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Der Wolf im Wallis ist tot. Gestern um 7.30 Uhr schlug sein letztes Stündchen. Mit einem sauberen Blattschuss erlegte ein Wildhüter das Raubtier, das auf der Alp du Scex zwei Rinder und mehrere Schafe gerissen hatte. Problem gelöst? Von wegen.
Noch immer streift ein Weibchen durch das Gebiet. Wird sie wieder zuschlagen? «Falls das Wolfspaar Junge gezeugt hat, muss die Wölfin nun alleine jagen um ihren Nachwuchs füttern zu können», sagt Raphaël Arlettaz, Professor für Biologie an der Universität Bern, gegenüber «Le Nouvelliste». «Ihre Angriffe würden ziemlich chaotisch und wild erfolgen.»
«Der Wolf muss ausgerottet werden»
Das fürchten auch die Besitzer der Geissen und Rinder, die sich noch auf der Alp Scex befinden. Deshalb fordert der Pächter der Alp, Armin Andenmatten, dass auch dieses Tier abgeschossen wird. «Der Wolf gehört nicht hier hin. Er muss weg und gehört ausgerottet.»
Für ihn ist es unverständlich, dass der Kanton Wallis nicht beide Tiere zum Abschuss freigegeben hat.
«Das ist ein Hosenscheisser-Entscheid», so der aufgebrachte Bauer. «Niemand ist damit zufrieden. Für die Wolfs-Befürworter ist schon ein Wolf zu viel tot, für uns noch einer zu wenig.»
Dass das Männchen getötet wurde, war purer Zufall. «Die Abschuss-Bewilligung lautete auf einen Wolf», sagt Peter Scheibler, Chef der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere. Wäre den Wildhütern die Wölfin als erstes vor die Flinte gelaufen, hätte man sie abgeschossen.
Mit Warnschüssen verscheuchen?
Ob auch das Weibchen abgeschossen werden muss, zeigt sich in den nächsten Tagen. Je nachdem ob, wie und wann das Raubtier wieder zuschlägt. Denn erst wenn neue Schäden vorliegen, wird der Kanton Wallis über eine zweite Bewilligung entscheiden.
Doch was, wenn das Weibchen wirklich Nachwuchs hat? Eine Abschussbewilligung wäre auch das Todesurteil für die Kleinen. Biologe Alettaz hofft darauf, dass dies nicht der Fall ist. «Wir müssen unser zukünftiges Vorgehen mit dem Wolf überdenken. Ich appelliere dafür, dass man in Zukunft die Raubtiere mit Warnschüssen verängstigt.» Dieses Vorgehen zeige in Frankreich grossen Erfolg.
Es hat keinen Platz für den Wolf
Auf der Alp Scex kommt diese Methode vorläufig nicht in Frage. Dafür werden am Montag Experten in Sachen Herdenschutz einen Augenschein vor Ort nehmen. «Da nur noch ein Wolf jagt, sind die Rinder wohl nicht mehr in Gefahr. Dafür aber die Geissen», sagt Andenmatten.
«Ich hoffe, dass wir eine gute Lösung für den Schutz finden. Mir ist jede Variante recht. Ich bin schliesslich für die Sicherheit der Tiere hier oben verantwortlich.»
Für Andenmatten ist aber klar. Auch wenn der Schutz Erfolg zeigen würden, hat es keinen Platz für das Raubtier im Wallis. «Vor hundert Jahren hat man den letzten Wolf in Eischoll geschossen. Das war ein riesiges Volksfest, da der Wolf zuvor immense Schäden verursacht hatte. Und jetzt, wo das Wallis zig Mal dichter besiedelt ist, soll es plötzlich wieder Platz für das Raubtier haben? Das kann nicht der Ernst der Wolfs-Befürworter sein.»