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Ein Hochhaus in Zürich-Oerlikon, 10. Stock, Zimmer 1001. Hier wird integriert.
Ich murmle: «d Blueme, d Blueme, d Blueme». Und dann: «s Fänschter, s Fänschter, s Fänschter.» So richtig locker kommen mir die Worte nicht von den Lippen.
Mit mir murmeln neun andere Ausländer. Alle mit dem gleichen Ziel: Schwiizertüütsch lernen. Schliesslich wollen wir uns alle besser integrieren.
Neben mir sitzt Lak (33) aus Thailand. Sie ist im 7. Monat schwanger – und lernt Mundart, um sich später mit ihrem Kind in Schwiizertüütsch unterhalten zu können.
Auf der anderen Seite: Sophie (25) aus Polen. Sie ist mit einem Schweizer verlobt. «Für meine Zukunft und meine Arbeit ist es wichtig, Mundart zu sprechen», sagt Sophie. Und gibt zu: «Aber es ist schon sehr schwierig.»
Zwischen den beiden sitze ich. Eine Deutsche, seit 9 Monaten in der Schweiz. Mit Dialekten habe ich mich schon immer schwer getan. Nicht einmal Bayerisch kann ich, obwohl ich doch aus Bayern komme.
Jetzt will ich also Schwiitzer-tüütsch lernen. Weil ich mir schon oft gewünscht habe, ebenso leicht vom steifen Hochdeutsch ins bequeme Schwiizertüütsch wechseln zu können wie meine Kollegen.
Aber immer, wenn ich mich an einigen Wörtern versuche, klingts gekünstelt. Schrecklich steif und ungelenk. Gar nicht flüssig. Das soll sich jetzt ändern. Deshalb sitze ich in Oerlikon. In der Migros-Klubschule.
Lehrerin Ann Beilstein beginnt mit einem Quiz. Schreibt Mundart-Wörter an die Tafel, wir Schüler sollen raten. Lak, Sophie und ich geben alles.
Erstes Wort: en Strèèl. Lak blättert geschäftig in ihrem Wörterbuch, Sophie und ich blicken uns ratlos an. «Strahl vielleicht?», sage ich leise. «Jaja», sagt Sophie.
Wir liegen daneben. Genauso wie bei den nächsten Wörtern. Es Zältli, es Bütschgi und es Chrüsimüsi. Das Zältli halten wir für ein kleines Zelt. Das Bütschgi für einen Buben-Kindergarten. Das leiten wir gekonnt von Chindsgi ab.
Beim Chrüsimüsi wird es noch bunter: Adam, der Ägypter, hält des für eine «Christmaus». «So wie Christbaum», sagt er voller Überzeugung.
Wir alle werden vorgeführt. Merken, dass wir noch weit davon entfernt sind, die Schweizer zu verstehen. Und noch weiter davon, mit ihnen in Mundart zu plappern. Mir wird erschreckend klar: Ich lerne keinen Dialekt. Sondern eine Fremdsprache.
Kann ich das schaffen? «Sie werden sicher alles verstehen», sagt meine Lehrerin. Aber das reicht mir nicht. Ich will Schwiizertüütsch schwätzen.
«Da müssen Sie viel Zeit investieren. Und viel mit Schweizern sprechen», sagt Frau Beilstein. Und fügt hinzu: «Gerade Hochdeutsch-Muttersprachler haben mit der Mundart sehr viel Mühe.»
Nicht gerade ermutigend. Trotzdem: Ich gibe miis Bescht.
«Ich gibe miis Bescht», sagt die deutsche BLICK-Reporterin Katia Murmann beim Mundart-Kurs.- Dominik Baumann