Krebs-Opfer kämpft gegen Krankenkasse Brust-OP nach Chemo? Kasse zahlt nicht!

Nach der Chemotherapie war eine Brust von Beatrix Schmitter kleiner – doch die Kasse will nicht zahlen.

  • Publiziert: 07.10.2012
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Der Unterschied ist deutlich erkennbar: Wegen einer Tumor-Bestrahlung hat Beatrix Schmitter zwei ungleich grosse Brüste.

(Stefan Bohrer )
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Beatrix Schmitter (links) im Gespräch mit SonntagsBlick-Reporterin Sarah Weber.

(Stefan Bohrer)

Beatrix Schmitter (59) schämt sich, aus dem Haus zu gehen. Ihre rechte Brust ist doppelt so gross wie die linke: «Jeder sieht mir an, dass ich Krebs hatte. Das ist entwürdigend!» Die gelernte Kauffrau aus dem Kanton Baselland ist wütend auf ihre Krankenkasse. «Die lassen mich im Stich. Ich fühle mich ungerecht behandelt.»

Im Oktober 2010 erhielt Frau Schmitter die niederschmetternde Diagnose: «Bei einer Routinekontrolle stellte die Frauenärztin bei mir Brustkrebs fest. Zum Glück noch ganz im Anfangsstadium.» Sie muss den Tumor in der linken Brust operieren lassen und danach eine Bestrahlungstherapie überstehen.

«Während der Bestrahlung wurde das Gewebe wie verbrannt und ist in sich zusammengefallen. Deshalb schrumpfte meine kranke Brust um zwei Körbchengrössen», sagt Schmitter.

«Als wäre die Krankheit nicht schon schlimm genug gewesen, muss ich jetzt auch noch diese Entstellung ertragen. Ich kann mich selber nicht mehr im Spiegel sehen, traue mich kaum noch, mich vor meinem Mann auszuziehen.»

Ihre Ärztin empfiehlt, die gesunde Brust zu verkleinern, da ein Eingriff bei der «kranken» Brust schwieriger sei.

«Keine Pflichtleistung»

Doch die Kasse lehnt ab. Es liege «kein Leiden mit Krankheitswert vor und die Brust-Operation ist als ästhetischer Eingriff zu werten», schreibt der Vertrauensarzt der Krankenkasse Assura. Und: «Symmetrisierung nach krebsbedingter Brustoperation ist keine Pflichtleistung.»

Beatrix Schmitter gibt nicht auf. «Ich habe mir diese Krankheit nicht ausgesucht und verstehe nicht, warum ich jetzt nochmals bestraft werde.»

Es geht um rund 11'000 Franken

Die Patientenstelle Basel unterstützt sie. Auch die behandelnde Ärztin des Kantonsspitals Liestal schreibt in ihrem Wiedererwägungsgesuch an die Kasse von einer «erheblichen Reduktion des Brustvolumens» und einer «relevanten Störung der körperlichen Integrität nach der Tumorentfernung». Durch die komme es zu einer «Fehlbelastung der Wirbelsäule».

Kostenpunkt für die Operation: zwischen 6000 und 11'500 Franken.

«Ich habe das Geld nicht, um die Operation zu zahlen», sagt Beatrix Schmitter. Sie will den Entscheid der Kasse auch nicht akzeptieren und zieht den Fall weiter vor das Versicherungsgericht in Basel.

Schmitter hofft, dass das Gericht ihr Recht gibt. «Und dass andere Frauen sich auch wehren. Das verletzt unsere Würde.»

Da es sich «um ein laufendes Gerichtsverfahren handelt», will die Krankenkasse Assura gegenüber SonntagsBlick zum konkreten Fall keine Stellung nehmen.

