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Es ist 8.10 Uhr, als Samir T.* (29) in einem Kastenwagen vorgefahren wird. Er steigt aus und lächelt. Das Haar hat er zum Rossschwanz gebunden. Der Serbe ist an Händen und Füssen gefesselt, zwei Polizisten bewachen ihn.
Das furchtbare Verbrechen in Roggwil BE ist fast acht Jahre her. Ist Samir T. der Mörder?
In einer Augustnacht 2003 wurde der pensionierte Metzgermeister Willi Lüdi (79) in seiner Wohnung über der ehemaligen Metzgerei grausam umgebracht. Schlafzimmerräuber waren über eine Holzleiter ins offene Fenster eingestiegen. Sie quälten den alten Mann, schlugen ihm den Brustkorb ein, fesselten ihn.
Die Räuber liessen den schwer verletzten Metzger liegen, er erstickte qualvoll. Sie räumten seinen Tresor aus: Schmuck, Goldvreneli und 700 Franken. Mit der Beute verschwanden sie.
Im Mai 2004 fasste die Polizei den ersten Verdächtigen. Bashkim G.* (36) aus Däniken SO. Der verriet den zweiten Mann nicht. Selbst nachdem er 2006 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, schwieg Bashkim G. Als er endlich singt, wird im Mai 2009 in Uster ZH der Storenmonteur Samir T. festgenommen.
Der Serbe legt ein Teilgeständnis ab. Davon will Samir T. gestern vor dem Gericht in Aarwangen BE nichts mehr wissen. «Ich war nur der Chauffeur bis nach Roggwil», sagt er nun. Er habe 300 bis 500 Meter entfernt vom Haus parkiert. Bashkim G. sei dann «ohne irgendwelches Einbruchswerkzeug» allein dorthin gegangen und nach etwa dreissig Minuten zurückgekehrt. «Er hat mir nichts erzählt, was passiert ist», behauptet Samir T. «Er hat nur irgendetwas von geklautem Schmuck geredet.»
Um 13.45 Uhr wird auch Bashkim G. in Hand- und Fussfesseln ins Gericht geführt. «Ja, Samir war auch drin in der Wohnung», sagt er. «Zuerst haben wir ein, zwei Zimmer durchsucht. Im dritten haben wir eine schlafende Person im Bett gesehen.»
Er habe zu Samir gesagt, dass er im Schlafzimmer bleiben und ihn rufen solle, falls der Mann aufwache. «Ich habe dann den Tresorschlüssel am Schlüsselbund, der an der Stubentüre steckte, gefunden. Als ich Lärm im Schlafzimmer hörte, ging ich zu Samir hin», schildert Bashkim G. «Ich habe gesehen, dass er beim Mann im Bett war, ihm mit einer Hand den Mund zuhielt und sein Knie auf dessen Oberkörper drückte.»
Der Gerichtspräsident will wissen, wer dem Opfer die Hände hinter dem Rücken fesselte und Klebeband um den Kopf wickelte. «Das weiss ich nicht mehr», sagt Bashkim G.
«Und wer hat das Opfer am Ende mit der Bettdecke zugedeckt?», fragt der Gerichtspräsident. «Das war Samir», sagt Bashkim G. «Ich bin zuerst raus, er hinter mir her.» Der Gerichtspräsident erbost: «Einfach liegengelassen und weg?» Bashkim G.: «Ja.»
Auf der Heimfahrt hätten sie nichts geredet. «Als wir im BLICK vom Tod des Mannes lasen, haben wir gemeinsam unsere Flucht geplant.» Sie endet in Hamburg. Warum er in Haft so lange gewartet habe, bis er seinen Komplizen verriet? «Ich hatte selber Angst vor ihm und seinen Bekannten. Ich wollte ihn nicht verraten.»
Am Ende des Verhandlungstags wird Samir T. gefesselt abgeführt. Er lächelt.