Bildung PISA 2015: Ärger über Methode statt Freude an Resultaten

Die Schweizer Schülerinnen und Schüler schneiden im internationalen PISA-Vergleich gut ab. In Mathematik belegen sie einen Spitzenplatz und in den Naturwissenschaften liegen sie über dem Durchschnitt. Bei der Lesekompetenz sind sie weiterhin durchschnittlich gut.

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Ihre Leistungen in der PISA-Studie 2015 sind allerdings durchwegs tiefer als bei der letzten Studie 2012. Über die verschiedenen PISA-Zyklen hinweg kann das Abschneiden der Schweiz aber als stabil bezeichnet werden, wie aus dem am Dienstag von der OECD publizierten Bericht hervorgeht.

Weil der Test erstmals am Computer gelöst werden musste und die Studienverantwortlichen bei der OECD auch an der Stichprobe und der Punkteskala geschraubt haben, verzichteten die Schweizer Verantwortlichen auf einen Vergleich und die Interpretation der Resultate. Stattdessen hoben sie an der Medienkonferenz die wissenschaftlichen Mängel der aktuellen Studie hervor.

Für das Eidg. Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) ist derzeit nicht abschliessend geklärt, inwieweit ein Vergleich möglich ist zwischen den Ergebnissen von PISA 2000 bis PISA 2012, die auf Papier gelöst wurden, und PISA 2015 am Computer. Der Wechsel stelle eine einschneidende Veränderung dar.

In einem Brief an die OECD bezeichnet die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) «das Qualitätsproblem» als massiv. Die Konsequenzen seien nicht abschätzbar. Für EDK-Präsident Christoph Eymann ist es derzeit verfehlt, die aktuellen Daten aus bildungspolitischer Sicht zu interpretieren, geschweige denn Schlussfolgerungen für das Schulsystem zu ziehen.

Für die Schweiz ist der PISA-Test der einzige internationale Vergleich der Schulleistungen. Er ergänzt schweizerische Untersuchungen, beeinflusst das nationale Bildungsmonitoring und gilt als unabdingbar.

Die EDK fordert von der OECD einen unabhängigen wissenschaftlichen Diskurs auf Basis transparenter Informationen. Ziel sei es, die Daten mit den früheren Erhebungen vergleichen zu können, und zu wissen, weshalb es zu den Veränderungen kam, erklärte Eymann. «Heute fehlen uns die Elemente, um uns verbessern zu können.»

Der Schwerpunkt des jüngsten PISA-Tests lag bei den Naturwissenschaften. Dabei gehe es um mehr «als um Reagenzgläser und die Elemente des Periodensystems». Auf Naturwissenschaften basierten fast alle Instrumente, «die wir nutzen - vom einfachen Dosenöffner bis zur komplexesten Weltraumsonde», hielt die OECD fest.

Bei den naturwissenschaftlichen Kompetenzen schnitten die 15-Jährigen in der Schweiz über dem OECD-Mittelwert von 493 Punkten ab und erzielten 506 Punkte. Dabei konnten sechs Kompetenzstufen erreicht werden.

16 Prozent der Schüler erreichten das Grundkompetenz-Niveau 2 jedoch nicht. Bei den Mädchen waren es 17 Prozent. Die obersten zwei Niveaus 5 und 6 erreichten 10 Prozent der Mädchen und 11 Prozent der Knaben. Im OECD-Durchschnitt erfüllten etwa 7,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler die höchsten Anforderungen. Gesamthaft schwangen in den Naturwissenschaften Singapur, Japan und Estland beim Test obenaus.

In Mathematik sind dafür die Schweizer Schülerinnen und Schüler Spitze. Sie erreichten mit 521 Punkten den besten Mittelwert in Europa, gefolgt von Estland mit 520 Punkten. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 490 Punkten. Im Gesamt-Ranking der Länder liegen nur Singapur, Japan und Korea vor der Schweiz.

Rund 16 Prozent aller Knaben und Mädchen erreichen jedoch das Niveau der Grundkompetenz nicht. Leistungsstark in Mathe sind in der Schweiz 22 Prozent der Jungen und 16 Prozent der Mädchen.

Bei der Lesekompetenz hingegen schnitt die Schweiz durchschnittlich ab und erreichte 492 Punkte. Der OECD-Mittelwert liegt bei 493 Punkten. Geprüft wurde, ob die 15-Jährigen geschriebene Texte verstehen können und sie zu nutzen wissen, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Bedenklich ist hierbei, dass 24 Prozent - fast ein Viertel - aller Schüler keine Grundkompetenz beim Leseverständnis haben. Bei den Mädchen sind es 15 Prozent. Umgekehrt erreichten nur 6 Prozent der Schüler und 9 Prozent der Schülerinnen die höchsten zwei Kompetenzstufen.

Auch wenn die Resultate in der Schweiz als derzeit nicht interpretierbar gelten, lassen sie gewisse Schlüsse zu. So verwies Jürg Brühlmann vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) auf das mittelmässige Leseverständnis und warnte am Rand der Medienkonferenz vor Sparmassnahmen in den Kantonen, die zu grösseren Klassen und weniger Stunden führten.

Auch Eymann zog bereits einen Schluss: Länder aus dem asiatischen Raum seien an der Spitze - und ihre Schülerinnen und Schüler Konkurrenten für die Schweizer Kinder. Das sei auch eine Aussage.

Das Programme for International Student Assessment (PISA) ist der grösste internationale Schüler-Leistungstest. Die Studie wird alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt. Dabei werden die Kenntnisse von 15- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

In der aktuellsten Ausgabe 2015 haben mehr als eine halbe Million Schüler aus 72 Ländern und Regionen teilgenommen. An PISA 2015 nahmen nur noch 6600 Schweizer Schülerinnen und Schüler teil, nach 20'000 im Jahr 2012. Damals wurden allerdings auch regionale und kantonale Zusatzstrichproben gezogen. (SDA)

Publiziert am 06.12.2016 | Aktualisiert am 13.01.2017
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