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Die ganze Schweiz fragt sich, warum es die Spezialeinheiten aus Bern, Aargau, Zürich, Basel und dem Thurgau nicht schaffen, einen Rentner zu fassen. Seit mehr als 48 Stunden führt der 67-jährige Peter Kneubühl die Elite-Polizisten an der Nase herum.
«Die Polizei ist eine Lachnummer», findet Blick.ch-Leserin Christine von Gunten aus Bern. Und auch Markus Baumgartner aus Liestal schreibt: «Einfach lächerlich! Wie lange wollt ihr noch Räuber und Poli spielen?»
Kurt Hügi, Vizedirektor des Schweizer Polizeiinstituts in Neuenburg, nimmt seine Beamten in Schutz. «Wir wissen, dass sich Leute unter Stress ganz anders verhalten. Der Täter kann fast übermenschliche Kräfte entwickeln.»
«Läuft nicht alles wie im Tierbüchli»
Das verwinkelte Quartier, schlechte Sichtverhätnisse und der nahe Wald spielten Täter Peter Kneubühl in die Hände. «Klar schulen wir unsere Leute. Aber solche Einsätze entwickeln immer ihre Eigendynamik. Da läuft nicht alles wie im ‹Tierbüechli› ab.»
Auch der Regionalchef der Kapo Bern, Francois Gaudy versucht die Fehlleistungen der Beamten schönzureden: «Die Polizisten sind keine Übermenschen, auch sie sind inzwischen müde. Ich bin zufrieden mit der Polizeiarbeit. Sie geben ihr Bestes.» Das Polizeileben sei halt nicht nur Sonnenschein.
Pistole, Langwaffe, Taser und Granaten
Trotzdem muss sich die Polizei kritische Fragen gefallen lassen. Sind die Elite-Polizisten schlicht falsch ausgerüstet? Das verneint Hügi. Die Spezialeinheiten verfügen im Gegensatz zur normalen Polizei über ein vielfältiges Waffenarsenal. «Die Pistole dient der Eigensicherung und für Einsätze bei kurzen Distanzen bis 20 Meter.» Danach kämen Langwaffen zum Einsatz.
«Die Polizisten tragen Sturmgewehre wie im Militär. Präzisionsschützen haben nochmals genauere Waffen.» Sonst verfügten die Spezialeinheiten auch noch über Taser. Und Granaten. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Explosiv-, sondern um Blendgranaten. «Wir sind nicht auf einem Vernichtungsfeldzug», sagt Kurt Hügi.
Fraglich ist auch, wie viel der Einsatz kosten wird. Sind der riesige Aufwand und das gigantische Aufgebot nicht übertrieben, um einen 67-Jährigen zu verhaften? Der Mann sei kein «ein alter Opa», sondern müsse relativ fit sein, sagt Gaudy. Er sei rund zwei Meter gross und viel gewaltbereiter als man bislang angenommen habe. Zu den Kosten meint er nur: «Am Schluss zahlt der Steuerzahler.»
Neue Taktik
Jetzt soll es eine neue Taktik richten: Heute Abend teilte die Kantonspolizei Bern mit, die Taktik im Katz- und Mausspiel mit dem Rentner zu ändern. Weil sie annimmt, dass sich die Wut des Mannes «primär gegen Verwaltungsstellen und vorab die Polizei richtet», passt sie die polizeilichen Massnahmen im betroffenen Lindenquartier an.
Sie überwache nach wie vor «mit unverändert vielen Kräften» das Quartier und rechne damit, dass der renitente Rentner heute Nacht wiederum sein Haus aufsuchen wird. Um die Polizisten am Ort des Geschehens «nicht unnötig weiterhin grosser Gefahr auszusetzen, wird ein Teil der sichtbaren, uniformierten Präsenz durch getarnte Einsatzkräfte ersetzt.»
Info-Blatt an die Bevölkerung
Auch mit der Bevölkerung kommuniziert die Polizei. Auf einem Informationsblatt erklärte man der Bevölkerung des Lindenquartiers das Polizei-Vorgehen. «Wir tun alles, damit unser Einsatz zu einem guten Ende kommt», heisst es. Sie verstehe die Ängste der Bevölkerung und rufe die Anwohner zur Vorsicht auf.
«Seien Sie wachsam und befolgen Sie die Anweisungen der Polizei. Treten sie nicht in Kontakt mit dem flüchtigen Rentner». Wer den Mann beobachte, solle nicht etwa eingreifen, sondern die Polizei auf der Hotline (031 634 34 34) alarmieren. Diese ist seit Donnerstag installiert und wird rege angewählt. (gca/bö/SDA)