Versicherungsexperte zum Fall DJ Christopher S. «Betrüger kommen aus allen Schichten»

BERN - Star-DJ Christopher S. wurde unter anderem wegen Versicherungsbetrugs verurteilt. Ein Experte erklärt, wie Versicherungen Betrügern das Handwerk legen.

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Star-DJ Christopher S. wurde verurteilt. SVEN WALLISER

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Der bekannte Berner House-DJ Christopher S. (47) wurde heute vom Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er zwei Männer zur Brandstiftung angestiftet hatte. Grund: Er wollte Versicherungsgeld kassieren (BLICK berichtete). Paul Kühne, Leiter des Spezialdienstes für Betrugsbekämpfung bei der Zurich-Versicherung, erklärt BLICK, wie häufig diese Delikte sind.

BLICK: Ist DJ Christopher S. ein typischer Versicherungsbetrüger?
Paul Kühne: Es gibt kein klassisches Profil eines Versicherungsbetrügers. Die Erfahrung zeigt, dass Betrüger aus allen möglichen sozialen Schichten kommen.

Wie häufig kommt Versicherungsbetrug vor?
Öfter als die meisten denken. Schweizer Versicherer gehen davon aus, dass mindestens zehn Prozent der gemeldeten Ansprüche missbräuchlich sind.

Wie gross ist der Schaden?
Jeder Schweizer Haushalt bezahlt jährlich rund 460 Franken an Versicherungsbetrüger. Daran sieht man, wie gross das Interesse aller Versicherten an einer wirksamen Betrugsbekämpfung ist.

Mit welchen Methoden erkennen Sie Betrug?
Zurich Schweiz arbeitet mit einer Software für Betrugserkennung. Diese meldet verdächtige Fälle automatisch. Diese Fälle werden vom Spezialdienst analysiert, einem Team mit ehemaligen Polizisten. Dabei werden rund 50 Brandfälle pro Jahr genauer unter die Lupe genommen, wobei sich am Ende gegen zehn Prozent als tatsächliche Betrugsfälle herausstellen.

Wie gehen Sie dabei vor?
In einem ersten Schritt machen wir uns ein genaues Bild vom Kunden. Verdächtig kann dabei beispielsweise sein, wenn ein Kunde erst kurz vor dem Schadenfall die Versicherungsdeckung erhöht hat. Das lässt uns aufhorchen. Zusätzlich nutzen wir öffentlich zugängliche Informationen, beispielsweise aus sozialen Medien. 

Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Was sind die häufigsten Methoden der Betrüger?
Grundsätzlich ist die beliebteste Methode das zusätzliche Erhöhen der tatsächlichen Schadensumme. Bei Bränden ist die Schadensumme meist sehr hoch, nämlich zwischen 100'000 und einer Million Franken. Oft kommt es vor, dass Versicherte Wertgegenstände als verbrannt melden, die gar nicht verbrannt sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Bei einem Schadenfall gab uns ein Geschäftskunde an, in seinem Lagerhaus sei eine grosse Menge Pneus verbrannt. Unser Spezialdienst hat daraufhin berechnet, wie viel Platz die Lagerung dieser Menge Pneus brauchen würde. Dabei flog auf, dass die vom Kunden angegebene Menge niemals in seinem Lager Platz gehabt hätte.

Mit welchen Konsequenzen müssen Betrüger vonseiten der Versicherung rechnen?
Was viele nicht wissen: Beim kleinsten Betrugsversuch hat die Versicherung das Recht, den gesamten Schaden abzulehnen. Beispiel: Das Auto eines Versicherten ist vollständig abgebrannt. Der Kunde gibt an, im Auto habe sich auch seine Snowboard-Ausrüstung befunden. Die Ermittlungen ergeben aber, dass das nicht stimmt. In diesem Fall muss die Versicherung auch den Schaden am Auto nicht bezahlen.

Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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1 Kommentare
  • Peter  Muster aus Koppigen
    25.11.2016
    Für einen schafen von 20000 6 jahre haft ist extrem streng. Wenn man bedenkt, dass die 6 jahre wohl hunderttausende von fr steuergelder verschlingen steht es irgendwie in keinem Verhältnis. Klar strafe muss sein, aber er scheint nicht so gefährlich zu sein, dass man die Bevölkerung vor ihm schützen muss. Im gegensatz zu schlägern, welche vielfach bewährung erhalten. Nur im Strassenverkehr sind die strafen noch übertriebener ganz ohne schaden....