Bund verkauft seinen UBS-Anteil!

  • Publiziert: 19.08.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

Am Dienstag tauscht der Bund die 6 Milliarden Franken, die er letzten Oktober in die taumelnde Bank investierte, in Aktien um. Die Titel sollen dann subito an unbekannte Grossinvestoren weiter verkauft werden.

Die Schweiz steigt bei der UBS wieder aus: Die Eidgenossenschaft will ihre Beteiligung in der Höhe von sechs Milliarden Franken an institutionelle Anleger verkaufen. Das gaben der Bund und die UBS gestern Abend bekannt – wenige Stunden nach der Beilegung des Steuerstreits mit den USA und nach Börsenschluss in New York.

Und so läuft das Geschäft: Die vom Bund gehaltene Pflichtwandelanleihe wird in Aktien umgewandelt. Dies soll voraussichtlich am 25. August geschehen. Die UBS wird für die Anleihe rund 332 Millionen neue Aktien mit einem Nominalwert von 0,1 Franken ausgeben. Zum heutigen Kurs haben diese einen Wert von 5,56 Milliarden Franken.

Was für den Bund beim Verkauf herausschaut, ist aber noch unklar. Das hängt davon ab, zu welchem Kurs die neuen Investoren die Aktien dann übernehmen. Derzeit würden die Offerten entgegengenommen, sagte Peter Siegenthaler, Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, auf Anfrage. Im Laufe des Donnerstag soll dieser Prozess abgeschlossen sein. Dann werde auch klar sein, welchen Preis der Bund für das Paket gelöst habe, sagte Siegenthaler.

Dass es ein gutes Geschäft wird, ist jedoch bereits klar. Denn für die 6 Milliarden Franken hat der Bund 1,8 Milliarden Franken Zins erhalten. Das war so vereinbart: Der Zins wird für die ganze Laufzeit von 30 Monaten bezahlt, egal wann der Bund die Anleihe wandelt oder aussteigt.

Mit dem Verkauf des Pakets macht der Bund das Versprechen wahr, so rasch wie möglich bei der UBS wieder auszusteigen. Diese Möglichkeit sah er mit der Beilegung des UBS-Steuerstreits mit den USA offenbar gekommen.

Ausstieg nach Vergleich

Wenige Stunden vor der Ankündigung des Bundes hatten die Schweiz und die USA den Streit durch einen Vergleich beigelegt. Der Bundesrat erachte dies und die Stärkung der Eigenkapitalausstattung der Bank als wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stärkung des Vertrauens in die UBS, teilte das Finanzdepartement mit.

Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht (FINMA) begrüssten den Ausstieg. Die Wandlung der Plichtwandelanleihe in Aktien sei ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen des Marktes in die Widerstandsfähigkeit der Bank weiter zugenommen habe, schreibt die SNB in einer Mitteilung.

Mit dem Verkauf sei der Bund an der UBS nicht mehr beteiligt. Die Übernahme von illiquiden Aktiven der UBS in die Zweckgesellschaft «StabFund» der SNB und die Bewirtschaftung dieser Aktiven sei vom Abbau des Engagements des Bundes nicht tangiert. Die Auffanggesellschaft stelle keine Beteiligung der SNB an der UBS dar.

Es war Oktober 2008, als die Finanzkrise die definitiv die Schweiz und vor allem die UBS erfasste. Der Bank drohte wegen riskanter Geschäfte im US-Hypothekenmarkt der Zusammenbruch.

Der Bund fasst einen einmaligen Entscheid und schoss 6 Milliarden Franken in die UBS ein. Die grösste Schweizer Bank erhielt ferner Hilfe von der Nationalbank, die die Auslagerung fauler oder illiquider Wertpapiere von 60 Milliarden Dollar absicherte. (SDA, gmu, pft)

So viel liegt drin!

Um sich einigermassen schadlos zu halten, müsste der Bund seine neuen UBS-Aktien zu einem Kurs von mindestens 12.50 Franken verkaufen können. Doch mit einer angemessenen Verzinsung des Risikos, das der Bund in Kauf nahm, müssten es mindestens 14 Franken pro Aktie sein.

Trotzdem: Auch das scheint realistisch zu sein. Gestern lag der Kurs bei 16.74 Franken. Unter dem Strich kann man davon ausgehen, dass der Bund für seinen Einsatz von 6 Milliarden mindestens 400 Millionen, im besten Fall aber über 1 Milliarde Franken herausholt. Je nachdem, wie viel die neuen Investoren für die Aktien zahlen werden.

Die Verhandlungen mit diesen institutionellen Investoren führt eine Bank im Auftrag des Finanzdepartements. Es wird erwartet, dass der Verkauf der Aktien heute über die Bühne gehen wird.

Der Ausstieg des Bundes wurde nach dem Börsenschluss in New York, um 22.30 Uhr Schweizer Zeit, bekanntgegeben. Die UBS-Aktie wird auch in New York gehandelt. Nachbörslich sank der Kurs der Aktie zuerst, erholte sich dann aber wieder.

Das entspricht den Erwartungen: Denn mit dem Ausstieg des Bundes kommen über 330 Millionen neue Aktien auf den Markt. Das heisst für die bestehenden Aktien: Jeder Titel verliert ein wenig an Wert, weil sich ein allfälliger Gewinn der UBS auf mehr Titel verteilt.

Das könnte jetzt auch an der Zürcher Börse so passieren. Doch dieser Effekt ist jeweils nur von kurzer Dauer, wenn neue Aktien ausgegeben werden.

Es bleibt jetzt abzuwarten, wie viel unter dem Marktwert, sich der Bund seine UBS-Aktien abkaufen lässt. Dann weiss man, ob die UBS-Rettung vielleicht sogar ein sehr lukratives Geschäft war für den Staat.

Angenommen der Bund holt 400 Millionen Franken raus: Nur schon dieser Gewinn würde einer jährlichen Rendite von über 10 Prozent. (pft)

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz