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Die Zürcher Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Es war Fredi Hafner (56), der die vertraulichen Polizeiakten an die «SonntagsZeitung» herausgegeben hat.
Fredi Hafner, den Diebe und Zuhälter ehrerbietig den «Schimanski von Zürich» nennen. Einer der erfolgreichsten Fahnder, einer der aufrechtesten Polizisten der Schweiz.
Hafner soll der Öffentlichkeit die Dokumente geliefert haben, die beweisen, wozu der gestrauchelte Armeechef Roland Nef (49) privat fähig war. Das Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung gegen Hafner hat die Zürcher Staatsanwältin Judith Vogel geführt.
Fest steht: Roland Nef (49) terrorisiert seine Ex-Freundin Lynn S.* (50) nach der Trennung mit – Eifersuchtsszenen. Er bombardiert sie mit E-Mails, Anrufen und SMS. Und er schaltet in ihrem Namen Sex-Inserate.
Lynn S. reicht eine Anzeige wegen Nötigung ein, ein Offizialdelikt, das unter den Oberbegriff «häusliche Gewalt» fällt. Im Gutachten zum Strafverfahren wird Nef eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorgeworfen.
Nachdem Nef seiner Ex eine Wiedergutmachungs-Zahlung leistete, zieht diese ihre Anzeige zurück. Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen Nef ein. Seine Militär-Karriere scheint gesichert.
Das passt einigen nicht, die mit dem Strafverfahren gegen Nef zu tun haben. Wie Nef seine Ex drangsaliert und verfolgt hat, schockiert selbst erfahrene Ermittler. BLICK weiss: Bern wurde aus Zürcher Polizeikreisen gewarnt, dass Nef als Armeechef nicht tragbar sei: «Da tickt eine Zeitbombe.» Doch im VBS winkte man ab: «Das regeln wir schon.»
Es passiert nichts. Nef kommt durch die Sicherheitsprüfung. Wird zum Armeechef gewählt. Niemand tut was. Bundesrat Samuel Schmid nicht, die VBS-Prüfer nicht. Man toleriert, dass ein Stalker neuer Armeechef sein soll.
Nur einem platzt der Kragen. Er spielt die unter Verschluss gehaltenen Protokolle der «SonntagsZeitung» zu. Am 13. Juli 2008 erfährt auch die Öffentlichkeit, dass gegen Nef ermittelt wurde. Die Zeitung stützt sich dabei auf Polizeiakten. Aber: Wer hat sie ihr zugespielt?
Staatsanwältin Judith Vogel glaubt, sie kenne die Antwort. Jetzt ermittelt sie gegen Fredi Hafner, einen Mann, der seit über 30 Jahren für die Stadtpolizei Zürich arbeitet und schon tausende Kriminelle verhaftet hat. Darunter Dutzende Mörder.
Von seinem Computer aus sind in der zweiten April-Hälfte Dokumente ausgedruckt worden, die mit dem Fall Nef zu tun haben. Ausserdem soll sich der Polizist laut der «NZZ am Sonntag» im Vorfeld der Enthüllung mit Andreas Durisch, dem Chefredaktor der «SonntagsZeitung», und einem der Autoren getroffen haben.
Als zweite Verdächtige hat Staatsanwältin Vogel eine Detektivin ausgemacht, die auf Sexualdelikte spezialisiert ist. Den beiden Polizisten droht jetzt eine Anklage wegen Amtsgeheimnisverletzung.
Der Schimanski von Zürich. Immer wieder macht er mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Wie Mitte der 90er-Jahre. An seinem freien Tag mischt sich Hafner unter die 13 500 Cupmatch-Besucher im Zürcher Letzigrund-Stadion. Er sucht Bruno B. (56)*, einen Mörder mit Leidenschaft für Fussball. Er sieht B. in der Menge, kann ihn überwältigen und verhaften.
Hafner sagt über sich selbst und seinen Beruf: «Wir sind keine Heiligen, aber auch keine Rambos.» Und: «Wir greifen, wo nötig, hart durch, versuchen aber, dabei fair zu bleiben.»
Zum Verfahren gegen ihn wollte Hafner gegenüber BLICK keine Stellung nehmen.
Die «NZZ am Sonntag» vermutet als möglichen Grund für die Aktenherausgabe Hafners Mitgliedschaft in der SVP. Und damit eine politisch motivierte Attacke auf Bundesrat Samuel Schmid.
Aber vielleicht wollte ein aufrechter Polizist einfach keinen Stalker an der Spitze der Armee. Einer von Hafners Kollegen zu BLICK: «Beschämend genug, dass ein einfacher Polizei-Feldweibel und nicht ein Kommandant in die Offensive gehen musste.»
* Namen der Redaktion bekannt
play
Ex-Armeechef Roland Nef verteidigte sich lange Zeit vor den Medien. EInsichtig war er nicht. (RDB)