Billag-CEO: «Spot wird nicht mehr gesendet»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann

ZÜRICH – Im Interview nimmt Billag-CEO Stephan Wiederkehr (42) Stellung zu den Vorwürfen und zur Volksinitiative «Bye bye Billag».

Blick: Herr Wiederkehr, bei uns quellen die Inboxen mit Billag-feindlichen Mails über. Was halten Sie davon?
Stephan Wiederkehr: Ich kann verstehen, dass niemand gerne Gebühren zahlt. Aber die Festlegung der Höhe der Gebühren ist nicht unsere Aufgabe – wir ziehen sie nur ein. Und weit über 90 Prozent melden sich freiwillig bei uns an.

Viele sind zornig wegen ihres Terror-Spots, der 250000 Franken kostete. Einer von sechs – 1,5 Millionen kostete die ganze Kampagne den Gebührenzahler.
Was Sie als «Terror-Spot» bezeichnen, sehen wir eher als Gute-Nacht-Geschichte, als lustigen Comic. Wir haben sehr viel positive Kundenreaktionen, viele finden den Spot genial. Letztes Jahr erhielten wir den wichtigen «Edi»-Preis für die Kampagne. Die Kosten bewegen sich mit 250000 Franken pro Spot im Rahmen, das ist ein tiefer Preis.

Werden Sie die Spots nun nach den negativen Reaktionen zurückziehen?
Wie gesagt, die Reaktionen sind gut, ich sehe im Moment keinen Grund, an unserer Werbestrategie etwas zu ändern, zumal wir den Auftrag haben, die Bevölkerung zu informieren. Der Spot «Geisterstunde» wird aktuell jedoch nicht mehr ausgestrahlt.

Viele Reaktionen erreichen uns auch wegen Ihres Aussendienstes. Stimmt es, dass die 80 Aussendienstmitarbeiter auf Provisionsbasis arbeiten?
Ja. Wir haben gute Erfahrungen mit diesem System.

Die Leser reklamieren. Sie schildern unangenehme Erfahrungen mit Billag-Detektiven.
Ein Aussendienst-Mitarbeiter hat keine Kontrollbefugnis, er darf nur Fragen stellen und Empfehlungen aussprechen. Reklamationen gibt es bei uns praktisch keine. Noch eher Übergriffe auf den Aussendienst, aber zum Glück
lassen sich auch die an einer Hand abzählen.

Die «Bye bye Billag»-Initiative erfreut sich grossen Zuspruchs, noch bevor sie spruchreif ist. Wie beunruhigt sind Sie?
Bei den Klagen der Leute auf Facebook geht es vorwiegend um die Höhe der Gebühren. Das ist nicht unser Mandat.

Trotzdem: Viele wollen Ihre Firma abschaffen.
Ich nehme die Initiative ernst. Schliesslich geht es um 300 Arbeitsplätze. Ich schaue ihr aber gelassen entgegen, weil ich keine Vorteile sehen kann. Das Inkassovolumen wäre viel kleiner.

Politiker: Billag überflüssig!

Nicht nur SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (32) fragt sich: «Wozu braucht es diese Firma überhaupt?» Und noch wichtiger: «Wofür erhält die Billag pro Jahr 55 Millionen Franken aus den SRG-Gebühren?» Schon im September hat die junge Zürcher Nationalrätin in einer Interpellation solche heissen Fragen gestellt.

Doch Medienminister Moritz Leuenberger – beziehungsweise sein Bundesamt für Kommunikation (Bakom) – ist die Antworten bisher schuldig geblieben. Die Antwort des Bundesrates wäre schon längst fällig gewesen. Nur noch bis Freitag hat er Zeit, das Versäumnis wenigstens zu begründen. «Bis heute habe ich aber noch keine Begründung in den Händen», beklagt sich Natalie Rickli.

Die Winterthurer Medien-Politikerin ist zur Überzeugung gelangt, dass es die Billag gar nicht braucht: «Ein Kreuzchen auf der Steuererklärung, dass man ein Fernsehgerät und oder einen Radioapparat besitzt, und schon könnten die Gebühren automatisch von den Steuern abgezogen werden.»

Natalie Rickli marschiert in die gleiche Richtung wie die bereits lancierte Volksinitiative gegen überhöhte Billag-Gebühren (im BLICK). So weit will der frühere SP-Präsident und Schaffhauser Nationalrat Hans-Jürg Fehr (60) nicht gehen, aber auch er ortet Handlungsbedarf: «Wieso kann die SRG nicht mit einer eigenen Abteilung die Gebühren einfordern?» Wieso müsse das eine hundertprozentige Tochter der Swisscom machen?

Von Georges Wüthrich

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