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Der Wolf frass das 200 Kilogramm schwere Rind zur Hälfte. (Ausriss Walliser Bote)
Dass ein Wolf ein Schaf reisst, daran haben sich die Bauern im Wallis mehr oder weniger gewöhnt. Auch auf der Alpe oberhalb von Mollens riss ein Wolf seit anfangs Juli mehrere Tiere. Doch jetzt sorgt das neuste Opfer des Raubtieres für Unruhe.
Letzte Woche machte der Wolf nämlich erstmals Jagd auf ein Rind. Die Bilder von der Alpage du Sex sind heftig. Der Wolf frass das 200 Kilogramm schwere Tier von hinten zur Hälfte auf. Der vordere Teil weise überhaupt keine Verletzungen auf, sagt Alp-Pächter Armin Andenmatten gegenüber dem «Walliser Boten». «Man kann nur erahnen, wie sehr das Rind gelitten haben muss.»
Zwei Tage später griff das Raubtier wieder an. Doch das attackierte Rind kann fliehen – schwer verletzt. «Am Rücken und an den Hinterbeinen sind deutliche Reisswunden zu sehen. Am Vorderbein klafft ein tiefes Loch», sagt der Alp-Pächter. Ob das Tier überlebt, hängt davon ab, wie schwer sich die Wunden entzünden.
Die Tiere auf der Varneralpe wurden mittlerweile ins Tal gebracht, doch auf den umliegenden Alpen wartet ein richtiges Schlaraffenland auf den Wolf: 162 Rinder, 46 Kühe, 180 Geissen 30 Schweine und vier Pferde sömmern dort nach wie vor ungeschützt. Herdenschutzhunde würden nichts bringen, erklärt Andenmatten. «Die sind ausschliesslich auf Schafe getrimmt.»
Bald ein ganzes Rudel?
Nicht genug, dass der Wolf jetzt plötzlich seinen Geschmack an Rindfleisch gefunden hat. Vielleicht jagt bald ein ganzes Rudel die Tiere der Bauern. Ein Jäger will beobachtet haben, dass nicht nur ein Wolf, sonder ein grösseres und ein kleineres Tier zusammen durch die Gegend streifen.
Falls es sich tatsächlich um ein Weibchen und ein Männchen handeln sollte, würde einer Rudelbildung nichts mehr im Weg stehen. Derzeit wird das gefundene Gen-Material analysiert. Erst dann kann definitiv gesagt werden, ob es wirklich zwei Wölfe im Gebietz gibt.
So oder so ist die Situation für die Bauern und ihre Tiere höchst unangenehm. Mit weiteren Angriffen des Wolfs ist zu rechnen. «Wir haben jetzt tatsächlich grosse Angst um unsere Tiere», sagt Armin Andenmatten.