Chefarzt-Gattin gab sich als Krankenschwester aus

  • Publiziert: 13.01.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Corinne Landolt

In Basel gilt sie als genügsame IV-Rentnerin, in Spanien führt Francine B. (56) ein Leben in Saus und Braus.

Auch der vierte Mann von Francine B.* ist alt und reich: Gerhard B.* (83), pensionierter Chefarzt, Ehrenmitglied der deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie.

Das Ehepaar B. lebt im spanischen Marbella in einer Villa mit Marmorboden, beheiztem Pool und einem Personalbereich mit separatem Eingang. In der Villa «Aquarius» stehen Versace-Möbel aus Italien. Im Wohnzimmer ein Steinway-Flügel. Ihre Kleider lässt Francine B. in Basel massschneidern.

Was ihre Freunde in Spanien nicht wissen: Die Schweizerin ist IV- und Suva-Rentnerin. Erhält von den Sozialversicherungen 3700 Franken im Monat ausbezahlt. Das Arztzeugnis wegen Arthrose und neurologischen Problemen hat ihr deutscher Ehemann ausgestellt.

Zweifach vorgestraft

Einmal im Monat fliegt sie nach Basel, holt ihr Geld ab. Sie übernachtet in ihrer Einzimmerwohnung an der Oberwilerstrasse. «Eingerichtet wars wie ein Zimmer im Fünfsternehotel», sagt Franco Chiesa, ihr Sohn aus erster Ehe, gegenüber BLICK.

In Basel fährt Francine B. ein Mercedes-Cabriolet 500 SL. «Sie hatte es auf meinen Namen angemeldet, damit ihr die IV nicht auf die Schliche kam», sagt Chiesa. «Ich erfuhr erst davon, als ich eine Geschwindigkeitsbusse erhielt.» Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ist endlos lang: Veruntreuung, Betrug, Urkundenfälschung. Und Francine B. ist bereits zweifach einschlägig vorbestraft.

Von Spanien aus stellte die reiche Hausfrau der Krankenkasse Sanitas als Krankenschwester Rechnung: für Körperpflege, Waschen, Duschen, Beine ein- und ausbinden, Stützen des Patienten beim Rasieren, Gehen.

«Ich vertraute ihr»

Ihr «Patient», ein befreundeter Arzt aus der Schweiz: Arthur Denes (70) führte in Bottmingen eine Praxis und lebte 2000 ein paar Monate beim Ehepaar B. in Spanien. «Mir ging es wegen der Scheidung von meiner Frau nicht gut.» Francine B. und ihr Mann kümmerten sich um ihn. «Aber ich habe ihn ärztlich mehr betreut als er mich», sagt Denes.

B. lieferte der Sanitas per Fax ihr Diplom als Krankenpflegerin nach. Doch es war gefälscht. Auch der Suva stellte sie fiktive Arztrechnungen aus, versah sie mit dem Stempel von Dr. Denes. Die 38 000 Franken, die die Versicherung aufs Konto des Arztes einzahlte, überwies sie sich auf ihr eigenes Konto bei der Migros Bank.

Denn Francine B. hatte die Vollmacht über Denes’ Konto. «Sie bot mir an, mein Vermögen zu verwalten, Alimentszahlungen an meine Frau und andere Zahlungen zu erledigen. Ich vertraute ihr.»

Zu Unrecht. Laut Anklageschrift hat sie immer wieder Geld des Arztes auf ihr eigenes Konto überwiesen. Und kaufte sich Schmuck, Möbel und Kleider. Insgesamt erleichterte sie Arthur Denes um über 1,1 Millionen Franken. Vor dem Gericht erschien das Ehepaar B., das wieder in der Schweiz lebt, nicht. Beide haben ein Arztzeugnis. Das Urteil soll am Freitag bekannt gegeben werden.

* Namen der Redaktion bekannt

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