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Am fünften Prozesstag kamen zunächst Spurenermittler zu Wort – und dann Professor Walter Bär vom Zürcher Institut für Rechtsmedizin. Sein Job: DNA-Rückstände auf Gegenständen zu sichern und zuzuordnen. Wären als, wie von Bianca B. behauptet, wirklich Einbrecher an Weihnachten eingestiegen und hätten die Kinder getötet, dann würde dies vom DNA-Experten entdeckt.
Doch Bär fand dafür ebenso wenig Anhaltspunkt wie seine Kollegen von der Spurensicherung. Er untersuchte rund 20 Gegenstände, darunter Kissen der Kinder, Geldbörsen der Eltern, den Badezimmerteppich und Kleider, ohne auf fremde DNA-Rückstände zu stossen.
Was Bär stattdessen feststellte: Unter den Fingernägeln des kleinen Mario gab es «aussergewöhnlich viele» Spurenrückstände von Mutter Bianca B. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Entweder die Rückstände stammen vom Speichel der Mutter, die ihrem Sohn die Finger ableckte – oder das Kind wehrte sich gegen einen Angriff.
Bär unterstrich in seiner Aussage vor Gericht zweimal, dass unter Marios Fingernägel der rechten Hand ein «sehr prominent vertretener DNA-Rückstand» festgestellt wurde.
Badezimmerteppich als Mordwaffe?
Rechtsmediziner Bär kam zu einem weiteren interessanten Punkt: Auf dem Gesicht der kleinen Céline war ein Muster, eine Art Waffelmuster, in die Haut eingepresst. Dieses könnte gemäss Bär vom Kissen der Kleinen oder aber vom zusammengelegten Badezimmerteppich stammen.
Tatsächlich habe er sowohl auf dem Kissen wie auch auf dem Teppich DNA-Rückstände sowohl von Céline als auch von Mutter Bianca gefunden. Bär schloss vor Gericht nicht aus, dass der Teppich auf Célines Gesicht gepresst wurde. Ganz Wissenschaftler sagte er: «Ich kann diese Hypothese dem Tatverlauf zuordnen, aber weiter kann ich nicht gehen.»
Und: Beim Esszimmerfenster, wo die Einbrecher gemäss Bianca B. eingestiegen sein sollen, fand Bär keine fremden DNA-Spuren – ausser jene von Bianca B. am Fenstergriff.
Vor Bär waren noch einmal die Ermittler des technischen Dienstes der Kapo Zürich befragt worden. Sie sagten aus, dass viermal am Tatort gewesen zu sein. Dabei hätten sie aber keinerlei verwendbare Fingerabdrücke gefunden – ausser auf einem weggeworfenen Plastiksack, in dem Bianca B. die Geschenke ihrer Kinder aufbewahrt hatte, bevor sie sie unter den Christbaum legte. Das zeigt, wie sauber, geradezu steril, diese Wohnung gewesen sein muss!
Bemerkenswert auch dies: Franz B., der damalige Ehemann von Bianca, hatte in der Mordnacht ausgesagt, dass ihm tatsächlich 210 Franken im Portemonnaie fehlten. Der Mann, der seine Kinder tot gefunden und die Polizei verständigt hatte, glaubte in jener entsetzlichen Nacht offensichtlich seiner Frau und ihrer Einbrecherversion.
Die Spurenleute der Polizei hatten für das fehlende Geld aber eine andere Erklärung parat: Sie mutmassen, dass die 210 Franken wohl unter dem Christbaum und im Kässeli von Céline lagen. Jedenfalls befanden sich unter dem Christbaum zwei Couverts mit der Aufschrift «Céline» und «Mario». Darin waren je 100 Franken. Und im Kässeli von Céline lag zuoberst eine zusammengefaltete Zehnernote.
Zweimal 100 Franken und ein Zehner – genau die 210 Franken, die in Franz B.s Portemonnaie fehlten! Der Schluss liegt nahe: Bianca B. stahl das Geld vor oder kurz nach der Tat aus dem Portemonnaie ihres Mannes, verteilte es unter den Christbaum und ins Kässeli von Céline und behauptete dann, Einbrecher hätten sich damit aus dem Staub gemacht.
Bild aus glücklichen Tagen: Bianca B., ihr damaliger Ehemann Franz und einer der Zwillinge.- ZVG