Armeechef Blattmann will RS wieder verkürzen

BERN – 21 Wochen RS sind zuviel: Das sagen nicht Rekruten, sondern der Armeechef André Blattmann selbst. Ausserdem stützt er Ueli Maurer in Sachen Kampfjets.

  • Publiziert: 12.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Ueli Maurer erhält Unterstützung von André Blattmann. (Keystone)
Die Armeeführung fasst eine Verkürzung der Rekrutenschule ins Auge. Wie Armeechef André Blattmann heute sagte, schwebt ihm eine Verkürzung um 3 auf 18 Wochen vor.Der Vorschlag solle Bundesrat und VBS-Chef Ueli Maurer bereits im Januar zugeleitet werden, erklärte Blattmann an einer Medienkonferenz auf vierzig Metern Höhe im Sendeturm auf dem Bantiger. Diensttage seien die Kostentreiber in der Armee. Darum sei ihre Reduktion eine wirksame Sparmassnahme.Diensttage in den Wiederholungskursen wolle er nicht abbauen, sagte der höchste Militär der Schweiz. Das würde zu einer Reduktion des Armeebestands von derzeit rund 120000 Wehrleuten führen. In den Rekrutenschulen lasse sich die Dauer dank gesteigerter Effizienz dagegen recht problemlos abbauen.Dienstpflichtige, welche in die 21-Wochen-RS gingen, würden die geleisteten Tage abgezogen erhalten. Von einer Reduktion wären gut zwei Drittel der Rekrutenschulen betroffen. Den Spareffekt bezifferte Blattmann auf eine dreistellige Millionensumme. Einführen liesse sich die Massnahme relativ rasch im Verlauf des Jahres 2010 oder im Frühjahr 2011.Kampfflugzeug hat zweite PrioritätDie von Bundesrat Ueli Maurer anvisierte Verschiebung des Kaufs neuer Kampfflugzeuge werde von der ganzen Armeeführung mitgetragen, sagte Blattmann weiter. Das sei kein Entscheid gegen die Luftwaffe, sondern ein Entscheid für das Überleben der Armee.Unbestritten sei, dass die angejahrten Tiger-Kampfflugzeuge ersetzt werden müssten. Angesichts der verfügbaren Ressourcen und der vorhandenen Mängel hätten die neuen Kampfjets aber keine Priorität.Es wäre unglaubwürdig, 120000 Armeeangehörige nur ungenügend auszurüsten und gleichzeitig eine High-Tech-Beschaffung durchzuführen.Problematische Informatik-BeschaffungDas Informatik-Debakel betreffe das gesamte Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, erklärte Blattmann. Eine Task Force nehme sich nun des Problems an.In der Vergangenheit seien bei der Beschaffung Verantwortlichkeiten unklar gewesen, Doppelspurigkeiten aufgetreten und Abläufe kaum koordiniert worden. Er selbst habe bei der Entwicklung der Software für vernetzte Operationsführung (C4ISTAR) die Notbremse gezogen.Schluss mit politischen LippenbekenntnissenDas Fazit aus seinen Ausführungen ist für Blattmann dasselbe wie für seinen Chef, Verteidigungsminister Maurer: «Die Armee hat zuwenig Geld!». Sie benötige 500 bis 600 Millionen Franken mehr pro Jahr.Zu allem Übel bricht der Armee gemäss Blattmann das wichtigste Fundament weg: der Mensch. Fakt sei die existierende Wahlfreiheit zwischen Zivil- und Wehrdienst. Hier brauche es klare Regeln, denn eine Alternative zur Milizarmee gebe es nicht.Die Armee brauche endlich den Tatbeweis der Politik, schloss Blattmann. Es müsse vorbei sein mit Lippenbekenntnissen und der ständigen Schwächung «von politischer Seite». (SDA)

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