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Das H1N1-Virus lässt die Kassen klingeln: Bombengeschäft Schweinegrippe!

Schweizer bunkern Notvorräte. Der Tamiflu-Absatz explodiert. Und: Bei Hygienemasken und Desinfektionsmitteln gibt es bereits erste Lieferengpässe.

Von Iso Ambühl und Roman Seiler | Aktualisiert um 17:40 | 02.08.2009
Wachstum: Das Geschäft mit Produkten, welche die Ausbreitung der Pandemie erschweren sollen, läuft extrem gut. Allein Roche setzte mit Tamiflu im ersten Halbjahr eine Milliarde Franken um. (Keystone)
Wachstum: Das Geschäft mit Produkten, welche die Ausbreitung der Pandemie erschweren sollen, läuft extrem gut. Allein Roche setzte mit Tamiflu im ersten Halbjahr eine Milliarde Franken um. (Keystone)
Die Chauffeure von Le Shop schieben mitten in den Sommerferien Sonderfahrten. Grund ist die Schweinegrippe. Für den Fall einer Pandemie bunkern viele Schweizer schon jetzt Notvorräte, wie die Zahlen beweisen: Für die klassischen Notvorrat-Artikel verzeichnet der Online-Hauslieferdienst der Migros Zuwachsraten von 27 bis 49 Prozent (siehe Box). Fast verdoppelt hat sich der Absatz von Javelwasser, einem desinfizierenden Reinigungsmittel.

Die Schweinegrippe gibt dem Online-Shopping zusätzlichen Schub. Der Einkauf via Internet ist sowieso «ein Megatrend», wie Dominique Locher (40) frohlockt, Marketing- und Verkaufschef von Le Shop. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 17 Prozent auf
66 Millionen Franken.

Kommt es zur Pandemie, werden bei Le Shop erst recht die Kassen klingeln: Viele Konsumenten werden die Menschenansammlungen in den Läden meiden, zudem wird sich das Angebot da und dort verknappen, weil das Personal im Bett liegt. Locher: «Dann kann die Online-Bestellung mit Hauslieferung zu einem wichtigen Ersatz-Beschaffungskanal werden.»

Le Shop hat die Lagermengen von Teigwaren, Konserven, Reis und Zucker sowie von Desinfektions- und Reinigungsmitteln bereits erhöht. Auch Coop rechnet mit steigenden Online-Einkäufen, falls die Pandemie wirklich kommt.

Ein richtiges Bombengeschäft ist die Angst vor dem H1N1-Virus für Roche. Als in Mexiko die ersten Fälle bekannt wurden, schoss der Absatz des Grippemittels Tamiflu im April auf ein Allzeithoch. Laut den Branchenzahlen von IMS Health verzeichnete Roche in der Schweiz einen Umsatz von mehr als 1,5 Millionen Franken. Weltweit verdreifachte sich der Absatz im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode auf eine Milliarde Franken.

Auch Produzenten von Hygienemasken und Desinfektionsmitteln profitieren: Die Bestellungen sind derart in die Höhe geschnellt, dass erste Engpässe auftreten.

Coop verzeichnet laut Sprecherin Denise Stadler «zweistellige Zunahmen» bei Einweghandschuhen und Desinfektionsmitteln. Letztere verkaufen sich in der Migros zurzeit gar doppelt so gut wie üblich.

Die Angst vor der Schweinegrippe bringt auch Reinigungsunternehmen wie der ISS Schweiz Sondererträge. Deren Kunden verlangen laut Pandemiestab des Unternehmens «eine Erhöhung der Reinigungsfrequenz in sensiblen Bereichen» – und bestellen Hygienemasken sowie Hände- und Flächendesinfektionsmittel en masse.
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Hamsterkäufe im Online-Shop von Migros

(ZVG)
(ZVG)

Umsatzzunahme im Juli gegenüber Juli 2008:
Konserven, + 34 %
Teigwaren, + 35 %
Reis, + 49 %
Zucker, + 32 %
Mehl, + 36 %
Öl, + 27 %
Seifen, Desinfektionsmittel, + 40 %
Javelwasser, + 90 %

Quelle: Le Shop

Bei Pandemie: Schulden-Stopp

Wenn die Schweinegrippe-Pandemie tatsächlich wie befürchtet bis zu zwei Millionen Schweizer ins Bett zwingt, droht Privat­personen wie Unternehmen ein riesiger Schuldenberg. Doch im Fall einer Pandemie kann der Bundesrat laut Artikel 62 des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts (SchKG) auf Anfrage der Kantone einen Rechtsstillstand beschliessen. Das bestätigt EJPD-Sprecher Guido Balmer gegenüber SonntagsBlick. Rechtsstillstand bedeutet, dass alle Betreibungen auf Eis gelegt werden. Letztmals setzte der Bundesrat dieses Mittel zwischen Februar und März 1999 ein, nachdem mehrere Walliser Gemeinden wegen Schneefällen und Lawinen unter finanziellen Druck geraten waren. Laut EJPD sind wegen der Schweinegrippe bisher noch keine entsprechenden Massnahmen ­getroffen worden. Der Bundesrat könne aber sehr schnell handeln.

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