Glacier-Express-Drama im Wallis Beschleunigte der Lokführer zu stark aus der Kurve?

  • Publiziert: 27.07.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

FIESCH VS – Die drei Experten der Untersuchungsstelle haben bis jetzt keine technischen Mängel an den Unglückswagen des Glacier-Express entdeckt. War menschliches Versagen der Grund für die Entgleisung?

Drei Experten der Untersuchungsstelle haben die zwei umgekippten Wagen des «Glacier Express» unter die Lupe genommen. Die Unfallwaggons befinden sich zur Zeit im Depot der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) in Brig. Irgendwelche Hinweise, dass technische Mängel zum Unfall geführt hatten, konnten sie bis jetzt nicht ausmachen.

Walter Kobelt, Chef der UUS, sagte gestern in Brig vor den Medien, der Lokomotivführer habe aber vor dem Unfall eine Verformung der Schienen gesehen. Der Lokführer habe jedoch nicht mehr bremsen können.

Schienen nach Unfall beschädigt

Ob es diese Deformation wirklich gegeben hat, kann Kobelt nicht bestätigen. «Die Schienen sind wegen des Unfalls zu sehr beschädigt», sagte er.

Aber stimmt dieAussage des Lokomotivführers auch? Kurz vor der Kurz vor der Unfall-Kurve fährt der Zug durch eine Passage, in der nur 35 km/h erlaubt sind. Es ist durchaus möglich, dass der Lokführer zu stark aus der Kurve beschleunigte und somit den letzten Wagen regelrecht ausgeheblt hat.

Die Matterhorn Gotthard Bahn hält sich bisher noch zurück mit Aussagen über die Unfallursache. Zwar ist der Datenschreiber ausgewertet worden, mit der Bekanntgabe der Ergebnisse wird aber noch zugewartet.

Testfahrten gestern Abend


Diese sollen zuerst mit den Aussagen des Lokführers verglichen werden. Gestern Abend fanden zudem noch Testfahrten am Unglücksort statt. Der Lokomotivführer wird zurzeit psychologisch betreut.

Kobelt und sein Team forderten zusätzlich ein geologisches und auch ein meteorologisches Gutachten an. Letzteres soll speziell über die Windverhältnisse zur Unfallzeit Aufschluss geben.

Am Unfallort zwischen Lax und Fiesch wurden zudem die Schienen ausgemessen. Sie müssen nun mit Standardschienen verglichen werden, um festzustellen, ob sie den Vorschriften entsprechen.

Aufregung in Japan

In Japan gab es einige Aufregung, dass schon am Sonntag die Strecke wieder freigegeben wurde, ohne dass man den Grund für das Unglück kenne. Kobelt versicherte aber, dass die Freigabe der Fahrspur angesichts der Beobachtungen des Lokomotivführers nicht gefährlich gewesen sei.

Er verwies auf die Instandstellungsarbeiten und die Beschränkung der Geschwindigkeit für die Züge auf 15 Kilometer pro Stunde am Unfallort. «Damit sagen wir aber nicht, dass mit der Fahrspur alles in Ordnung gewesen ist.»

Kobelt wies darauf hin, dass die Untersuchungen noch Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen könnten. Er rechne jedoch damit, im Laufe dieser Woche wenigstens einen Zwischenbericht abgeben zu können. (gca/SDA)

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