Um 16.26 Uhr meldet sich Yves M. zurück

  • Publiziert: 08.57 Uhr, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Adrian Schulthess

Unglückskadi Yves M. trauert um seine fünf Kameraden. Öffentlich.

Kaum ist Yves M.* (29) frei, geht auch sein Privatarmee-Club, die Swiss Army Group (SAG), wieder ans Netz: Gestern um 16 . 26 Uhr lässt er eine Botschaft an die Kameraden aufschalten. Letzte Worte an jene fünf Soldaten, die er vor bald zwei Wochen im Berner Oberland bei einem Schlauchboot-Ausflug auf der Kander in den Tod führte.

«Wo Worte fehlen, das Unbeschreibliche zu beschreiben (...) bleibt einzig die Gewissheit, dass ihr für immer in unseren Herzen weiterleben werdet», lautet der letzte Salut. Hinter den Buchstaben das Foto einer Bergwiese samt Nebelmeer. Ein Foto mit dickem schwarzem Rand.

Die Kondolenz ist die erste Wortmeldung von Yves M.s SAG seit fast zwei Wochen. Unmittelbar nach dem Unfall ging die Website des Armeevereins völlig vom Netz. Sie blieb abgeschaltet, während die Militärjustiz M. befragte und die Militärpolizei die SAG überwachte. Niemand sollte Bilder davon sehen, wie sich die Gruppe um den erklärten Militärfreak selbst darstellte. Wie seine Männer im Kampfanzug Bier trinken. Schiessen üben. Über einen See paddeln.

Jetzt also immerhin eine Trauerbotschaft. Es ist die Trauer um die eigenen Leute. Mindestens drei Ertrunkene waren nämlich selber SAG-Mitglieder, die Yves M. 2003 gründete und bis heute führt.

Aus der SAG kam auch die Idee, mit Militärbooten die Kander zu befahren. Schon zehn Tage vor der katastrophalen Bootsfahrt im WK paddelten Yves M. mit SAG-Kameraden auf der Kander herum. Doch da nur im harmlosen Flussdelta.

Seine eigene SAG-Übung – abgesegnet und unterstützt von der Armee – nannte Yves M. «Tonus 08». Es war die erste Probefahrt für eine ganz grosse WK-Übung ein paar Wochen später.

Vorgängig, am 12. Juni, geht Kadi M. noch einmal probefahren. Diesmal aber auf der gefährlichsten Strecke des Flusses. Mit völlig untauglichen Booten. Die zehn Soldaten kentern schon nach Minuten.

Doch diesen «Kaderausflug» hatte der leichtsinnige Kadi nicht im Tagesbefehl angekündigt. War er obligatorisch? Oder gingen die neun Kameraden freiwillig mit?

Militärjustiz-Sprecherin Silvia Schenker wollte dazu gestern nichts sagen. Am Freitag werde eine Pressekonferenz Aufschluss darüber geben.

Vielleicht wird dann auch geklärt, warum Yves M. an der letzten SAG-Generalversammlung («Tenü: Tarnanzug 90, Kampfstiefel, Béret») im Jahresprogramm 2008 die Übung «Tonus» gar nicht erwähnte.

Seine Webseite schweigt auch dazu weiter.

* Name der Redaktion bekannt

So nimmt Yves M. Abschied von seinen toten Kameraden

Wo Worte fehlen, das Unbeschreibliche zu beschreiben, wo die Augen versagen, das Unabwendbare zu sehen, wo die Hände das Unbegreifliche nicht fassen können, bleibt einzig die Gewissheit, dass ihr für immer in unseren Herzen weiterleben werdet.

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