Mit Terror-Spot Billag schüchtert TV-Zuschauer ein

  • Publiziert: 16.12.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Lukas Rüttimann, Daniel Meier und Gabriel Brönnimann

Er nervt. Er ist sauteuer. Er will nicht mehr aufhören. Und wir bezahlen ihn auch noch – den Terror-Werbespot der Billag.

Angst und Schrecken zur Prime Time – am letzten Wochenende so massiv wie nie: Zwischen «Meteo» und der Hauptabendsendung kommt die Schweiz gleich an drei Tagen hintereinander in den zweifelhaften Genuss des Terror-Spots der Billag.

Horror, Folter, Einschüchterung. Was das TV-Gerät im Billag-Spot «Die Geisterstunde» (siehe Video oben) erleiden muss, sollte wohl originell sein.

Dabei ist es vor allem eines – ziemlich daneben! Daran ändert auch seine Machart als Animationsfilm im Pixar-Stil wenig: Weil sein Besitzer die Billag-Rechnung in den Papierkorb schmeisst, führt eine bewaffnete Spezialeinheit ein freundlich dreinblickendes TV-Gerät bei Nacht und Nebel ab. Es wird in ein abgelegenes Gefängnis gebracht und gefoltert. Guantánamo lässt grüssen.

Billag lobt Terror-Spot

Bei der Billag ist man stolz: «Wir setzten bewusst auf witzige, unterhaltsame Spots, statt den Drohfinger zu gebrauchen. Die Spots sind qualitativ sehr hochstehend und heben sich vom Einheitsbrei der üblichen 30-Sekünder ab», wie Pressesprecher Johnny Kopp von der Billag erklärt.

Und sie heben sich ab – vor allem durch den Preis: 1,5 Millionen Franken haben die sechs aktuellen, bis knapp drei Minuten langen Marathon-Spots die Billag gekostet. Hinzu kommt die Ausstrahlung. Bei einem Werbetarif von 25000 Franken pro 20 Sekunden macht das über 200000 Franken – pro Ausstrahlung.

Dass die Billag von der SRG 50 Prozent Spezialrabatt erhält, tut nichts zur Sache: «Bezahlen muss es ja ohnehin der Gebührenzahler», wie Francisca Brechbühler von «Bye-bye Billag» sagt.

Volksinitiative gegen Gebühren

Die Managerin ist die Begründerin der ersten Volksinitiative, die aller Voraussicht nach über Facebook (FB) zustande kommt: In der FB-Gruppe «Volksinitiative gegen überhöhte Billag-Gebühren» sammelt sich der Zorn der Gebührenzahler. Brechbühler: «Schon kurz nach dem Start gings ab wie eine Rakete: Wir haben ein Thema aufgegriffen, das den Leuten unter den Fingernägeln brennt.»

Dabei richtet sich der Unmut der FB-User nicht nur gegen die Terror-Spots. Sie wollen die Auflösung der Billag – die tieferen Gebühren sollen künftig als Kopfsteuer entrichtet werden (siehe Box).

Nur Dänen zahlen mehr

Angesichts der Tatsache, dass die Schweiz im Vergleich mit unseren Nachbarländern die mit Abstand höchsten Gebühren hat, nachvollziehbar: Nur die Dänen zahlen mit über 500 Franken noch mehr als wir mit 461.90 Franken. So bezahlen wir der Billag jährlich rund 1,2 Milliarden Franken.

Besonders stossend: 55 Millionen braucht der mächtige Beamtenapparat für sich selbst – das gibt auch im Nationalrat zu reden.

Dass die Billag in diesen Tagen versucht, ihre Gebühren als Weihnachtsgeschenkidee zu vermarkten, wirkt da wie Hohn. Vor allem, wenn man sich die Bilder des Terror-Spots vor Augen führt.

Alle Spots von Billag

Hier finden Sie alle 3D-Animationen, die für Billag werben.

Initiativkomitee sagt: «Bye-bye Billag!»

Die Spots der Billag nervten einige so sehr, dass sie die Billag abschaffen wollen!

Die «Volksinitiative gegen überhöhte Billag-Gebühren» war erst eine Facebook-Gruppe im Internet. Sie zählt bereits über 19000 Mitglieder. Initiantin Francisca Brechbühler nervt sich über die 55 Millionen Franken, die die Billag pro Jahr für Administration und Werbung ausgibt – die Initiative fordert eine Gebühr, die mit den Steuern bezahlt wird. Und die Billag überflüssig macht. Die Initiative geht noch weiter: Die Gebühren sollen massiv gesenkt werden – auf 100 Franken. Das würde das heutige TV-Programm wohl verunmöglichen. Kommt die Initiative zustande, wird sich das Parlament mit einem Gegenvorschlag befassen müssen.

Mehr Infos: byebyebillag.ch
play Hierhin wünschen sich viele Steuerzahler ihre Billag-Rechnung: In den Papierkorb. (ZVG)

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz