Bohr-Deppen im AKW Leibstadt: Nicht ganz dicht

Angestellte im AKW bohrten Löcher in die Schutzwand. In 10 Tagen müssen sie repariert sein, sonst heisst es: Abschalten!

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Diese Meldung ist kein Witz: Um Feuerlöscher zu montieren, bohrten Mitarbeiter im Atomkraftwerk Leibstadt sechs Löcher in das sogenannte primäre Containment. Das ist die wichtigste stählerne Schutzschicht im AKW.

Die Schweizer Atomaufsichtsbehörde Ensi machte den Fall gestern publik. Entdeckt wurden die Löcher bei einer Kontrolle am 24. Juni. «Die Bohrungen sind wanddurchdringend und stellen somit eine Beschädigung des Primärcontainments dar», schreibt das Ensi. Die Containment-Wand in Leibstadt ist 3,8 Zentimeter dick.

Der stellvertretende Direktor Georg Schwarz wählt deutliche Worte: «Ein solches Vorkommnis darf nicht passieren.» Der Fehler weise auf ein «bedeutendes Defizit im organisatorischen Bereich» hin.

Andrea Portmann, Sprecherin der Kernkraftwerk Leibstadt AG, ist ratlos: «Wir klären den Fall jetzt genau ab und versuchen herauszufinden, wie das passieren konnte.»

Inzwischen wurden die Löcher provisorisch abgedichtet. Bis am 18. Juli muss laut Ensi «eine definitive Lösung» gefunden werden. Schwarz: «Das Kernkraftwerk muss sonst abgeschaltet werden.»

In Leibstadt ist man erstaunt ob der harten Worte. Portmann: «Auch als Betreiber eines Kernkraftwerks können wir keine Null-Fehler-Kultur gewährleisten. Es geht darum, Fehler zu erkennen, zu melden und schliesslich zu beheben.»

AKW-Gegner sind entsetzt: «Dass Mitarbeiter unentdeckt Löcher in eine der wichtigsten Sicherheitseinrichtungen des Atomkraftwerks bohren konnten, ist absolut haarsträubend», sagt Florian Kasser von Greenpeace Schweiz. Er fordert eine sofortige Abschaltung.

Für Jürg Buri von der Schweizerischen Energie-Stiftung müssen jetzt Köpfe in der Kraftwerksleitung rollen: «Der Verwaltungsrat muss aktiv werden und neue Leute einsetzen.»

Auch ennet dem Rhein rauchen die Köpfe. Der deutsche «Südkurier» publizierte gestern einen Protestbrief des Waldshuter Landrats Tilman Bollacher (CDU) an Ensi-Chef Hans Wanner.

Darin warnt Bollacher: «Die grenznahen Kernanlagen in der Schweiz sind immer wieder Gegenstand von kritischen Erörterungen im Hinblick auf den Standort und den Betrieb. Passieren derartige Fehler, trägt dies nicht zur Beruhigung der Bevölkerung bei und wird die kritische Auseinandersetzung mit den Kernanlagen weiter forcieren.»

Leibstadt wurde 1984 in Betrieb genommen und ist das modernste AKW der Schweiz. Es deckt nach eigenen Angaben 16 Prozent des inländischen Strombedarfs. Hauptaktionäre sind Axpo und Alpiq.

Publiziert am 08.07.2014 | Aktualisiert am 08.07.2014
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Ist den AKW-Betreibern noch zu trauen?

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  • Jürg  Schwaller aus Buttisholz
    09.07.2014
    Das wahre Problem ist doch nicht sie Beherrschbarkeit der Kernenergie, nein, das Problem liegt in der personellen Ausstattung der Kontrollbehörden; die fachlichen und charkterlichen Qualifikationen sind unzureichend und erhöhen das Risiko weil immer offensichtlicher wird dass die Vertuschung, Mauschelei und Kommunikation falscher Infos in Absprache mit Politik und Lobby System hat und geduldet ist
  • Erwin  Huber 09.07.2014
    Gute Nachrichten für die Atomlobby! Die 100prozentige Sicherheit von Kernkraftwerken lässt sich noch erhöhen, wenn man ein Schild mit dem Hinweis "Löcher bohren auf eigene Gefahr" anbringt.
  • Meier  Daniel 09.07.2014
    Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Natürlich geschehen Fehler. Aber wer bitte bohrt ein Loch und wird nach 2cm Stahl nicht misstrauisch? Dann haben die noch weitere 4cm durch den Stahl gebohrt, ohne sich zu wundern? Und das 6 Löcher lang? Mir kann keiner erzählen, dass die Handwerker nicht eine/n Verantwortliche/r gefragt und darauf aufmerksam gemacht haben.
  • carlos  zapato aus St. Gallen
    09.07.2014
    "Sicherheit offen und transparent". Sprichwörtlich umgesetzt. Super!
  • Van  Gelder aus Zürich
    09.07.2014
    Bei einem Atomzwischenfall heisst es immer als erstes: Es bestand nie und zu keiner Zeit eine Bedrohung für die Bevölkerung. Glaubt das eigentlich einer?