team vor Ort war, schwammen drei Delfine den ganzen Tag unter direkter Sonneneinstrahlung. Sie hatten keine Möglichkeit sich in einen schattigen Bereich zurückzuziehen. Es hiess, dass das Tor defekt sei. Erst fünf Tage später wurde das behoben. Das WDSF sagt, dass in einem solchen Fall die Tiere schweren Sonnenbrand erleiden und im schlimmsten Fall sogar ihr Augenlicht verlieren könnten.
Zudem habe das WDSF festgestellt, dass das Delfinbecken nicht aus Beton ist. Es handle sich um eine Grube, die mit einer Plane ausgelegt ist. «Wenn die einen Riss bekommen sollte, würden dort etliche Delfine verenden», sagt Ortmüller.
Ein weiterer kritischer Punkt: Die Besucher, unter denen viele Kinder sind, kommen so nah an das Delfin-Becken heran, dass sie immer wieder mit Kot- und Urinbelastetem Wasser in Berühung kommen. Dagegen werde Chlor eingesetzt, doch das schade den Tieren.
Sechs Delfine starben in drei Jahren
Ausserdem beobachtete das Team, wie ein Delfin zwangsgefüttert wurde. Die Tierschützer vermuten eine Nierenerkrankung als Grund dafür. In den letzten drei Jahren sind im Connyland sechs Delfine verstorben – drei Erwachsene und drei Babies. Zwei der Delfine sollen an einem Nierenproblem gestorben sein.
Der Kantonstierarzt Dr. Witzig widerspricht den Vorwürfen der Delfinschützer. Die Delfine im «Connyland» zeigten keine Anzeichen von Sonnenbrand. Gemäss Experten bräuchten die Tiere nicht zwingend Schatten. Doch auf die anderen erwähnten Vorwürfe ging der Arzt nicht ein.
Regierungspräsident: «Nicht von Relevanz»
Damit gibt sich das WDSF nicht zufrieden. Weltweit kümmert sich die Organisation um die Schliessung von Delfinarien. «Connyland gäbe es in Deutschland oder der EU so nicht», sagt Ortmüller. Dazu sagte Regierungspräsident Schläpfer: «Die Behörden des Kantons Thurgau haben die Tierhaltung auf die Übereinstimmung mit schweizerischem Recht zu prüfen, nichts Anderes. Was die Behörden im Übrigen denken und meinen, ist nicht von Relevanz.»
Die Präsidentin von Ocean Care aus der Schweiz, Sigrid Lüber, schliesst sich der Kritik der deutschen Tierschützer an: «Connyland würde nach dem neuen Tierschutzgesetz nie mehr eine Erlaubnis erhalten.» Das Problem sei eben, dass sie die Bewilligung haben und man ihnen diese nicht wegnehmen könne. «Doch Verbesserungen sind trotzdem möglich», sagt sie. Die Reaktion des Kantonstierarztes kann sie nicht verstehen.
Informationen über eine falsche Medikation
Für die Ocean-Care-Präsidentin steht fest: Das Connyland ist ein Vergnügungspark und damit für die Delfinhaltung ungeeignet. «Ich würde die Delfinhaltung gerne geschlossen sehen.» Ocean Care hatte 2010 eine Strafanzeige gegen die Betreiber des Freizeitparks eingereicht. Die Hauptgründe: Gravierende Haltefehler und Informationen über eine falsche Medikation, die zum Tod eines Delfins führte. Die Strafanzeige ist immer noch hängig.
Das WDSF gibt auch nicht auf. Vor allem wollen sie dem Versuch des Regierungsrats, sie mundtot zu machen, entgegenwirken. Denn Regierungsrat Schläpfer hatte ihnen geschrieben: «Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihre Vorwürfe gegen mich, meine Mitarbeiter und auch gegen das Conny-Land unter Umständen den Tatbestand der Nötigung und/oder der Ehrverletzung erfüllen können. Ich ersuche Sie deshalb in aller Form, die Erhebung unberechtigter Vorwürfe zu unterlassen.»
Am 7. August wollen die Tierschützer auf die Strasse gehen. Für die Schliessung der Delfinarien und damit für die Freiheit der Tiere kämpfen. «Wir sehen das gelassen», sagt Brandenberger vom Connyland. Ausserdem hätten sie schon häufiger im Zusammenhang mit solchen Negativ-Meldungen Zuschauer-Rekorde verzeichenen können. Das sei «gute Publicity».