«Bundesrat seiner Aufgabe nicht gewachsen»

  • Publiziert: 04.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

LENZBURG AG – Partei-Präsident Toni Brunner poltert an der SVP-Delegierten-Versammlung. Ziel der Kritik sind einmal mehr Samuel Schmid und Micheline Calmy-Rey.

«Ich kann nicht zusehen, wie der Departementchef des VBS die Kommandobrücke längst verlassen und sich irgendwo in seinen Amtsstuben eingebunkert hat», sagte SVP-Präsident Toni Brunner heute in der Mehrzweckhalle Lenzburg.

Die «Geisterfahrt des VBS» drohe im Niedergang des Milizprinzips zu enden, sagte Brunner in seiner Eröffnungsrede an der SVP-Delegiergenversammlung (DV). Doch der Bundesrat verschliesse die Augen vor den «offensichtlichen Führungsmängeln im VBS».

Während andere Länder wie Finnland und Schweden über eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben debattierten, leiste sich die Schweiz einen «führungsunfähigen Bundesrat an der Spitze eines Departements, das bald wieder zu einem der wichtigsten werden könnte».

Der Zustand der «einst glaubwürdigen Landesverteidigung» sei derart besorgniserregend und die Sicherheitspolitik so falsch, dass ein Neuanfang nötig sei, sagte Brunner. Die Schweiz dürfe weder eine Berufsarmee haben noch internationale Militärbündnisse eingehen.

Auch die Führung des Landes kritisierte Brunner. «Der Bundesrat ist in seiner jetzigen Zusammensetzung seiner Aufgabe nicht gewachsen». Er wetterte insbesondere gegen Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, welche «von Fettnapf zu Fettnapf» plumpse und das Land weltweit der Lächerlichkeit preis gebe.

Das Landesinteresse werde dem Machtinteresse geopfert, die politische Klasse verbrüdere sich zum alleinigen Zweck des Machterhalts. Davon zeuge auch, dass nach dem Willen des Nationalrates seine eigene Immunität aufgehoben werden solle. «Damit macht sich das Parlament zum Richter», sagte Brunner. (SDA)

Nein zu Drogenpolitik-Vorlagen

Die SVP ist klar gegen eine Liberalisierung des Drogenkonsums. Die Delegierten sprachen sich am Samstag in Lenzburg deutlich gegen die Hanf-Initiative und gegen die Revision des Betäubungsmittelgesetzes aus.

Die Parolen zu den anderen drei Vorlagen vom 30. November hatte der Zentralvorstand bereits am Freitagabend gefasst: Er sagt Ja zur Initiative «Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern» und zur Initiative «Verbandsbeschwerderecht: Schluss mit der Verhinderungspolitik». Zur Initiative «Für ein flexibles AHV- Alter» des Gewerkschaftsbundes beschloss er ein Nein. (SDA)

Parteistatuten mit «Lex Widmer-Schlumpf»

Um einen zweiten Fall Widmer-Schlumpf zu verhindern, haben die SVP-Delegierten am Samstag mit 350 gegen 15 Stimmen bei 6 Enthaltungen ihre Parteistatuten geändert. Damit wird fortan aus der Partei ausgeschlossen, wer die Wahl in den Bundesrat annimmt, ohne dafür nominiert zu sein.

Falls die Wahl dennoch angenommen wird, erlischt die Parteimitgliedschaft automatisch. Allerdings sieht eine Rehabilitationsklausel vor, dass die Parteimitgliedschaft erneuert werden kann, falls dies eine Zweidrittelsmehrheit der SVP-Fraktion und des Zentralvorstand wollen. (SDA)

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