Bescheisst Aldi seine Mitarbeiter?

  • Publiziert: 28.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Seit drei Jahren geschäftet Aldi in der Schweiz. Bei den Gewerkschaften hat sich der deutsche Discounter in der Zeit keine Freunde gemacht. Die neuen Vorwürfe sind happig.

Aldi gewähre den Mitarbeitenden keinerlei Einblick in die Arbeitszeiterfassung, polterte heute der Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna, Carlo Mathieu. Die Angestellten könnten lediglich noch das Stundentotal unterschreiben, eine Kontrolle sei unmöglich.

Syna vermutet hinter Aldis Vorgehen ein System. Sie fordert Aldi daher auf, den Angestellten vollständigen Einblick in die Arbeitszeiterfassung zu gewähren. «Eigentlich eine simple Forderung, die lediglich mit Anstand zu tun hat», so Mathieu.

Mehr Arbeit als 50 Prozent

Die Zeiterfassung ist indes nicht der einzig Kritikpunkt der Syna. So moniert die Gewerkschaft, dass Aldi die Verkäuferinnen offiziell nur mit 50-Prozent-Pensen anstellt. Tatsächlich arbeiteten die meisten öfters, zum Teil sogar 100 Prozent oder mehr.

Die über den Arbeitsvertrag hinaus geleisteten Stunden zahle der Discounter aus, allerdings ohne Überzeitzuschläge. Gesetzlich seit das zwar erlaubt, sagte Mathieu. Für die Mitarbeitenden bedeute dies aber, dass sie während den Ferien den Lohn nicht aufgrund des tatsächlich geleisteten Arbeitspensums erhielten.

Schikane

Und auch der 13. Monatslohn basiere lediglich auf der offiziellen 50-Prozent-Anstellung. Des Weiteren unterstellt Syna Aldi, ein Arbeitsklima des Drucks und der Schikane zu schaffen. So dienten Testkäufe in den Filialen offensichtlich nicht der Qualitätssicherung, sondern dazu, die Verkäuferinnen gezielt unter Druck zu setzen und zu schikanieren.

Aldi verschliesse sich zudem jeglichen Verhandlungen zu den Arbeitsbedingungen. «Wir haben Aldi mehrfach zu Gesprächen eingeladen, aber nie eine Antwort erhalten», sagte Mathieu.

Keine Antwort der Gewerkschaften

Aldi Suisse weist die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück. Die Arbeitszeiterfassung werde korrekt gehandhabt, sagte Mediensprecher Sven Bradke. Im Gegenzug wirft er den Gewerkschaften vor, nicht auf Schreiben von Aldi zu reagieren.

«Wir haben die Gewerkschaften aufgefordert, konkrete Fälle zu nennen, damit wir diesen nachgehen könnten», so Bradke. Nicht ein Fall sei ihnen seither gemeldet worden. (SDA/hhs)

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