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Freitagnachmittag, 14. November, ein kleiner Ort im Zürcher Oberland: Auf dem Friedhof versammelt sich eine beeindruckende Trauergemeinde. Mitten unter vielen jungen Leuten stehen SVP-Vizepräsident Christoph Blocher (68) und seine Frau Silvia (63). Sie sind gekommen, um von ihrem Neffen Pascal Abschied zu nehmen. Sie legen einen Kranz mit Schleife nieder – «Wir sind traurig. Silvia und Christoph mit Familie.» Pascal ist der Sohn von Silvia Blochers Schwester, Blocher ist also sein Onkel. Der junge Mann richtete sich in seiner Wohnung mit dem Sturmgewehr 90, wie eine Amtsperson SonntagsBlick bestätigte.
Pascals Tod hat in der Umgebung seines Wohnorts Bestürzung ausgelöst. Nicht einmal engste Freunde können den Selbstmord verstehen, noch viel weniger waren sie darauf vorbereitet. Nur Stunden vor seinem Tod spielte Pascal noch in der 4. Liga Fussball. Aus seinem Club heisst es: «Die Nachricht traf uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wir sind tieftraurig. Pascal war ein richtig flotter Typ.» Am besten kannte ihn sein Trainer, der anonym bleiben möchte: «Wir werden es nie wissen. Aber vielleicht wäre Pascal noch am Leben, hätte er in diesem Moment keine Waffe zu Hause gehabt.»
Dass Familiendramen verhindert werden können, wenn Armeewaffen weggesperrt würden, glauben fast zwei Drittel der Bevölkerung aber nicht. Das ergab eine SonntagsBlick-Umfrage vom letzten Jahr. Hingegen ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Abbau der Verfügbarkeit von Schusswaffen die Suizidrate senkt.
Als Justizminister bekämpfte Blocher, wie die SVP, jede Verschärfung des Waffengesetzes: «Es ist sehr umstritten, ob ein restriktiveres Waffengesetz überhaupt den Waffengebrauch verhindert oder nicht», sagte der damalige Bundesrat 2006 vor dem Ständerat.
Auch das Volksbegehren «Schutz vor Waffengewalt» (Armeewaffe ins Zeughaus) lehnt Blocher ab (siehe Box): «Die Initiative bedeutet einen Angriff auf den Bürger-Soldaten, der sein Gewehr zu Hause hat. Das ist Vertrauensentzug: Man traut ihm die Waffe nicht mehr zu», so Blocher im «Tages-Anzeiger» vom Frühjahr.
SonntagsBlick traf Christoph Blocher gestern an der SVP-Delegiertenversammlung in Dietikon ZH. Pascals Tod habe ihn mitgenommen, sagt er. «Es plagt einen sehr, wenn sich ein junger Mensch das Leben nimmt.» Dennoch hält der SVP-Politiker an seiner Meinung zum umstrittenen Thema fest. «Die Waffen müssen beim Soldaten sein. Wer sich umbringen will, findet auch andere Möglichkeiten.»