Bürolisten und Kassierer als Auslaufmodell: Digitalisierung frisst in der Schweiz Hunderttausende Jobs

Nicht nur Routinetätigkeiten werden in Zukunft mehr und mehr automatisiert. Laut einer Studie der Universität Oxford werden in 20 Jahren auch für höher qualifizierte Arbeiten nur noch wenige Menschen nötig sein. In der Schweiz trifft es die Büro- und Detailhandelsangestellten wohl am härtesten.

Die Digitalisierung bedroht Tausende Jobs. play

Die Digitalisierung bedroht Tausende Jobs.

www.leathwaite.com

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Paul ist wieder daheim! – Vater zu BLICK: «Wir möchten uns bei der...
2 In letzter Sekunde Polizei rettet Mädchen (4) aus der Aare
3 Zymers Ehefrau (†38) und Baby starben im Unispital Lausanne Wer...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
50 shares
50 Kommentare
Fehler
Melden

In den nächsten 20 Jahren verschwinden durch die digitale industrielle Revolution die Hälfte der heute in den USA existierenden Jobs. Das geht aus einer Untersuchung der Universität Oxford hervor. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, droht dieses Schicksal auch der Schweiz: Mehrere hunderttausend Arbeitsplätze sollen abgeschafft werden.

Hierzulande besonders stark von der Digitalisierung betroffen wären Büroangestellte. Die Studie beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass sie wegautomatisiert werden, auf satte 96 Prozent. Noch schlechtere Prognosen haben einzig Kassierer bei den Detailhändlern.

«Allgemein wird erwartet, dass der Detailhandel eine der ersten Branchen sein wird, die aufgrund der Digitalisierung auf den Kopf gestellt wird», schreibt die Zeitung. In einigen amerikanischen Ladenketten sind bereits jetzt Roboter im Einsatz, die für die Kunden etwa die Ware aus dem Regal holen oder ihnen zeigen, wo genau sie Milch, WC-Papier oder Katzenfutter finden.

Swiss Re setzt bereits auf künstliche Intelligenz

Während durch den technischen Fortschritt in den letzten Jahrzehnten vor allem Routinetätigkeiten automatisiert wurden, werden laut den Studienautoren bis in 20 Jahren auch für höher qualifizierte Arbeit nur noch wenige Menschen nötig sein. Im Zukunftsszenario der Oxford-Forscher übernehmen Software und Maschinen die Führung von Personalakten, die Verwaltung von Lager und die Erstellung von Bilanzen.

play

Als einer Treiber dieser vierten industriellen Revolution gilt die Datenanalyse. So erkennt der Computer Watson von IBM bereits heute Sprache und Bilder. Er macht unstrukturierte Datensätze, wie E-Mails, Studien und Gesundheitsdaten einfach zugänglich. Der Rückversicherer Swiss Re setzt als erste Schweizer Firma Watson ein. Der Computer soll Risiken einschätzen oder Schäden beurteilen.

Roboter sind die neuen Sündenböcke

Durch die Automatisierung sollen aber nicht nur Jobs verschwinden, sondern auch Zeit für andere Aufgaben freigesetzt werden. Kaufleute beispielsweise werden demnach vorwiegend Aufgaben erledigen, die zu komplex sind um automatisiert zu werden oder die persönliche Kontakte und Sozialkompetenz voraussetzen.

Ob sich für diese neu entstehenden Jobs die bisherige Gruppe von Arbeitnehmern qualifiziert, ist allerdings unsicher. Erik Brynjolfsson, Professor für Betriebsökonomie am Massachusetts Institute of Technology, befürchtet soziale Konflikte. Zu Sündenböcken würden nebst Migranten neu auch Roboter gemacht. Brynjolfsson rät zu einer Neuerfindung der Bildung. «Wir müssen den Menschen nicht nur Fakten beibringen, denn Maschinen lernen diese sehr gut auswendig», sagt der Wissenschafter im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Der Schwerpunkt solle vielmehr auf Kreativität und Sozialkompetenz gelegt werden.

