Schwänzen schwer gemacht «Big Mother» im Klassenzimmer

  • Publiziert: 05.09.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Schüler aufgepasst! Mit dem Schwänzen ists bald vorbei, wenn das Beispiel aus Frankreich Schule macht. Per Internet können Eltern dort eure Noten und Absenzen einsehen.

«Hast du die «Uffzgi» gemacht? Wieso warst du am letzten Freitag am Nachmittag nicht in der Schule? Und überhaupt: Deine Mathe-Noten machen Papa und mir grosse Sorgen!» Was in den Ohren von Schülern wie ein Albtraum klingt, ist in 500 französischen Schulen zumindest zum Teil schon Realität.

Auf dem Internet könnten sich dort Eltern mit einem Passwort einloggen und die Absenzentage sowie den aktuellen Notenstand ihrer Kinder einsehen. Beat W. Zemp, der Chef des Lehrer-Dachverbandes, kann sich laut «tagesanzeiger.ch» ein solches Modell auch für die Schweiz vorstellen. Schliesslich hätten die Eltern die Obhutspflicht, so Zemp.

Damit sind die Zeiten vorbei, als formschwache Schüler am Mittagstisch auf die Frage «Wie gehts so in der Schule?» das Blaue vom Himmel runterlügen konnten. Auch notorischen Schulschwänzern können die Eltern so gnadenlos ihre augedruckte Absenzenstatistik vorlegen. «Big Brother» lässt grüssen!

In vielen grösseren Schulhäusern werden die entsprechenden Daten sowieso schon per Computer erfasst: Eine Software ermöglicht es den Lehrern, auf einer zentralen Datenbank Noten und Absenzen einzutragen. Aber auch das Lernverhalten und weitere persönliche Informationen werden vom Lehrerteam abgerufen.

Datenschutz als grösstes Problem

Da ist der Schritt aufs Internet nicht mehr weit: «Technisch ist das sicher machbar», sagt Stefan Roth zu Blick.ch. Er bietet in der Schweiz mit «LehrerOffice» eine solche schulinterne Datenbanksoftware an. Allerdings müsste eine Internetlösung «mindestens so verlässlich wie E-Banking» sein, so Roth.

Die Software für Lehrer kommt schon in fünf Kantonen (ZG, SZ, LU, NW, GL, AI und AR) flächendeckend zum Einsatz, erklärt Roth. Bisher habe aber in der Schweiz noch niemand explizit verlangt, dass die Daten auch per Internet abgerufen werden können.

Probleme würden sich vor allem beim Datenschutz ergeben, sagt Roth. Das sei schon bei ihrer schulinternen Lösung ein grosses Thema. Ausserdem gehe es auch um die Chancengleichheit: Schliesslich sei nicht sicher, dass alle Eltern über einen Internetzugang verfügten, so Roth. (bih)

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