Roschacher-Affäre BLICK seziert den ominösen «H-PLAN» des Ex-Bankers

  • Publiziert: 07.09.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • von henry habegger

BERN – Komplott oder nicht? Tatsache ist: die deutsche Polizei fand bei Ex-Banker Oskar Holenweger einen Zeitplan, mit dem Bundesanwalt Roschacher demontiert werden sollte. Die GPK will die Affäre untersuchen. Die SVP wittert eine Attacke auf Christoph Blocher. BLICK zeigt, dass es in der Zeit um Pfingsten 2006 auffällige Parallelen zwischen «H-Plan» und realen Ereignissen gab. Und wie der H-Plan abgelaufen sein könnte.Montag, 29. Mai 2006 Annahme: Tag «H-3» Laut H-Plan hat SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli den Auftrag: «Vororientierung BR Blocher». Mörgeli, der Holenweger gut kennt, dementiert, etwas mit dem H-Plan zu tun zu haben. Mörgeli fordert andererseits am 8. Juni in einer Zeitungs-Kolumne Roschachers schnellen Rücktritt. Mittwoch, 31. Mai 2006 Tag «H-1»Laut H-Plan hat die freie Journalistin Mona Fahmy, die auch für die «SonntagsZeitung» arbeitet, den Auftrag: «Fragen an Roduner/ Wyser/Roschacher». Roduner ist Untersuchungsrichter im Fall Holenweger, Wyser ist Bundes-Staatsanwalt.Donnerstag, 1. Juni 2006 Tag «H»«Weltwoche»-Artikel, der den Stein gegen Roschacher ins Rollen bringt. Vorwürfe zum Einsatz des V-Manns und Ex-Drogenbarons Ramos.Blocher beauftragt sein Inspektorat zu prüfen, ob gegen Roschacher eine Administrativuntersuchung möglich sei.Laut H-Plan hat TV-Journalist Otto C. Honegger den Auftrag: «Orientierung an Tagesschau/10vor10». «10vor10» bringt den Bericht: «Bundesanwalt Roschacher unter Beschuss». Otto C. Honegger, ein Primarschulkollege Holenwegers, sagt, er habe mit dem H-Plan nichts zu tun.Laut H-Plan hat Ex-«Cash»-Chefredaktor Markus Gisler den Auftrag: «Orientierung Leuthard/Übrige Stories Roschacher». Laut Gisler, einem Freund Holenwegers, habe er mit dem H-Plan nichts zu tun.Laut H-Plan Auftrag für Holenwegers Anwalt Lorenz Erni: «Telefon mit Roschacher, Telefon mit Roduner. Presse ev. passiv. Giftschrank skandalisieren».Laut H-Plan hat SVP-Nationalrat J. Alexander Baumann den Auftrag: «Absetzung verlangen/Presseinterviews». Baumann verlangt in der Folgewoche am Rand der Session in Bern den Rücktritt Roschachers. Freitag, 2. Juni Tag «H+1»Blochers Inspektorat kommt zum Schluss, eine Administrativuntersuchung gegen Roschacher zum Fall Holenweger sei ausgeschlossen. Samstag, 3. Juni Tag «H+2»Laut H-Plan hat Hanspeter Bürgin, damals Journalist beim «Tages-Anzeiger», den Auftrag «Back-up». Bürgins Kommentar «Bundesanwalt in Nöten» erscheint. Es bahne sich «ein Justizskandal an». Pfingsten, 4. Juni 2006 Tag «H+3»Blochers Generalsekretär Walter Eberle ortet «Handlungsbedarf». Er schlägt dem Chef in einem Fax vor, am Pfingstmontag eine Sitzung mit Emanuel Hochstrasser, dem Präsidenten der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts, durchzuführen. Mit dem habe er, so Eberle, das weitere Vorgehen bereits besprochen. In der «SonntagsZeitung» erscheint Mona Fahmys Artikel «Tonbandaufnahmen entlasten Holenweger». Er stützt sich auf vertrauliches Material, richtet sich gegen Roduner und Wyser. Fahmy sagt: «Ich weiss nichts von einem H-Plan. Das ist doch alles Wahlkampf.» Ein weiterer Artikel in der «SonntagsZeitung» ist betitelt: «Fall Roschacher: Blocher greift ein». Blocher habe Ende Woche mit dem Bundesstrafgericht Kontakt aufgenommen». Dem «Vernehmen nach» sei Blocher «seit längerem sehr besorgt» über den Fall Holenweger. Markus Gisler greift in der «SonntagsZeitung» Roschacher an: «Sicherungen ausgeschaltet». Gisler schreibt eine ganze Reihe von Roschacher-kritischen Artikeln.Pfingstmontag, 5.Juni 2006 Blocher trifft sich mit Bundesstrafrichter Hochstrasser auf Schloss Rhäzüns. Sie verabreden je eine Untersuchung zur Bundesanwaltschaft. Das ist der Anfang vom Ende von Roschacher als Bundesanwalt. Ob der H-Plan umgesetzt wurde oder nicht: Am 5. Juli 2006 kündigt Valentin Roschacher seinen Rücktritt an.

«H» steht für den Moment, in dem ein Ereignis eintritt

ZÜRICH – «H-Plan» ist ein Begriff aus der militärisch-strategischen Planung.

«H» steht dabei für den Moment, in dem ein Ereignis eintritt oder eine Operation gestartet wird. Die mit + oder – bezeichneten Zahlen geben dabei den Zeitpunkt an, in dem eine Aufgabe erledigt wird. Die Zeiteinheit ist beliebig definierbar. Und so liest man die verschiedenen
Zeitangaben (angenommene Einheit: Tag):

Wenn «H» der 8. September ist, entspricht «H-3» dem 5. September und «H+1» dem 9. September.

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