Heinz Karrer, Präsident von Economiesuisse. play
Heinz Karrer, Präsident von Economiesuisse. Keystone

Wie aus der Managerumfrage der «SonntagsZeitung» hervorgeht, fasst jedes sechste Unternehmen einen Stellenabbau ins Auge. Die schleichende Deindustrialisierung infolge der Frankenstärke dürfte 2016 weitergehen. Der Präsident des Unternehmensdachverbandes Economiesuisse, Heinz Karrer, macht sich «grosse Sorgen» um die Schweizer Wirtschaft. Im vergangenen Jahr seien Tausende Arbeitsplätze ins Ausland verlagert oder abgebaut worden. «Ich befürchte, dass dieser Prozess erst am Anfang steht, denn 2016 können wir keinen grossen Aufschwung erwarten», so Karrer.

Die digitale Revolution wird am kommenden Weltwirtschaftsforum WEF in Davos vom 20. bis 23. Januar ein Schwerpunktthema sein. (lex/SDA)

Publiziert am 03.01.2016 | Aktualisiert am 04.01.2016
teilen
teilen
50 shares
50 Kommentare
Fehler
Melden

50 Kommentare
  • Meier  Ernst aus Erde
    04.01.2016
    Zunehmende Geschwindigkeit bei Neuerungen sind ein weiteres Problem. Früher vor 30-50 Jahren wurden Neuerungen zögernd und über Jahre hinweg eingeführt. Heute überholen sich die neuen Systeme bevor sie eigentlich ausgereift sind. Und, die Neuerungen sind mittlerweile zig Mal schneller da als die Politik darauf adäquat reagieren könnte. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Einkommen nicht mehr an Leistung und Arbeit gekoppelt werden darf.
  • Rolf  Hess 04.01.2016
    Der soziale Frieden wird durch die Herren Karrer, die Auslagerer und Co. so richtig auf den Prüfstand gestellt. Kaum stimmt der grosse Stutz nicht mehr, kehren sie unserem Land den Rücken. Der grösste Teil sind ja sowieso nicht einheimische Besitzer. Nach dem Prinzip: Die Gewinne in die Tasche, die Verluste der Allgemeinheit, werden sie sich später einmal nicht auf unsere reduzierte Armee und Polizei verlassen können. Tornados sind also programmiert und dann wird kein Stein auf dem anderen sein.
  • Roger  Stahel 03.01.2016
    Wir werden immer mehr Menschen die noch weniger Arbeit haben Konflikte sind programmiert aber das scheint die Bosse ja wenig zu stören Hauptsache sie kassieren fleissig ab,da geht es alleine nur um Kostenminimirum!Im Coop hat es auch schon Selfscanneranlagen die ich aber bewusst umgehe und lieber zur Kasse gehe.Traurige Zukunft genau darum habe ich keine Kinder das will ich ihnen nicht antun diese rosige Zukunft!
  • Thierry  Eutone aus Grandvillard
    03.01.2016
    Na da machts doch Sinn sich "Fachkräfte" aus allen möglichen Ländern ins Land zu holen ... seltsame Logik
  • Mark  Grand aus Bremgarten
    03.01.2016
    Unser Wirtschaftssystem/Geldsystem ist völlig fehlerhaft.
    Wenn für alle Arbeiten ein Roboter da ist, dann wird Arbeit verrichtet, welche man nicht mehr machen muss, mann hat mehr Zeit mit der Familie und Natur. Aber das Problem ist, kein einkommen mehr, obwohl die Roboter nun alle Dienstleistungen machen und man eigentlich alle reich an Zeit wären.
    Alle arbeiten werden vom Roboter gemacht aber alle sind Arbeitslos.
    Nun muss und kann Einkommen und Arbeit nicht mehr gleich gesetzt werden.