Blocher will Ethikprofessor werden

  • Publiziert: 09.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Hannes Britschgi und Marcel Odermatt

Alt Bundesrat Christoph Blocher strebt nach dem frei gewordenen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen.

Nach 22 Jahren auf dem Lehrstuhl geht der Wirtschaftsethiker Professor Peter Ulrich (61) im Juli in Pension. Die weltberühmte Kaderschmiede sucht einen Nachfolger. Einer der Kandidaten ist Ulrich Thielemann (48), heftig kritisiert wegen seiner umstrittenen Aussagen zum Bankgeheimnis.

Nun bekommt der deutsche Wissenschaftler Konkurrenz. Alt Bundesrat Christoph Blocher (68) will sich für den Posten bewerben, wie er gegenüber SonntagsBlick bestätigt hat. «Der Lehrstuhl für Wirtschaftsethik ist zwar unnötig, aber weil er nun einmal besteht, werde ich mich bewerben, denn
im Kern geht es um eine wichtige Sache.»

Blocher regt die Diskussion über das Bankgeheimnis auf. Dabei werde unsinnigerweise moralisch und ethisch argumentiert: «Ich begründe ohne Probleme, warum wir gerade aus ethischen Motiven ein Bankgeheimnis sowie die Unterscheidung von Steuerbetrug und -hinterziehung brauchen und warum wir das Prinzip des Shareholder-Value zur Sicherung der Wohlfahrt aufrechterhalten sollten.» Mit seiner Bewerbung, so Blocher, «mache ich auch eine politische Aussage: Ethik ist nicht Sache eines Lehrstuhls. Jeder muss eine Ethik oder Moral haben.»

Die Chancen des Juristen Blocher, der 1972 über die «Einführung der Landwirtschaftszone und ihre Vereinbarkeit mit der schweizerischen Eigentumsgarantie» promovierte, schätzt Ulrich gering ein: «Blocher hat weder Lehrerfahrung noch eine Forschungsleistung vorzuweisen, beides Voraussetzungen für meine Nachfolge.» Dazu Blocher: «Wissenschaftlich ist eine Moral nicht beweisbar.»  

play Ambitionen: «Jeder muss eine Ethik oder Moral haben», sagt Christoph Blocher. (Keystone)

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