Beliebteste Kommentare

  • Maya  Zihlmann , via Facebook
    Vor sieben Jahr ging es mir gleich wie Frau Schmitter.
    Ich war damals etwa gleich alt!
    Ich habe die Situation so akzeptiert, wie sie ist...
    Mir wurde die Gesundheit geschenkt mit Operation und Bestahlung; das Kosmetische stört mich nicht, ich lebe seit Jahren damit, und es geht mir gut, ich stand durch meinen Beruf auch in der Öffentlichkeit, und hatte nie das Gefühl dass mich jemand "blöd" anschaut deswegen...
    Zwar habe ich mir die Krankheit auch nicht ausgesucht!!
    Aber ich hatte nie das Gefühl, dass die grössere Brust jetzt auch noch operiert werden sollte.
    Ich denke gleich wie die Krankenkasse, wer sich "verschönern" lassen will soll es selber bezahlen.
    Maya Zihlmann
  • Katja  Habersack , Schlieren
    Bei allem Verständnis für Aestethik: Ich an der Stelle dieser Frau wäre überaus dankbar, dass ich den Brustkrebs überlebt hätte. Mit einer kleineren Brust lässt sich bestens leben. Mit einem speziellen BH lässt sich die Ungleichheit ausmerzen. Und was ist das für eine Beziehung, wenn sie sich wegen einer kleiner Brust nicht mehr auszuziehen getraut? Ist denn ein Riesenbusen wirklich das Mass aller Dinge?

Alle Kommentare (22)

  • Antonia  Stierli-Cicio , Hermetschwil-Staffeln , via Facebook
    Klar bin ich froh, dass ich den Brustkrebs überlebt habe. Klar bin ich froh, dass ich meine Brust nicht amputieren musste. Aber ich bin nicht froh, dass ich jedes Mal an die schlimme Zeit erinnert werde, wenn ich in den Spiegel schaue. Ihr könnt ja schon jammern über Krankenkassenprämien. Aber habt ihr einmal versucht, euch in die Situation von uns Brustkrebs"überlebende" zu versetzen? Ich kann euch sagen, es ist kein honigschlecken. Spezielle BH, Riesenbusen, BH auffüllen.. gohts noh?
    • 07.10.2012
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  • Sandra  Wikinger , Solothurn
    Klar, der fall ist tragisch! Aber ganz ehrlich, man muss sich nicht wundern, wenn man bei der billigkasse assura versichert ist! Aus irgend einem grund sind ja die prämien tief dort! Da hat die gute frau einfach am falschen ort gespart!
  • Carlo  Schenkel , Duggingen
    Die Krankenkassen werden von von einem Verwaltungsapparat geführt und betrieben. Die dort angestellten Verwaltungsangestellten sind in der marktwirtschaftlichen Ordnung zuerst daran interessiert, diesen Apparat so gewinngträchtig wie nur möglich am Laufen zu halten, um damit ihr Einkommen zu sichern. In nicht all zu wenigen Fällen dürfte eine solche Organisation sogar zum Selbstbeidienungsladen für die Verwaltung verkommen sein, was immer wieder entsprechenden Skandalmeldungen in der Presse entnommen werden kann. Die Motivation, eine gute Krankenkasse für ihre Kunden sein zu wollen und diese gut zu versichern ist in diesem System logischerweise zweitrangig. Das ist die Kruks solch privatwirtschaftlich geführter Dienstleistungsunternehmungen!

    • 07.10.2012
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  • Sabrina  Wunderli
    ....und die Prämien gehen stetig hoch. Deshalb sind die Versicherungen die neuen "Banken". Es heisst ja z.B. auch nicht mehr Zurich Financial sondern neu Zurich Insurance weil die Finanzindustrie einen miserablen Ruf hat.
    • 07.10.2012
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  • Rolf  Eggimann , via Facebook
    Krankenkassen sind nur für Gesunde da um Sie abzu kassieren!!!!!!! Abschaffung von allen Kassen und wer dagegegen ist lebt nicht auf dieser Welt! Eine Einheitskasse muss her so wird es billiger. Das eine Krankenkasse da nicht bezahlen will zeigt die Assura nur kassieren will.
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