Staatsschutz alarmiert – Uni distanziert sich Berner Professor will Haustiere verbieten

  • Publiziert: 09.07.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Beat Michel

BERN – Haustiere halten - findet er verwerflich. Anschläge verüben - nicht immer schlimm. Die seltsame Weltanschauung des Berner Professors Klaus Petrus.

In seiner offiziellen Funktion an der Universität Bern untersucht er die Sprache der Menschen. Was bedeutet es, wenn man bestimmte Wörter benutzt? Für das aktuelle sprachphilosophische Projekt hat Klaus Petrus 1,33 Millionen Franken vom Schweizerischen Nationalfonds zugesprochen bekommen.

Doch der Honorarprofessor hat eine zweite «akademische Identität», wie er selber sagt. Er steht hinter der militanten Tierschutz-Organisation Animal Liberation Front (ALF) und engagiert sich selber für ein radikales Umdenken im Umgang mit Tieren.

So schrieb der Professor kürzlich im Internet einen Aufsatz über die «ALF und die Sache mit dem Terrorismus». Unterschrieben ist mit Institut für Philosophie, Universität Bern. Er verneint darin klar, dass die ALF eine terroristische Organisation sei.

Das sehen Fachleute wie Jürg Bühler anders. Der stellvertretende Chef des Dienstes für Analyse und Prävention DAP wehrt sich gegen die Verharmlosung der Tier-Extremisten durch Professor Petrus. «Die Mitglieder der ALF haben in der Schweiz bereits Sachbeschädigungen begangen. Zudem haben sie Angestellte einer Forschungsfirma und deren Familienangehörige bedroht», sagt Bühler. «In anderen Ländern haben sie auch schon Morddrohungen ausgesprochen und Anschläge verübt.»

16 Prozent der DAP-Einsätze im Bereich «Extremismus» gingen 2007 auf das Konto militanter Tierschutz-Organisationen.

Professor Petrus möchte uns auch Büsi, Hunde, Hamster und Meerschweinchen verbieten. «Das Halten von Tieren als Haustier und Kumpel muss verbannt werden», sagt er im Interview mit dem Westschweizer Nachrichtenmagazin «LHebdo». Ist der Herr Professor vom Affen gebissen?

Man darf die Tiere auch nicht essen, keine Versuche mit ihnen machen, nicht für bestimmte Zwecke trainieren und einsetzen. «Man muss verbieten, dass ein Mensch ein Tier besitzen darf», sagt er.

Auf seiner Streichliste stehen nicht nur Bauernhof-, Zirkus- und Zoo-Tiere, sondern auch Lawinenund Blindenhunde. Petrus vergleicht die Haltung von Blindenhunden mit der Versklavung der Schwarzen.

«Ich lade diesen Herrn ein, einen Tag mit einem Blinden und seinem Hund zu verbringen», sagt Jacques Renk, Sprecher des Schweizerischen Blindenverbandes. «Dann sieht er, wie gut es den Tieren geht.» Für die Blinden wäre es zudem eine Katastrophe, wenn sie ihr Tier weggeben müssten. Nur mit Hund können sie sich in der Stadt sicher bewegen, sagt Renk.

Petrus greift auch die Menschen an, die sich für eine tiergerechte Haltung einsetzen: «Die Massnahmen geben der Fleisch produzierenden Industrie ein positives Image und der Öffentlichkeit ein gutes Gewissen.»

Roman Weibel von KAGfreiland muss da«vehement widersprechen». Für den Geschäftsführer der Konsumenten-Arbeits-Gruppe für tier- und umweltfreundliche Nutztierhaltung ist es «sehr wohl möglich, Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten. Klaus Petrus hat wohl die ökologischen Zusammenhänge ausgeblendet», sagt Weibel. «Nutzen ist nicht gleich quälen.»

Professor Petrus möchte keine Stellung zu seinen umstrittenen Äusserungen nehmen. Er verweist auf seinen Arbeitgeber – die Uni Bern.

Die hat zuerst gehofft, Petrus habe nur als Privatperson zur ALF publiziert. Doch mindestens einen Aufsatz zeichnete er mit der Signatur der Universität.

Nach «internen Abklärungen» geht die Hochschule auf Distanz zum Professor . Wenn auch halbherzig. «Privatdozent Dr. Klaus Petrus wurde von der Universität angewiesen, künftig klar und unmissverständlich private und akademische Tätigkeit zu unterscheiden», sagt Sprecher Marcus Moser. «Die Universität Bern distanziert sich als Institution in aller Form von Handlungen und geäusserten Denkweisen, die geltende gesetzliche Bestimmungen missachten.»

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