Gahts no? Bund kürzt Blinden das Hundegeld

  • Publiziert: 04.04.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Lorenz Honegger (Text), Philipp Zinniker (Fotos)
play Blind seit 17 Jahren Alexander Wyssmann mit seinem Führhund Lizec. (Philipp Zinniker)

Spardruck bringt die IV-Beamten um den Verstand: Blinde erhalten 42 Prozent weniger für Hundefutter und den Tierarzt.

Alexander Wyssmann (37) war 20 Jahre alt, als er bei einem Sprengunfall im Militärdienst das Augenlicht verlor. Dass der Berner Musiker nicht an seinem Schicksal zerbricht, verdankt er auch seinem Blindenhund Lizec (7), der ihm rund um die Uhr zur Seite steht: Der Labrador springt mit ihm zum Schwimmen in die Aare, führt ihn beim Joggen durch den Wald und auf dem Arbeitsweg durch das Getümmel am Bahnhof. «Für mich bedeutet der Blindenhund Lebensqualität», sagt Wyssmann.

Natürlich hat das seinen Preis: Ausbildung und Ernährung eines Blindenhunds sind teuer (siehe Box). Zu teuer, finden die Verantwortlichen der Invalidenversicherung (IV), die 2009 einen Verlust von 1,1 Milliarden Franken schrieb. Per 1. April kürzten sie den mehr als 300 Haltern von Blindenhunden in der Schweiz den Beitrag von 190 auf 110 Franken monatlich. davon 80 Franken für Futter und 30 Franken für Tierarztkosten. Noch wurden die Sehbehinderten nicht offiziell informiert.

Zeit, um ihre irrwitzige Sparaktion zu begründen, hatten die Beamten offenbar nicht: Der Beitrag sei «heute nicht mehr zeitgemäss», heisst es lapidar im IV-Papier, das SonntagsBlick vorliegt.

«Kleinlich und willkürlich» sei die hinter verschlossenen Türen verfügte Kürzung, schreibt die nationale Dachorganisation des Sehbehindertenwesens (SZB) auf Anfrage von SonntagsBlick. «Die Kosten für eine ausgewogene Ernährung» der Blindenhunde – laut SZB rund 300 Franken pro Monat – seien nun «bei weitem nicht mehr gedeckt». Man habe kein Problem damit, wenn Blinde einen Teil der Futterkosten selber berappen müssten. Aber: «Dass die IV immer mehr Kosten auf blinde und sehbehinderte Menschen abwälzt, erachten wir als problematisch und unschön», so der SZB.

Auch Alexander Wyssmann ist enttäuscht: «80 Franken pro Monat reichen mir nicht», sagt er. «Damit liegt höchstens noch Discount-Hundefutter drin.» Es sei ihm «schleierhaft», wie die Beamten auf die Kürzungsidee gekommen seien. Der IV fehle die Weitsicht: «Wenn ein Blindenhund wegen mangelhafter Ernährung krank wird und früher in Pension gehen muss», so Wyssmann, «zahlt der Staat ein Vielfaches dessen, was er mit dieser Beitragskürzung spart.» Er werde seinen Blindenhund auch in Zukunft gesund ernähren.

Was kostet ein Blindenhund?

Bis ein Hund Sehbehinderte führen darf, durchläuft er eine sechs bis acht Monate lange Ausbildung. Ingesamt betragen die Kosten laut dem Verein für Blindenhunde und Mobilitäts- hilfen etwas mehr als 50000 Franken. Dazu gehören neben den Anschaffungskosten das Junghundetraining und auch der Einführungskurs für die blinde Person. Sponsoren und die IV kommen für den Hauptteil der Kosten auf.

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