Clownlehrerin Yve Stöcklin zum Phänomen der Horror-Clowns «Die Liebenswürdigkeit ist zerstört»

BASEL - Yve Stöcklins (61) Clownschule floriert - trotz Horror-Clowns, die für negative Schlagzeilen sorgen. Doch: Die Gesellschaft habe sich im Laufe der Zeit vom Urclown distanziert.

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Die Horror-Clowns machen derzeit die Schweiz unsicher, und während sich die meisten Bürger vor den Ungestalten fürchten, ist sie hauptsächlich besorgt: Yve Stöcklin (61).

Horror-Clowns - Clownlehrerin Yve Stöcklin zum Phänomen play
Bildet «echte» Clowns aus: 
Clownlehrerin Yve Stöcklin. ZVG

Sie ist selber Clownfrau und leitet die Theater- und Clownschule in Basel. «Bei dieser Geschichte vergeht selbst mir das Lachen», sagt sie gegenüber Blick.ch. «Diese Menschen verbreiten nicht nur Angst, sondern missbrauchen ein Wesen, das eigentlich für pure Liebe und Lebensfreude steht.»

Jedes Jahr bildet Stöcklin 16 Erwachsene zu professionellen Clowns aus. Ihre Schüler sind Menschen, die Freude schenken wollen. Menschen, welche wieder etwas Lebendigkeit verspüren und diese weitergeben möchten. Dabei arbeitet ein Clown fast ausschliesslich mit Körpersprache, denn ein echter Clown redet nicht.

In Schweigen hüllen sich auch die Horror-Clowns, die vor der Schweiz bereits in Deutschland und vor allem in den USA ihr Unwesen trieben, doch im Gegensatz zu einem echten Clown – wie Stöcklin ihn beschreibt – verstossen sie gegen die wichtigste Regel des Clownseins: Sie sind gewaltvoll.

Masslosigkeit ist okay, Gewalt aber nie

Gewalt fängt in diesem Sinne bereits im Kleinen an, erklärt Stöcklin, und versucht so, den Ursprung des negativem Image der Clowns zu ergründen: «Vor circa 15 Jahren fingen Clowns an, gewaltvolle Szenen im Zirkus aufzuführen. Das beinhaltet das Zerstören von Gegenständen oder das gegenseitige Schmerzzufügen. Solche Bilder setzen sich in den Köpfen von Kindern fest und führen dazu, dass der Clown mit negativen Gefühlen verbunden wird. Des Weiteren haben diverse Horror-Filme die Liebenswürdigkeit des Clowns zerstört.»

Horror-Clowns - Clownlehrerin Yve Stöcklin zum Phänomen play
Gefährlicher Trend: Vor allem in den USA treiben Horror-Clowns ihr Unwesen. Archivbild

Ein Clown könne zwar masslos sein, aber er werde niemals, unter gar keinen Umständen gewalttätig, sagt Stöcklin. «Er empfindet Liebe für jeden Menschen und jeden Gegenstand und würde sich nie auf die Kosten anderer amüsieren oder sich an deren Unglück erfreuen.»

Die Gesellschaft habe sich im Laufe der Zeit vom Urclown distanziert, was Stöcklin als tragisch beurteilt. Ihrer Meinung nach stehen diese Distanzierung und der Missbrauch des Clowns stellvertretend für die generelle Verirrung der Menschheit. «Das ist sehr zu bedauern und schadet dem Ruf unserer Arbeit.» 

Grosses Interesse trotz negativem Image

Dem Interesse an ihrer Schule tun die Horror-Clowns keinen Abbruch. Jedes Jahr melden sich bei ihr mehr Erwachsene an, als sie ausbilden kann. Die Ausbildung zum Clown teilt sich in verschiedene Module auf und dauert ein halbes Jahr, in dem die Schüler unter anderem lernen, ihren eigenen Clown zu finden und so eine individuelle Gestalt zum Leben zu erwecken. Schminken tut man sich in Theater- und Clownschule kaum, denn «echte Clowns verstecken sich nicht hinter einer Maske, sondern wollen durch ihre Mimik Kontakt zu ihrem Gegenüber aufnehmen».

Stöcklin glaubt daran, dass die Horror-Clowns in der Schweiz so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Und trotzdem bleibt bei ihr ein mulmiges Gefühl. «Ein Clown ist kein Mensch. Er ist ein Wesen aus einer anderen Welt. Einer Welt zwischen Märchen und Realität», sagt sie. Durch den Grusel der Horror-Clowns wurde dieses Wesen in einer negativen Form vermenschlicht.

Publiziert am 26.10.2016 | Aktualisiert am 27.10.2016
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