
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Seit der Abschaffung der Gewissenspflicht ist die Anzahl der Zivildienst-Gesuche rasant gestiegen. Für das laufende Jahr wurde mit total 2500 Militärdienstverweigerern gerechnet. Aber schon Ende August waren es bereits über 4200.
Das macht André Blattmann, dem Chef der Armee offenbar Sorgen. So teilt er in einem Interview mit der «Mittelland Zeitung» mächtig gegen den Zivildienst aus. Da der Zivi am Wochenende nicht freihabe und oft nur erst ab 9 Uhr arbeiten müsse, sagt er: «Das ist eine Verhöhnung der Wehrdienstleistenden.»
Die Abschaffung der Gewissensprüfung sei ein Betriebsunfall, so der Korpskommandant. «Es gehen uns eindeutig zu viele Soldaten verloren.» Dem widerspricht Nationalrat Josef Lang gegenüber Blick.ch vehement: «Die Gewissensprüfung an sich war ein Betriebsunfall!» Das Gewissen könne man schliesslich nicht prüfen.
Lang vermutet aber nebst der Angst von Blattmann, einen anderen Grund für die scharfe Tirade: «Für Militärköpfe hatte das Zivile schon immer weniger Würde als das Militärische.» Er könne zwar aus Sicht eines überholten Massenheers Blattmanns Äusserungen nachvollziehen. «Verständnis dafür aufbringen aber kann ich nicht.»
André Blattmann fordert nun gemäss dem Interview wieder neue Regeln im Dienst. So solle nicht mehr möglich sein, während dem Wehrdienst ein Gesuch für den Zivildienst zu stellen. Ausserdem müsse die Form des Zivildienstes hinterfragt werden. «Ein Museum einrichten oder bei archäologischen Ausgrabungen helfen, das können auch Private.»
Josef Lang muss über diese Äusserungen schmunzeln. «Das ist die typische Karikatur des Zivildienstes, die Hauptaufgabe der Zivis ist immer noch im Sozialwesen, in Alters- und Pflegeheimen.»
Auch Lang kann austeilen: «Statt der Haltung der jungen Menschen sollte Blattmann vielleicht sein Massenheer in Frage stellen.» Doch es zeige sich, dass die Armee in einer Sinnkrise stecke. Der strukturelle Wandel in der Wirtschaft trage ebenfalls dazu bei.
«Früher waren Kaderfunktionen automatisch mit einem hohen Rang im Militär verknüpft. Heute ist das ganz anders. Wie soll ein aufstrebender Mensch, der Karriere machen will, obligatorische Auslanderfahrung sammeln, wenn ihm die ganze Zeit der Militärdienst dazwischenfunkt? Dafür zeigen viele Firmen kein Verständnis mehr.»