Mord in Winterthur Buchhalter tötet Sohn (4)

  • Publiziert: 01.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Adrian Schulthess und Anna Vonhoff

WINTERTHUR – Gustav G. (60) ist alleinerziehender Vater, Florian (4) sein Ein und Alles. Jetzt hat der Buchhalter seinen Sohn umgebracht.

In einem Zimmer des Hotels Krone in der Winterthurer Altstadt heult der Brandmelder auf. Es ist halb sechs am Freitagabend. Das Zimmer hat Gustav G.* für sich und seinen Sohn Florian gemietet.

Als das Personal nachschaut, findet es kein Feuer im Zimmer. Aber zwei leblose Körper.

Florian atmet noch, der Notarzt kämpft um sein Leben. Der Bub wird mit Beatmungsschläuchen ins Spital gebracht, stirbt kurz nach Einlieferung. Gustav G. überlebt: «Wir gehen davon aus, dass er versuchte, sich das Leben zu nehmen», sagt der Zürcher Staatsanwalt Andreas Gossner.

Gustav G., der scheinbar so brave Buchhalter aus dem Zürcher Säuliamt. Der Akkordeon-Spieler. Der freundliche Nachbar. Nach aussen lebte er ein Idyll. Seine Bekannten sind schockiert. «Der Bub war alles für ihn», sagt ein ehemaliger Geschäftspartner. «Florian war immer dabei, sogar bei Geschäftsterminen. Gustav hat sein ganzes Leben nach ihm ausgerichtet. Wir alle waren beeindruckt von seiner Leistung als alleinerziehender Vater.» In G.s Wohnort stösst die Nachricht auf blankes Unverständnis.

«Vor zwei Wochen habe ich ihn das letzte Mal auf der Strasse getroffen», sagt eine Nachbarin. «Er kam vom Einkaufen, Florian war dabei. Er war ausser sich. ‹Die Frau will mir Florian wegnehmen und ihn in ein anderes Land bringen!›, sagte er mir. Gustav weinte auf offener Strasse», so die Nachbarin.

Die Frau – das ist Marcia, die Mutter von Florian. Gustav G. hat das Sorgerecht für seinen Sohn, doch die junge Brasilianerin darf ihn regelmässig sehen. Auch mit ihm in die Ferien fahren. Jetzt wollte sie mit ihm nach Spanien, dort lernte Gustav Marcia vor wenigen Jahren kennen. «Er hatte Angst, dass sie Florian von dort nach Brasilien schafft», sagt eine Geschäftspartnerin.

Was Gustav G. seinen Sohn töten liess, das wissen auch die Ermittler noch nicht: Sie konnten ihn wegen seines Gesundheitszustands noch nicht befragen.

Klar ist: Gustav G. ist nicht der brave Buchhalter. Er ist bereits wegen eines Gewaltdelikts vorbestraft. Auch als Geschäftsmann scheiterte er, häufte Schulden von fast 200 000 Franken an.

Wie Gustav G. sein Kind tötete, wird vom Institut für Rechtsmedizin ermittelt.

* Namen bekannt

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