BLICK erklärt, wie der Bundesrat die Energiewende plant: Atom-Ausstieg kostet 30 Milliarden

Der Bundesrat sagt: Die Energiewende ist kein Sonntagsspaziergang, aber machbar.

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«Die Strompreise werden steigen», sagt Energieministerin Doris Leuthard. play

«Die Strompreise werden steigen», sagt Energieministerin Doris Leuthard.

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Die Katze ist aus dem Sack: Der Bundesrat hat gestern die Eckwerte für die Energieperspektiven 2050 und das erste Massnahmenpaket beschlossen. «Der Energieumbau wird uns viel Geld kosten, wir müssen investieren, und die Strompreise werden steigen», sagte Energieministerin Doris Leuthard.

Wie viel kostet der Ausstieg aus der Atomenergie?
Die Mehrkosten belaufen sich bis 2050 auf 30 Milliarden Franken, das heisst pro Jahr eine Milliarde Franken. Nicht eingerechnet sind darin die Kosten für den Um- und Ausbau des Stromnetzes. Ein moderneres Netz ist zentrale Voraussetzung, um mit erneuerbaren Energien effizient umgehen zu können.

Was heisst das für die Bundeskasse?
Pro Jahr wird der Bund mit zwischen 42 und 82 Millionen Franken mehr belastet.

Wie viel Geld gibt es für Gebäudesanierungen und die Förderung der erneuerbaren Energien?
Pro Jahr 1,7 Milliarden Franken. Finanziert werden sie aus der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe und über die Kosten­deckende Einspeisevergütung (KEV).

Was heisst das für den Stromkonsumenten?
Der KEV-Zuschlag auf Strom steigt von heute 0,4 Rappen bis ins Jahr 2035 auf 1,82 Rp./KWh. Die CO2-Abgabe soll von heute 36 auf 60 Franken pro Tonne CO2 erhöht werden. 

Wie viele Gaskraftwerke werden gebaut?
Bis 2020 braucht es nach Rechnung des Bundes ein Gaskraftwerk. Ob weitere nötig sind, ist zurzeit noch unklar. Leuthard: «Der Bundesrat möchte davon so wenig wie möglich. Aber wenn die Sanierungen und Einsparungen nicht fruchten, dann haben wir keine andere Wahl.»

Wie sieht es mit den Wasserkraftwerken aus?
Zurzeit werden 14 Projekte geprüft. Zusätzlich könnten bestehende Anlagen mit besseren Turbinen ausgerüstet werden.

Was bedeutet der Energieumbau für die Unternehmen?
Unternehmen können in Zukunft Zielvereinbarungen mit dem Bund abschliessen. Erreichen sie ihre Ziele, werden sie von Abgaben befreit.

Was bedeuten die Bundespläne  für Hausbesitzer?
Bund und Kantone wollen das Gebäudeprogramm von heute 200 Millionen auf 600 Millionen Franken pro Jahr erhöhen. Um staatliche Gelder zu erhalten, sollen Eigentümer künftig einen Gebäudeausweis vorweisen müssen – quasi die «Krankengeschichte» des Hauses.

Und was noch?
Der Bundesrat will wegen der Tausenden von Projekten auf der Warteliste keine kleinen Photovoltaikanlagen mehr über die KEV fördern. Hausbesitzer mit Solarzellen auf dem Dach sollen stattdessen eine einmalige Zahlung erhalten.

Wie lange wird es Geld für Gebäude­sanierungen geben?
«Wir haben nicht vor, Gebäudesanierungen und Solarzellen die nächsten 40 Jahren zu fördern. Irgendwann ist Schluss. Dann muss eine Lenkungsab­gabe her», sagt Leuthard.

Was heisst das erste Massnahmenpaket für den Autofahrer?
Der Bundesrat will die CO2-Emissionsvorschriften weiter verschärfen.

Wie viel Energie (alle Energieträger) brauchen wir im Jahr 2050?
Heute liegt er bei 253 Terawattstunden (TWh). Bis 2035 soll der Energieverbrauch um 17 Prozent und bis 2050 um 28 Prozent reduziert werden.

Wie geht es jetzt weiter?
Das erste Massnahmenpaket soll im Herbst in die Vernehmlassung geschickt werden. Das Parlament beschäftigt sich ab Mitte 2013 damit. Das Paket tritt frühestens 2015 in Kraft.

Und dann?
Der Bundesrat will eine zweite Phase planen, die nach 2020 beginnen soll. Möglich ist, dass die CO2-Abgabe und der KEV-Zuschlag zu einer Energieabgabe auf sämtliche Energieträger umgewandelt werden.

Unternehmen wollen 7 Terawattstunden sparen

Die Schweiz schafft den Atomausstieg nur, wenn auch die Wirtschaft mithilft. Heute entfallen 35 Terawattstunden (TWh) Strom auf die Sektoren Industrie und Dienstleistungen. Das sind knapp 60 Prozent des schweizerischen Stromverbrauchs. Bisher ist Stromsparen für die Firmen freiwillig. Die Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) hat mit rund 2200 Unternehmen Zielvereinbarungen abgeschlossen.

Gemeinsam haben die EnAW-Teilnehmer bisher 1 TWh pro Jahr eingespart. Laut einer neuen Studie der EnAW liegt mehr drin. Macht ein Grossteil der Wirtschaft mit, könnten bis 2050 zusätzliche 7 TWh gespart werden. Das ist mehr als das Doppelte der Stromproduktion des AKW Mühleberg. Viel zu wenig, findet die Schweizerische Energie-Stiftung. Geschäftsleiter Jürg Buri: «Bis in 40 Jahren könnte die Wirtschaft locker das Doppelte an Strom sparen.» Alleine bei den Industriemotoren betrage das Sparpotenzial heute schon 7 TWh.

Claudia Stahel

Alle Kommentare (1)

  •   Ruedi Bachmann , 6300 Zug
    Sollten wir nicht schon lange umdenken, die Welt wartet nicht auf uns, das Klima und die Verschmutzung unsere Welt wird bald die Quittung bringen.

    Dies ist nur noch eine Frage der Zeit, dann ist alles Geld der Welt nicht genug.
    • 19.04.2012
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