Morgens um halb vier in Brienz Besoffener Maurer fährt Rock-Musiker tot

Vier Stunden nach dem Unfall hatte der Todesfahrer noch 1,6 Promille intus. Er ist schon wieder frei!

  • Publiziert: 03.09.2012
  • Von Beat Michel und Antonia Sell
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(Peter Gerber)

Hundert Meter liegen zwischen dem Kreuz auf dem Asphalt und den Blumen am Strassenrand. Auf diesen hundert Metern verliert der Musiker und Landschaftsgärtner Ben B.* (†27) am Samstagmorgen in Brienz BE sein Leben. Zu Tode geschleift von einem Auto. Am Steuer sitzt Maurer Raphael M.* (20). Vier Stunden nach der Irrsinnsfahrt hat er immer noch 1,6 Promille im Blut!

Es ist 3.30 Uhr, als Ben B. zusammen mit sieben Freunden aus dem Club Kick-Down an der Museumstrasse kommt. Hier sind sie Stammgäste – hier tritt Bens Rock-Band Deaf oft auf. Die Truppe will nach Hause, zu Fuss. Es ist nur einen knappen Kilometer bis zum Haus, wo Sänger Ben mit einigen seiner Musikerkollegen lebt.

Am Strassenrand laufen Ben und seine Freunde Richtung Zentrum, als ihnen ein weisser Jeep entgegenkommt. Es gibt kein Trottoir. Das Auto erfasst Ben und schleift ihn mit. Ganze hundert Meter. Erst in der nächsten Linkskurve wird Ben auf die Strasse geschleudert. Er ist auf der Stelle tot.

«Raphael hatte ordentlich getrunken»

Raphael M. hält nicht an, fährt einfach weiter. Bis zu sich nach Hause, keine 600 Meter von der Unfallstelle entfernt. Dort wird er später von der Polizei aufgegriffen. Bens Freunde haben nach dem Wagen gesucht – und den parkierten Jeep vor dem Haus gesehen.

Raphael M., der im Dorf als nett und umgänglich bekannt ist, kommt in dieser Nacht von den Brienzer Holzfällertagen. Zwischen 17 und 20 Uhr ist dort Happy Hour – alle Getränke gehen für den halben Preis über die Theke. «Raphael hatte ordentlich getrunken», erzählt ein Kollege.

Wieso der Maurer, der bei  seinem Vater im Betrieb arbeitet, sich trotzdem hinters Lenkrad setzt, kann sich in Brienz niemand erklären. Vor allem darum nicht, weil es einen Shuttle-Service gab. Todesfahrer Raphael M. ist bereits wieder auf freiem Fuss. Er wurde noch am Samstag nach Ausnüchterung und Befragung freigelassen. Er selber will zum Unfall und der Fahrerflucht nichts sagen.

*Namen der Redaktion bekannt

Erfolgreiche Band in der Region Brienz

Die Geschichte der Punkrock-Band «Deaf» beginnt 2001 in Schwanden bei Brienz BE. Ben B. (†27) gründet die Gruppe, die damals noch «Tinnitus» heisst. Er ist Sänger, Gitarrist und Songwriter. Die vier Jungs haben Erfolg. Sie werden für zahlreiche Festivals und von Clubs in der Region gebucht.

Beliebteste Kommentare

  • Walter  Keller
    Todesfahrer Raphael M. ist bereits wieder auf freiem Fuss?? ich glaubs ja nicht!
  • Rudolph  Stucki , Hudson , via Facebook
    ist das wieder typisch fuer die schweizer Justitz. ? Da faehrt einer besoffen Auto, toetet jemanden und begeht Fuehrerflucht...dann ist er schon wieder auf freiem Fuss, wharscheinlich bevor die Polizei die Papierarbeiten erledigt hat.....

Alle Kommentare (51)

  • Christoph  Brand , Lauenen
    Unglaublich tragisch, was da passierte. Zwei Familien sind durch eine Dummheit ins Unglück gestürzt worden. Ich bin mir sicher, dieser Raphael würde alles tun, um diese Tragödie rückgängig zu machen. Doch hat er nicht das Glück, das andere haben, bei denen, nach dem Abstottern der Busse und des von ihnen verursachten Schadens, seis ein plattgefahrener Zaun oder ein Blechschaden an einem parkierten Auto, das Leben normal weiter gehen kann. Er wird mit der Last weiterleben müssen. Die Dummheit ist in beiden Fällen die selbe, nur die Folgen sind in Raphaels Fall viel schlimmer. Die, die jetzt in ihren Kommentaren wie die Geier über den vermeintlichen Unfallverursacher herfallen, sollten sich erst überlegen, wieviele Dummheiten sie gemacht haben, die mit ein bisschen weniger Glück, ebenfalls in einer Katastrophe hätte enden können.
    • 04.09.2012
    • 34
    • 6
  • Carmen  Meier , via Facebook
    ich möchte hier alle mal ein bisschen wach rütteln! wir haben nur die zeilen in den zeitschriften gelesen und wissen nicht was wirklich bis ins letzte detail passiert ist. klar war der junge maurer betrunken auto gefahren...was garantiert nicht zu entschuldigen ist!!!! aber denkt einer daran welches schicksal nun beide familien haben? und dass sich warscheinlich alle kennen?! raphael wird seine strafe erhalten und für sein leben lang gestraft sein einem kollegen das leben genommen zu haben....

    ich wünschä beiden familien ganz viel kraft in diesen schweren stunden!!!!
    • Schmid  Edi , Hütten
      Sehr tragisch, schon wieder ein unschuldiges Todesopfer. Ihnen Frau Meier möchte ich sagen, dass, wenn sich Jemand alkoholisiert ans Steuer setzt, egal was passiert, er ganz klar vorsätzlich handelt.
      Wird leider vom Gestz nur "bedingt" beachtet.
      • 03.09.2012
      • als Kommentar auf Carmen  Meier
      • 25
      • 5
  • Kurt  Meier
    Warum sollte er nicht wieder auf freiem Fuss sein? Droht keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr kann ihn die Justiz nicht festhalten. Das war schon immer so und entspricht der normalen Verfahrenspraxis und unseren Gesetzen. Alles andere würde auch keinen Sinn machen, denn erst das Urteil legt die Strafhöhe fest. Einigen Kommentarschreibern hätte etwas mehr Staatskunde in der Schule gut getan!
  • Rainer W.  Winkler , Bern , via Facebook
    Wer ändert endlich unser Justiz-System? Die kleinen Fischchen fängt man und die grossen lässt man einfach wieder frei.

    Rainer Winkler, 3150 Schwarzenburg
  • Peter  Bauer , Zug
    Auch wenn es einem nicht passt: Alle die hier nach Recht und Ordnung schreien, sollen sich gefälligst auch selbst daran halten. Untersuchungshaft heisst es, weil in dieser Zeit untersucht wird, wer einen Schaden verursacht hat - und wenn ein Verdacht vorliegt. Hier ist die Sache klar. Also gibts auch keine Untersuchungshaft. Das wirkt zwar mehr als nur fragwürdig - steht aber im Einklang mit dem Gesetz. Die Anklage wird noch folgen - welche Strafe dann gesprochen wird, steht auf einem anderen Blatt.
    • 03.09.2012
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