Weil Bauern Hanf ans Vieh verfüttern Bund warnt vor Hasch-Koteletts!

  • Publiziert: 04.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Beat Michel
play Beliebt bei Schweinen Hanf fördere Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere, sagen die Bauern. (Schweizer Bauer)

Schweizer Landwirte entdecken den Hanf – aber nicht für sich. Sie setzen ihn immer öfter ihren Schweinen und Kühen vor. Dabei warnt der Bund: In Fleisch und Milch lagert sich der Rauschstoff THC an.

Auf Schweizer Feldern blüht der Hanf: Offiziell pflanzen bereits über 150 Bauernbetriebe den sogenannten «Bauernhanf» an – lateinisch «Sativa non-indica».

Die anspruchslose Pflanze wird inzwischen gleich tonnenweise als Futterzusatz für Kühe und Schweine verwendet. Für Kiffer ist das Kraut zwar uninteressant: Der Gehalt des Hasch-Wirkstoffs THC ist mit 1 bis 2 Prozent zu gering. Aber immerhin: «Den Rausch könnte man etwa vergleichen mit dem von einem Glas Sauser», sagt Jean-Pierre Egger, Inhaber der Firma «Sanasativa», des grössten Abnehmers von Bauernhanf.

Doch immer mehr Hanfbauern müssen sich derzeit mit den Behörden herumschlagen. Denn streng nach Vorschrift des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) ist das Verfüttern von Hanf verboten.

Die Pflanze steht auf der Liste verbotener Stoffe im Anhang der Futtermittelbuchverordnung. Begründung: «THC kann in die Milch oder das Fleisch gelangen», sagt Louis Tamborini vom Fachbereich Landwirtschaftliche Produktionsmittel.

Das Amt stützt sich dabei auf einen Versuch der Kollegen vom Gesundheitsamt. Dabei wurde einer Kuh ein Hanfextrakt mit THC gefüttert. Die Chemiker konnten 0,1 Prozent der psychoaktiven Substanz in Blutplasma und Milch der Kuh nachweisen.

Andere Wissenschafter sind skeptisch. Ruedi Brenneisen, Leiter der klinische Forschung an der Universität Bern: «In dem Versuch wurde reines THC verwendet, das in der getrockneten Pflanze kaum vorhanden ist. Unwahrscheinlich, dass bei der Verfütterung THC in Milch oder Fleisch gelangt.»

Doch das Verbot steht – auch wenn es kaum Wirkung zeigt: Seit 2006 hat sich die Fläche des offiziell angebauten Bauernhanfs verdoppelt. Die Bauern schwören darauf. Das Vieh brauche weniger Medikamente und habe eine kleinere Sterblichkeitsrate. Und vor allem: Mit Bauernhanf lässt sich richtig gut verdienen. Eine Are (10 mal 10 Meter) Hanf bringt einem Bauern jährlich etwas über 1000 Franken. Mit Kartoffeln aber bloss 120 Franken. Verkauft wird der Hanf meist zur Herstellung etwa von Zahnpasta oder Eistee.

Hanf ist praktisch: Für die Würfelverarbeitung braucht es die gleichen Maschinen wie beim Futtermais – und für den Anbau weder Pflanzenschutzmittel, Dünger noch Bewässerung.

Doch das gute Geschäft bringt oft Ärger:

Am heftigsten rückt den Bauern der Thurgauer Staatsanwalt Hans-Ruedi Graf zuleibe. Bereits gegen 30 Höfe hat er ein Verfahren offen. «Das Verfüttern von Bauernhanf an Nutztiere ist unseres Erachtens verboten und wird nicht akzeptiert», sagt er.

Nachbarkanton St. Gallen hat seinen Widerstand erst einmal aufgegeben. Dort erstritt sich ein Hanfbauer vor Kantonsgericht die Rückgabe seines beschlagnahmten Hanfs. «Die Verfütterung von Bauernhanf ist strafbar, aber es fehlt eine klare Regelung», so St. Gallens Untersuchungsrichter Ernst Frei.

Also knabbert das Vieh fidel weiter Hanfwürfel.

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Hanfwirkstoff THC

Hanf, eine alte Kulturpflanze — und ein ebenso altes Rauschmittel. Vor allem seine Blüten enthalten die Substanz, die bei Erhitzung zum Wirkstoff THC wird.

Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Seine Wirkung ist noch
immer nicht ganz erforscht. In der Regel löst THC Glücksgefühl und Entspannung aus, es wirkt aber auch schmerzdämpfend.

Mit 6 bis 20 Prozent ist der THC-Gehalt in den weiblichen Pflanzen am höchsten, und dort vor allem in den unbefruchteten Blütenständen. In Stängeln oder Blättern beträgt er meist kaum 1 Prozent. Hanf ist eine uralte Kulturpflanze. Sie wird seit jeher als Naturheilmittel, Faserstoff oder Tierfutter verwendet.

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